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·10. April 2026
WM 2026 ohne Italien: Was hinter dem Niedergang der Squadra Azzurra steckt

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Zum dritten Mal in Folge wird eine Fußball-WM ohne Italien ausgetragen. Für das fußballbegeisterte Land ist das ein Schock, für Fachleute jedoch längst kein Zufall mehr.

Der italienische Stürmer Giacomo Raspadori (2. von links) feiert mit seinen Teamkollegen nach seinem Tor zum 2:4 im Fußballspiel der Qualifikationsrunde zur Weltmeisterschaft 2026 zwischen Israel und Italien am 8. September 2025 in Debrecen, Ungarn. (Foto: Attila KISBENEDEK / AFP)
Nach dem erneuten Scheitern in der Qualifikation für die Fußball-WM 2026 dominierten Begriffe wie „Albtraum“, „Hölle“ und „Niedergang“ die Schlagzeilen. Doch schon nach den verpassten Turnieren 2018 in Russland und 2022 in Katar war klar, dass die stolze Squadra Azzurra in einer tieferen Krise steckt.
Dass Italien im Sommer wieder nur Zuschauer sein wird, ist für den viermaligen Weltmeister der nächste Nackenschlag. Aus Sicht von Experten ist dieses Scheitern aber die logische Folge einer Entwicklung, die schon seit Jahren falsch läuft. Entscheidend sei nun, ob die Verantwortlichen endlich die richtigen Schlüsse ziehen, sagt die deutsch-italienische Sportjournalistin und frühere Spielerin Valentina Maceri in der Sendung Bolzplatz.
„Wichtig ist, dass man jetzt den Mut hat, die Wahrheit auszusprechen, um den Fußball in Italien zu revolutionieren.“ Valentina Maceri, Sportjournalistin
Maceri erinnert zugleich an Italiens letzte große WM-Euphorie: den Titelgewinn 2006 in Berlin gegen Frankreich. Dieser Finalerfolg war bis heute das letzte K.o.-Spiel der Azzurri bei einer Weltmeisterschaft und liegt inzwischen fast 20 Jahre zurück. 2010 und 2014 endete das Turnier jeweils schon nach der Vorrunde. Auch der EM-Titel 2021 erwies sich im Nachhinein nicht als nachhaltige Wende, sondern eher als Ausreißer nach oben, der die strukturellen Probleme des italienischen Fußballs nur überdeckte und notwendige Reformen hinauszögerte.
Ein zentraler Kritikpunkt ist die Serie A, die Carsten Fuß, Italien-Kenner und Fußballkommentator, als „langsame und gediegene“ Liga beschreibt. Im Bolzplatz spricht er sogar von einem „Elefantenfriedhof“. Die Verpflichtung alternder Stars wie Zlatan Ibrahimovic oder Luka Modric helfe nicht dabei, die Liga schneller, jünger und dynamischer zu machen.
Dazu kommt, dass in der Serie A junge italienische Spieler weniger Einsatzminuten sammeln als ihre Altersgenossen in anderen europäischen Top-Ligen. Nach Maceris Einschätzung liegt das auch an fehlender Infrastruktur und am mangelnden Mut, Nachwuchskräften echte Chancen zu geben. „Da braucht es die richtigen Trainer, da braucht es die richtige Vereinsführung und da braucht es vor allem auch das richtige Nachwuchsleistungszentrum“, sagt sie.
Genau hier liegt eines der Kernprobleme: Anders als Frankreich, Spanien, Deutschland oder England hat der italienische Verband bislang versäumt, flächendeckend Leistungszentren aufzubauen, in denen Talente systematisch entwickelt werden.

Italiens Sportminister Andrea Abodi (l.), CONI-Präsident Luciano Buonfiglio (M.) und FIGC-Präsident Gabriele Gravina (r.) verfolgen das WM-Qualifikations-Play-off-Spiel zwischen Bosnien und Herzegowina und Italien am 31. März 2026 im Stadion Bilino Polje in Zenica von der Tribüne aus. Getty Images
Vor 15 Jahren habe Roberto Baggio, damals technischer Direktor des Verbandes, ein Dossier verfasst, erklärt Giulia Mazzi vom Corriere dello Sport. Ziel sei gewesen, „den Fußball von Grund auf zu revolutionieren, wobei er sich speziell auf den Jugendfußball bezog“. Das Papier sei jedoch „in einer Schublade verstaubt“.
Die Lage erinnert auch an Deutschland nach dem Debakel bei der EM 2000, als der DFB tiefgreifende Reformen in der Nachwuchsförderung anstieß. Allerdings sind solche Umbauten nie wirklich abgeschlossen. Nach dem frühen Aus der DFB-Elf bei den WM-Turnieren in Russland und Katar wurde hierzulande erst vor Kurzem mit der „Trainingsphilosophie Deutschland“ erneut ein Konzept zur Weiterentwicklung der Ausbildung gestartet.
Wer den italienischen Umbau anführen soll, ist offen. Der personelle Umbruch läuft bereits, Verbandspräsident Gabriele Gravina, Sportdirektor Gianluigi Buffon und Trainer Gennaro Gattuso sind nicht mehr im Amt. Maceri setzt auf charismatische Ex-Nationalspieler wie Paolo Maldini oder Alessandro Del Piero, die das „Gesicht dieser Revolution des italienischen Fußballs sein könnten.“
Dass Italien sportlich Potenzial besitzt, zeigen andere Disziplinen: etwa Tennis-Topstar Jannik Sinner oder die gerade erst bei den Olympischen Spielen erfolgreichen Wintersportler.
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