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·30. März 2026

WM 2026: FIFA kassiert 11 Milliarden – und verweigert verbindliche Schutzmaßnahmen

Artikelbild:WM 2026: FIFA kassiert 11 Milliarden – und verweigert verbindliche Schutzmaßnahmen

Amnesty International wirft der FIFA vor, trotz Rekordeinnahmen keine verbindlichen Schutzmaßnahmen für die WM 2026 durchzusetzen. Nur 4 der 16 Gastgeberstädte haben Menschenrechtspläne veröffentlicht.

11 Milliarden Dollar und ein 44-seitiger Bericht – das sind die beiden Zahlen, die 73 Tage vor dem Anpfiff der WM 2026 aufeinanderprallen. Die eine steht für die Rekordeinnahmen, die die FIFA mit diesem Turnier erwartet. Die andere für das Dokument, mit dem Amnesty International an diesem Montag belegt, dass dieses Turnier inmitten einer „akuten Menschenrechtskrise" stattfindet. Wer beides nebeneinanderlegt, erkennt den Kern des Problems: Die FIFA verspricht ein Turnier, bei dem sich jeder „sicher, integriert und frei" fühlt – und weigert sich gleichzeitig, verbindliche Schutzmaßnahmen durchzusetzen, die dieses Versprechen einlösen könnten.


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Seien wir ehrlich: Das Wort „Menschenrechte" gehört in der FIFA-Sprache längst zum Standardrepertoire. Gianni Infantino prophezeit eine „friedliche und fröhliche Atmosphäre", er verleiht Donald Trump einen FIFA-Friedenspreis und sammelt 75 Millionen Dollar für dessen Friedensrat ein. Die PR-Maschinerie läuft. Aber der Amnesty-Bericht „Humanity Must Win" zeichnet ein anderes Bild: Fans aus Côte d'Ivoire, Haiti, Iran und Senegal können aufgrund von Einreiseverboten nicht in die USA einreisen, sofern sie nicht vor dem 1. Januar 2026 ein gültiges Visum hatten. Über 500.000 Menschen wurden allein 2025 abgeschoben. 43 Menschen starben zwischen Januar 2025 und März 2026 im Gewahrsam der US-Einwanderungsbehörde ICE. Das ist die Realität des Landes, in dem 78 der 104 WM-Partien stattfinden sollen.

Und die anderen Gastgeber? In Mexiko kündigt die Regierung 100.000 Sicherheitskräfte für gerade einmal 13 Spiele an – Polizisten, Soldaten, private Sicherheitsdienste. Der Anlass: Gewaltausbrüche nach der Tötung des Drogenkartell-Bosses Nemesio Oseguera Cervantes. In Kanada befürchtet Amnesty die Vertreibung Obdachloser. Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty Deutschland, formuliert es so: „Die WM 2026 droht mehr Repression als Fußball zu liefern." Ein Satz, der sitzt.

Die Frage ist: Was unternimmt die FIFA konkret? Nur vier der 16 WM-Gastgeberstädte haben bislang Menschenrechtspläne veröffentlicht – und selbst diese enthalten keine Schutzmechanismen gegen missbräuchliches Verhalten der Einwanderungsbehörden. Vier von sechzehn. Wer so bilanziert, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass das eigene Bekenntnis zu Sicherheit und Freiheit eine hohle PR-Formel ist. Die FIFA hat die Vergabe entschieden, die FIFA kassiert die 11 Milliarden – also trägt die FIFA die Verantwortung.

Zur Wahrheit gehört auch: Kein Fußballverband der Welt kann die Innenpolitik souveräner Staaten umschreiben. Die FIFA ist nicht die US-Regierung, nicht die mexikanische Armee, nicht die kanadische Kommunalverwaltung. Aber genau deshalb wäre der Mindeststandard, verbindliche Garantien in die Verträge mit den Gastgebern zu schreiben – und deren Einhaltung zu kontrollieren, statt nur Atmosphäre zu versprechen. Die FIFA hat bei der Vergabe nach Katar gelernt, dass Menschenrechtskritik kommt. Sie hat nicht gelernt, darauf mit mehr als Worten zu reagieren.

Im Vorgängerzyklus zur WM in Katar setzte die FIFA 7,5 Milliarden Dollar um. Jetzt sind es 11 Milliarden, für 2027 bis 2030 rechnet der Verband bereits mit 14 Milliarden. Die Einnahmen wachsen, die Schutzpflichten bleiben unverbindlich. Das ist kein Zufall, das ist ein Geschäftsmodell: maximale Kommerzialisierung bei minimaler Haftung.

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