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·30. Juni 2026

WM-Aus: Wie das Ausland die DFB-Elf zerlegt

Artikelbild:WM-Aus: Wie das Ausland die DFB-Elf zerlegt

Deutschland verliert 3:4 im Elfmeterschießen gegen Paraguay. Drittes Turnier in Folge, drittes frühes Aus. Das war die Sportmeldung aus Foxborough. Was die Weltpresse in derselben Nacht notierte, war etwas anderes – ein Nachruf.

Denn während sich die DFB-Elf orientierungslos über den Rasen schleppte, schrieben sie in Madrid, London, Mailand und Asunción schon an der Geschichte. Und die fiel härter aus als jedes deutsche Selbstmitleid. Wer wissen will, wie tief dieser 29. Juni sitzt, liest nicht die heimischen Spielberichte. Er liest, was das Ausland daraus gemacht hat.


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Der Mythos: erstmals vom Punkt besiegt

In Spanien fällt das Urteil knapp und unbarmherzig. Marca schreibt, von Deutschland sei nichts mehr übrig – nicht einmal mehr im Elfmeterschießen. Dieser Nachsatz ist der eigentliche Stich. Denn die deutsche Nationalmannschaft hatte bei einer Weltmeisterschaft noch nie ein Elfmeterschießen verloren. Eine ganze Turniergeneration lebte von dieser Gewissheit. Jetzt ist sie weg.

Der englische Guardian dreht den Blick weg vom Verlierer und hin zum Sieger: Der Matchplan der Paraguayer sei makellos gewesen, dies einer der größten Momente in der Geschichte des Landes. Die Daily Mail braucht für die Einordnung nur fünf Worte – die bislang größte Überraschung des Turniers. Kein Pathos, keine Schadenfreude. Nur ein Befund, der sitzt.

Die Abrechnung: „Flop Germania“

Italien nimmt sich Zeit für die Schlagzeile, nicht für die Gnade. „Flop Germania“ titelt die Gazzetta dello Sport und attestiert den Deutschen immerhin eine leichte Verbesserung gegenüber 2018 und 2022 – nur eben nicht genug, um den Erwartungen als Favorit gegen einen Außenseiter gerecht zu werden. Tuttosport sieht die erste große Überraschung dieser WM, der Corriere dello Sport spricht schlicht vom Kunststück, das Paraguay gelungen sei. Mundo Deportivo zählt mit: dritte Enttäuschung in Folge für den viermaligen Weltmeister.

Und hier liegt der Punkt, den die italienische Lesart freilegt. Die Frage ist nicht, ob diese Mannschaft besser war als die von Katar. Sie war es. Die Frage ist, warum „besser als 2022″ mittlerweile reicht, um trotzdem im Sechzehntelfinale nach Hause zu fahren.

Die VAR-Frage: Schweiz und Österreich sezieren das Drama

Es gab diesen einen Moment, in dem alles gekippt schien. 102. Minute, Verlängerung, Jonathan Tah steigt nach einer Ecke am höchsten und köpft ein. Führung. Erlösung. Dann meldet sich der Videoschiedsrichter, der Marokkaner Jalal Jayed erkennt auf ein Offensivfoul in der Entstehung – Tor weg. Eine Entscheidung, über die man streiten kann und muss.

Die Schweizer Presse macht genau das zum Kern. Der Tages-Anzeiger schreibt, der Videoschiedsrichter sorge für Gesprächsstoff, und benennt zugleich das eigentliche Problem: Paraguay habe sich ins Penaltyschießen gemauert und es gewonnen, weil bei Deutschland die Nerven flatterten. Der Blick spricht von einer der bittersten Stunden der deutschen Fußball-Geschichte. In Österreich nennt die Kronen Zeitung das Ganze, was es war: einen Elfmeter-Thriller, mit dem niemand gerechnet habe.

Man kann das aberkannte Tor als Wendepunkt deuten. Man kann es auch als Ausrede entlarven. Denn vom Punkt verschossen Havertz, Woltemade und am Ende Tah; Neuer hielt gegen Balbuena, José Canale traf zur Entscheidung. Wer in 120 Minuten gegen die Nummer 41 der Welt kein zwingendes Tor erzwingt, dem nimmt auch der beste Schiedsrichter nichts.

Paraguays Nacht – und warum sie verdient war

Während die DFB-Elf trauerte, schrieb Asunción Heldengeschichten. ABC Color spricht von einem der glorreichsten Kapitel der jüngeren Landesgeschichte, errungen in einer Nacht voller Dramatik und körperlicher Hingabe. La Nación findet das Bild, das die ganze Mannschaft erklärt: eine guaranische Leidenschaft, die in jedem Stadion zu spüren sei. Última Hora nennt den Mann der Nacht beim Namen – Torhüter Orlando Gill, der gleich zwei Elfmeter parierte.

Und die Zahl dahinter erklärt, warum das Ausland diesen Sieg feiert statt ihn kleinzureden. Paraguay stand vor dem Turnier auf Rang 41 der Weltrangliste, Deutschland auf Rang zehn. 31 Plätze Unterschied – eine der größten K.-o.-Überraschungen einer WM seit 1994. Wer tief steht, auf Standards lauert und ein desolates Schützenfest des Gegners übersteht, hat nicht gemauert, sondern einen Plan gehabt. Wer den Plan kennt, weiß: So schlägt man Favoriten.

Häufige Fragen zum WM-Aus gegen Paraguay

Warum gilt das Aus als historisch?

Deutschland hat zum ersten Mal überhaupt ein Elfmeterschießen bei einer Weltmeisterschaft verloren. Diese Unfehlbarkeit vom Punkt galt jahrzehntelang als Markenzeichen – und ist mit der 3:4-Niederlage gegen Paraguay dahin. Hinzu kommt: Es ist das dritte frühe WM-Aus in Folge nach den Vorrunden-Pleiten 2018 und 2022.

Was war mit dem aberkannten Tor von Jonathan Tah?

In der 102. Minute köpfte Tah Deutschland nach einer Ecke vermeintlich in Führung. Schiedsrichter Jalal Jayed (Marokko) nahm den Treffer nach VAR-Überprüfung wegen eines Offensivfouls in der Entstehung zurück. Die Entscheidung gilt international als umstritten und lieferte den größten Gesprächsstoff der Partie.

Wer hat im Elfmeterschießen verschossen?

Kai Havertz, Nick Woltemade und Jonathan Tah scheiterten vom Punkt, Keeper Orlando Gill parierte zwei Versuche. Manuel Neuer hielt zwar gegen Fabian Balbuena, doch José Canale verwandelte am Ende den entscheidenden Elfmeter zum 4:3 für Paraguay.

Wie groß war die sportliche Überraschung wirklich?

Erheblich. Paraguay rangierte vor dem Turnier auf Platz 41 der Weltrangliste, Deutschland auf Rang zehn – 31 Plätze Abstand. Das macht den Sieg zu einer der größten K.-o.-Überraschungen einer Weltmeisterschaft seit 1994. Die Südamerikaner waren als einer der besten Gruppendritten überhaupt erst in die Runde gerutscht.

Bleibt Julian Nagelsmann Bundestrainer?

Nagelsmann hat einen Rücktritt ausgeschlossen und sich für EM und Nations League bereit erklärt. Die endgültige Entscheidung liegt beim DFB, der die WM-Kampagne intern aufarbeitet. Da Deutschland seit dem Titel 2014 kein WM-K.-o.-Spiel mehr gewann, dürfte der Druck auf den 38-Jährigen in den kommenden Wochen erheblich steigen.

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