Miasanrot
·12. Juni 2026
WM 2026: Tag 1 im Blog – Mexikos Pressingambivalenzen, Streichs USA-Kritik und Kim im Einsatz

In partnership with
Yahoo sportsMiasanrot
·12. Juni 2026

Mexiko tut sich zum Auftakt der WM 2026 schwer, Christian Streich trumpft direkt groß auf, Min-jae Kim steigt als erster Spieler des FC Bayern ins Turnier ein. Tag 1 im WM-Blog.
Die WM 2026 in Nordamerika ist gestartet. In den kommenden Tagen und Wochen spielen erstmals 48 Nationen den neuen Weltmeister und damit den Nachfolger von Argentinien aus.
Neben den sportlichen Ereignissen bringt das Turnier vor allem in den USA auch eine große politische Brisanz mit, die die Berichterstatter*innen vor die Herausforderung stellt, einen schwierigen Spagat hinzubekommen.
Miasanrot begleitet die WM 2026 deshalb nicht nur mit vielen Features und Analysen, sondern auch im WM-Blog, der euch täglich einen Überblick verschaffen soll. Das Format schaut vor allem auf den vergangenen Tag und blickt zudem auf die wichtigsten Ereignisse des bevorstehenden Tages.
Ziel ist es, dass der Artikel am Vormittag erscheint. Da wir dieses Projekt nur nebenberuflich stemmen können, ist unklar, ob das immer gelingt. Um dieses und ähnliche Formate in Zukunft dauerhaft ermöglichen zu können, kannst du in Erwägung ziehen, Miasanrot finanziell zu unterstützen. Mehr Einnahmen des Blogs sind gleichbedeutend mit mehr Zeit und Flexibilität bei der Erstellung von Content.
Das Spiel in aller Kürze: Während Südafrika auf ganzer Linie enttäuscht, zieht Mexiko das Geschehen vor allem über Aggressivität und Physis auf seine Seite. Der Gastgeber agiert dennoch träge und berechenbar.
Miasanrot-Note: 4,5
Das Spiel in aller Kürze: Ein risikoarmes und langweiliges Spiel wird in der zweiten Halbzeit durch das tschechische 1:0 geweckt. Südkorea ist das spielerisch stärkere Team mit den besseren Chancen, Tschechien vor allem über Standards und Flanken gefährlich.
Miasanrot-Note: 3,5
Mexikos Auftritt war insgesamt wenig berauschend, was zum Auftakt mit entsprechendem Erwartungsdruck an den Gastgeber womöglich auch normal ist. Neben einer eher behäbigen Ballzirkulation war aber vor allem das Pressing interessant. Die Mexikaner kamen vor allem über sehr gute Momente im hohen Anlaufen ins Spiel.
So erzwangen sie in der Anfangsphase gleich mehrere Ballverluste der Südafrikaner, die es mit einem spielerischen Ansatz probierten. Das 1:0 entstand aus einer hervorragenden Pressingfalle: Érik Lira ließ den Sechserraum vermutlich bewusst offen, sodass Sithole anspielbar blieb. Der Torwart nutze die Gelegenheit und passte zu seinem Sechser. Noch als der Ball unterwegs war, setzte Lira zum Vollsprint an, setzte Sithole damit unter Druck und eroberte den Ball.
Südafrika hatte allerdings die Spieler in den richtigen Positionen, um diese Situation auszunutzen. Stellt sich Sithole offener zum Ball und/oder macht einen Schulterblick, kann er das Geschehen besser überblicken und auf einen Mitspieler klatschen lassen. Von dort wäre dann ein Ball in den Raum möglich gewesen, den Lira mit seinem Vorwärtsverteidigen geöffnet hat, wenn es schnell gegangen wäre.

Ein Pass zurück in den linken Halbraum wäre eine Möglichkeit gewesen. Von dort hätte man entweder den einigermaßen sicheren Weg über den linken Flügel gehen können, um dann in die grüne Zone zu kommen (orangene Passlinien) oder den riskanteren Weg direkt durchs Zentrum, aber mit dem Spiel vor sich (graue Passlinien).
Doch Sithole wirkte überfordert und orientierte sich schlecht und auch seine Mitspieler waren zu passiv, statt aktiv für Anschlussoptionen zu sorgen. Deshalb griff die Pressingfalle. Generell hat das mexikanische Pressing einige Lücken. Südafrika konnte diese manchmal finden, aber wegen schwachem Nachrückverhalten nicht nutzen. Teams mit mehr Qualität können daraus Kapital schlagen, wenn Mexiko die Abstände so groß hält.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Miasanrot. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Spannend war zudem, dass das zu Beginn erdrückend laute Stadion immer ungeduldiger wurde, je zäher das Spiel für Mexiko wurde. Bei längerem Ballgeschiebe in der eigenen Abwehr gab es bisweilen sogar Pfiffe. Ob das dabei hilft, in den kommenden Spielen eine Leistungssteigerung hinzubekommen? Wohl eher nicht.
Christian Streich hat es mal wieder geschafft, genau die richtigen Leute im Internet auf die Palme zu bringen. Im ZDF erklärte der ehemalige Chefcoach des SC Freiburg, warum die Entscheidung, Omar Artan nicht in die USA einreisen zu lassen, aus seiner Sicht „hochgradig rassistisch“ sei.
„Es wird einfach behauptet: Ja, der gehört einer Terrororganisation an“, sagte Streich und verwies darauf, dass es dafür keinerlei Beweise gebe. Außerdem kritisierte er die USA scharf. Sie sei „auf dem Weg, eine Autokratie zu werden“. Dass der DFB sich nicht dagegen auflehnen wolle, könne er indes verstehen. Die Funktionäre müssten abwägen, weil sie glauben, man könne gegen diese Macht nicht allzu viel bewirken. Dahinter stehe eine Angst davor, Dinge in Bewegung zu setzen, die man nicht mehr aufhalten könne.
Mit Streich hat das ZDF schon deshalb einen Coup gelandet, weil ihnen mit ihrer Besetzung somit eine gute Balance aus sportlicher Analyse einerseits und der politischen Dimension des Turniers auf der anderen Seite gelingt. Da können wir nur sagen: Rede, Christian Streich!
Zwar sind erst zwei Spiele absolviert, aber die taktische Tendenz dieser Gruppenphase ist schon jetzt recht deutlich: Defense first, defense second, defense third und vielleicht machen wir dann mal was offensiv, wenn sich irgendwie etwas ergibt. Temperaturen, weniger klare Abläufe als in den Klubs, der Modus, der viele Gruppendritte belohnt – es gibt einige Gründe, warum das so ist.
Trotzdem zeichnet sich mal wieder ab, dass die Tage bis zur K.-o.-Phase sehr zäh und lang werden könnten. Wenngleich es ja ein paar wenige Lichtblicke im Teilnehmerfeld gibt. Immerhin: Südkorea fasste sich nach dem Rückstand dann doch ein Herz und suchte sein Glück etwas mehr in der Offensive.
Min-jae Kim hatte einen recht unspektakulären Arbeitstag. Der Innenverteidiger hatte kaum brenzlige Situationen zu lösen. In der ersten Halbzeit spielte er einen starken Pass im Aufbau, ansonsten lief er ein paar Löcher zu und konzentrierte sich darauf, die wenigen ernstzunehmenden tschechischen Angriffe im Verbund mit seinen Abwehrkollegen auszubremsen. Wirklich gefordert oder ins Spiel eingebunden war er aber nicht. Beim Gegentor, das direkt vor seiner Nase fiel, hatte er keinen echten Einfluss. Eine Klärung im zweiten Durchgang war durchaus wichtig. Miasanrot-Note: 3.
Am Abend steigen auch die beiden weiteren Gastgeber ins Turnier ein. Um 21 Uhr deutscher Zeit spielt Kanada gegen Bosnien-Herzegowina. Alphonso Davies trainierte unter der Woche erstmals wieder mit dem Ball, nachdem er lange verletzt ausfiel. Ein Einsatz kommt laut Jesse Marsch aber noch nicht in Frage. Um 3 Uhr kommt es dann zur ersten Partie der USA, die auf Paraguay trifft.







































