WM Auswertung der FIFA-Kaderlisten: 76 französische Spieler spielen für eine andere Nation!
Frankreich stellt im WM-Feld die wohl größte Dichte an Spitzenkräften und wirkt in der Offensive so breit aufgestellt wie kein anderes Land. Hinter diesem Überangebot an Qualität steckt jedoch kein Zufall, sondern ein gewachsenes System aus Straßenfußball, Vielfalt und gezielter Ausbildung. Bei dieser WM sind 99 Akteure gemeldet, die in Frankreich geboren wurden, 58 davon stammen aus den Pariser Banlieues.
Frankreichs Stürmer Nr. 10, Kylian Mbappe, schießt den Ball zum zweiten Tor seiner Mannschaft während des Endspiels der Fußballweltmeisterschaft Katar 2022 zwischen Argentinien und Frankreich im Lusail-Stadion in Lusail, nördlich von Doha, am 18. Dezember 2022. (Foto: Odd ANDERSEN / AFP)
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Vom Betonkäfig bis zur Weltspitze
Kylian Mbappé sammelte seine ersten Erfahrungen in den Betonkäfigen des Pariser Vororts Bondy, Ousmane Dembélé schärfte seine Technik zeitweise beim Futsal in der Normandie, und Michael Olise lernte das Fußballspielen in England. Die Wege dieser französischen Offensivstars waren unterschiedlich, doch sie münden in ein gemeinsames Muster. Die aktuelle Fülle an Weltklassespielern ist bei Les Bleus kein Zufallsprodukt.
Die regionalen Bedingungen, die multikulturelle Zusammensetzung der Bevölkerung und das Ausbildungssystem tragen entscheidend dazu bei, dass die Équipe Tricolore nicht nur beim 1:0 im Achtelfinale gegen Paraguay, sondern auch im gesamten Turnier als großer Favorit gilt. Vor allem die kleinen Betonplätze in den Pariser Banlieues sowie in den Vororten von Lyon und Marseille haben vielen Spielern jenes besondere Käfigfußballer-Gen mitgegeben.
Henry beschreibt das französische Prinzip
Thierry Henry, selbst in den Banlieues aufgewachsen, brachte es auf den Punkt: „Da lernst du, den Ball zu halten, da lernst du Tricks, da challengen wir einander“, sagte der frühere Stürmerstar und ergänzte: „Das ist unser Ding: auf Beton spielen.“ Auch die Vielfalt der französischen Gesellschaft prägt den Stil des zweimaligen Weltmeisters. „Diese Mischung, so wie Frankreich eben ist – wenn man das alles zusammen wirft, entsteht eine großartige Mixtur“, erklärte Henry.
Hinzu kommt, dass es in Frankreich deutlich mehr große Talente als freie Plätze im Nationalteam gibt. Deshalb entscheiden sich zahlreiche Spieler für andere Auswahlmannschaften.
Clairefontaine als Talentschmiede
Neben der Straßenkultur funktioniert auch die Ausbildung auf höchstem Niveau. Mit 13 Jahren werden die besten Talente gesichtet und für zwei Jahre in ein systematisches Förderprogramm aufgenommen. In verschiedenen Zentren im ganzen Land verbringen die Jugendlichen die Woche, ehe sie am Wochenende für ihre Heimatvereine auflaufen.
Im ersten Jahr steht die Individualität im Mittelpunkt. Dann geht es vor allem um Technik, Eins-gegen-eins und Athletik. Erst im zweiten Jahr rückt der Teamgedanke in den Vordergrund, dazu das taktische Zusammenspiel. Besonders die Verbandszentrale in Clairefontaine hat sich als Quelle großer Talente einen Namen gemacht. Dort reifte unter anderem Mbappé zum Star.
Mit Michael Olise, von den Mitspielern als „Magier“ bezeichnet, besitzt Frankreich zudem einen Profi mit anderem Hintergrund, der dem Spiel zusätzliche Facetten verleiht. Zusammen mit Mbappé bildet er derzeit wohl das gefürchtetste Duo des Weltfußballs, und auch Paraguay konnte die beiden im Achtelfinale nicht stoppen.
KÖLN, 14. JANUAR 2026: Michael Olise, Flügelspieler des FC Bayern München, in eindrucksvollem Porträt beim Bundesliga-Auswärtsspiel beim 1. FC Köln im Rhein-Energie-Stadion. Der französische Nationalspieler mit seinen charakteristischen Dreadlocks trägt das dunkle Bayern-Auswärtstrikot und blickt fokussiert nach vorne. (Copyright Depositphotos.com)
76 in Frankreich geborene Spieler laufen bei der WM 2026 für andere Nationen auf
Wie groß der französische Talente-Überschuss tatsächlich ist, zeigt die Auswertung der offiziellen FIFA-Kaderlisten: 76 Spieler, die in Frankreich geboren wurden, stehen bei dieser WM im Aufgebot einer anderen Nation, dazu kommen die in Frankreich geborenen Akteure der Équipe Tricolore selbst. Spitzenreiter ist Algerien mit 13 in Frankreich geborenen Profis vor Haiti (12), der DR Kongo (11) und dem Senegal (10). Mit Riyad Mahrez, Kalidou Koulibaly, Édouard Mendy oder Nicolas Pépé sind darunter auch Spieler, die einst zu den absoluten Topstars der Premier League zählten. Hier die komplette Liste:
Haissem Hassan (Sturm): geboren in Paris, Real Oviedo (Spanien)
Bemerkenswert: Auch das französische Übersee-Gebiet liefert WM-Spieler für andere Nationen, Tunesiens Elias Achouri kam auf Réunion zur Welt, Haitis Josué Casimir auf Guadeloupe. Und mit Luca Zidane steht sogar der Sohn von Weltmeister-Ikone Zinédine Zidane im Tor Algeriens.