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·24. Juni 2026
WM 2026: Türkei-Gruppengegner USA in der Taktikanalyse

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·24. Juni 2026

Die Türkei mag vielleicht nach den Niederlagen aus den ersten beiden Gruppenspielen gegen Australien (0:2) und Paraguay (0:1) von der WM ausgeschieden sein, dennoch gilt es im letzten Gruppenspiel gegen Mitgastgeber USA, die eigene Ehre zu verteidigen und sich mit Würde aus dem Turnier zu verabschieden. Die US-Boys haben dabei ihre beiden ersten Gruppenspiele gewonnen und stehen damit schon als Gruppensieger fest, weshalb es durchaus möglich ist, dass Nationaltrainer Mauricio Pochettino ordentlich umstellen und vor allem auch Kickern aus der zweiten Reihe ihren Auftritt bescheren wird. Wie die USA basierend auf den letzten Spielen während und vor der WM vermutlich spielen werden, erfahrt ihr hier. Eine Taktikanalyse von LIGABlatt-Redakteur Ove Frank.
Dieser Tage sind viele Länder auf der Welt politisch und sozial äußerst gespalten, doch bei kaum einem Land ist das so klar zu erkennen, wie bei den Vereinigten Staaten von Amerika. Nicht nur gibt es den ewigen politischen Streit zwischen den beiden großen (manche würden sagen "einzigen") Parteien Demokraten und Republikaner, der sich seit der erneuten Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten noch einmal um einige Stufen verschärft hat, sondern auch die Schere zwischen arm und reich wird immer größer. Hinzu kommen noch Spannungen zwischen religiösen Vereinigungen und ethnischen Gruppen. Zuweilen erinnern die Bilder von Unruhen, die man allein seit dem erneuten Amtsantritt Donald Trumps sehen konnte, an eine fiktive Dystopie. Umso bedeutender erscheint es nun, dass die USA eine der drei Gastgeber-Nationen der FIFA-WM 2026 sind und dabei die mit Abstand meisten Spiele ausrichten und zudem noch ihre eigene Nationalmannschaft ins Turnier schicken. Die Hoffnung in der Bevölkerung ist, dass sich alle US-Amerikaner hinter dieser sehr bunten Truppe vereinen können, indem sie nicht nur gut spielt, sondern die Menschen durch ihr Auftreten mitreißt. Nach den ersten beiden Gruppenspielen muss man festhalten: "Es funktioniert!" Die USA, deren sportliche Qualität vor Turnierbeginn von vielen Beobachtern infrage gestellt wurde, wissen bislang durch tollen, direkten Fußball und richtige Spielfreude zu überzeugen und konnten sich bereits jetzt nach den beiden Siegen über Paraguay (4:1) und Australien (2:0) als Sieger der Gruppe D behaupten und sich fürs Sechzehntelfinale qualifizieren. Im letzten Vorrundenspiel gegen die bereits ausgeschiedenen Türken mag es sportlich vielleicht um nichts mehr gehen, da es bei diesem Turnier aber für die "Stars and Stripes" eben nicht nur um sportlichen Erfolg geht, sondern darum, ihr ganzes Land hinter sich zu vereinen, werden sie diese Partie mit Sicherheit nicht einfach so herschenken. Individuell sind die Amerikaner dabei nicht zu unterschätzen, denn auch wenn viele Kicker in der heimischen und sportlich schwankenden MLS ihr Geld verdienen, gibt es doch einige namhafte Spieler, die in europäischen Top-Ligen ihre Schuhe binden.
Der WM-Kader der USA
Tor: Matt Turner (New England Revolution), Chris Brady (Chicago Fire FC), Matt Freese (New York City FC)
Abwehr: Chris Richards (Crystal Palace), Mark McKenzie (FC Toulouse), Auston Trusty (Celtic Glasgow), Miles Robinson (FC Cincinnati), Tim Ream (Charlotte FC), Antonee Robinson (FC Fulham), Sergiño Dest (PSV Eindhoven), Joe Scally (Borussia Mönchengladbach), Alex Freeman (FC Villarreal)
Mittelfeld: Tyler Adams (AFC Bournemouth), Weston McKennie (Juventus Turin), Sebastian Berhalter (Vancouver Whitecaps FC), Cristian Roldán (Seattle Sounders FC), Timothy Weah (Olympique Marseille), Malik Tillman (Bayer 04 Leverkusen), Brenden Aaronson (Leeds United), Giovanni Reyna (Borussia Mönchengladbach)
Angriff: Max Arfsten (Columbus Crew), Christian Pulisic (AC Mailand), Álex Zendejas (CF América), Folarin Balogun (AS Monaco), Ricardo Pepi (PSV Eindhoven), Haji Wright (Coventry City)
Players to Watch
Die USA haben durchaus einige Stars im Kader, die sich auch schon bei dieser WM in den Vordergrund gespielt haben. Aushängeschild der Nationalmannschaft ist dabei der Ex-Dortmunder Christian Pulisic, der im Auftaktspiel gegen Paraguay bereits gezeigt hat, über welch enorme Qualitäten er verfügt. Aktuell ist er allerdings angeschlagen und wird wohl, wenn überhaupt, erst in der zweiten Halbzeit gegen die Türkei eingewechselt werden. Vorne sorgt Folarin Balogun für Aufsehen, der sich mit seiner Dynamik, seiner guten Technik und seiner Abschlussstärke für den nächsten Schritt empfiehlt. Auch ein Weston McKennie von Juventus Turin, der das Mittelfeld ordnet und als Ballschlepper vorne ebenfalls für Gefahr sorgt, dürfte Bundesliga-Fans ein Begriff sein, denn der 27-Jährige wurde unter anderem bei Schalke 04 ausgebildet und erlebte dort seinen Durchbruch. Ebenfalls aus der Bundesliga bekannt, ist der gebürtige Nürnberger Malik Tillman, der die Bayern-Jugend durchlaufen hat und nach seiner Zeit bei PSV Eindhoven vor einem Jahr für 35 Millionen Euro zu Bayer Leverkusen gewechselt ist. Es gibt also einige prominente Namen, die die meisten Beobachter auf dem Schirm haben werden. Wir wollen uns heute aber drei Spieler anschauen, die vielleicht nicht jedem direkt ein Begriff sind, die man aber auf dem Zettel haben sollte.
So könnten die USA spielen

Kader-Tool: fotmob.com
Die USA sind in ihrer Grundausrichtung durchaus variabel und haben unter Cheftrainer Mauricio Pochettino sowohl mit Dreier- als auch mit Viererkette zu spielen, wobei sich sich jeweils den Stärken und Schwächen des Gegners anpassen. Gegen Paraguay, wo man mit mehr spielerischer Finesse aufwarten konnte, wählte man ein klassisches 4-2-3-1, gegen Australien wiederum spielte man mehr über die Außenbahnen und setzte auf eine Dreierkette mit Doppelsturm. Gegen die Türkei ist es nun schwer vorauszusagen, was passieren wird, da beide Ansätze durchaus ihre Berechtigung hätten. Die Türkei setzt selbst mehr auf ein spielerisches Element, weshalb man selbst ebenfalls versuchen könnte, die Dinge mit technischer Finesse zu lösen. Australien und Paraguay haben aber wunderbar gezeigt, wie man die Türkei bespielen muss. Von daher ist eigentlich von einer Dreierkette mit Offensivausrichtung der Schienenspieler auszugehen, die die beiden in die Halbräume abkippenden Stürmer unterstützen sollen. Die defensiven Halbräume in den Schnittstellen zwischen Innen- und Außenverteidigung waren bei der Türkei bislang die klaren Schwachstellen. Sollte Vincenzo Montella also einen ähnlichen Ansatz mit dem gleichen Personal wählen, wie bisher (wirklich davon ausgehen sollte man eigentlich nicht), wäre dies der sinnvollste Ansatz. Von daher wählen wir für dieses Szenario für die USA eine 3-5-2-Formation, mit einigen personellen Wechseln im Vergleich zu den bisherigen Gruppenspielen. Grundsätzlich ist Pochettinos Spielstil von positionstechnischer Rotation und einer hohen Anpassungsfähigkeit an den Gegner geprägt. Mit einer guten Mischung aus Physis und Technik versucht man das Spiel dabei Schnell zu machen und aus dem Zentrum Steckpässe in auf die aufrückenden Außenpositionen zu spielen, die dann entweder die flache Hereingabe wählen, oder zurück an die Strafraumkante spielen, wo die aufgerückten Amerikaner dann für Überzahlsituationen sorgen. Das System ist insgesamt deutlich simpler, als es zunächst aussieht, dafür aber sehr effektiv.
Wenn die USA mit Dreierkette spielen, lassen sie sich aber in der Regel die Möglichkeit offen, effektiv auf Viererkette zu wechseln, indem Antonee Robinson seine Aufgabe auf der linken Schiene defensiver interpretiert und sich weiter nach hinten fallen lässt, während Sergiño Dest rechts hochschiebt, um in der Offensive die Breite zu halten. So rückt dann Alex Freeman als klassischer Rechtsverteidiger nach. Im Mittelfeldzentrum würde nach unserer Aufstellung Weston Mckennie für Dynamik sorgen, indem er sich als "Box Crasher" vorne immer wieder mit einschaltet, während Sebastian Berhalter die Rolle konservativer interpretiert und gegebenenfalls mehr nach hinten arbeitet. Brenden Aaronson würde hierbei den Spielmacher mimen, der mit seinen Pässen die Offensive füttert. Im Angriff geht der ehemalige Augsburger Ricardo Pepi mehr ins Zentrum, während sich Haji Wright, der Folarin Balogun ersetzen könnte, mehr auf den linken Flügel ausweicht. So würde man situativ zwischen 3-5-2 und 4-3-3 hin und her wechseln können, ohne von der Grundausrichtung her zu viel verändern zu müssen. Für die Türkei wäre die USA spielerisch damit schwerer auszurechnen als die bisherigen beiden Gruppengegner, doch muss man auch festhalten, dass man selbst bei Ausrechenbarkeit des Gegners bislang keine wirklichen Lösungen finden konnte. Trotz mehrerer personeller Wechsel (beispielsweise wäre auch ein Einsatz von Torwartroutinier Matt Turner denkbar) wäre die USA mit diesem Ansatz weiterhin durchaus schlagkräftig und würde den bisherigen spielerischen Ansatz von Mauricio Pochettino fortführen. Ob man wirklich so spielen wird, ist zwar unklar, doch haben diese taktischen Prinzipien bislang im Turnier bereits Anwendung gefunden, nur eben teilweise mit anderen Spielern.
Foto: Jamie Squire / Getty Images







































