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·18. Juli 2026
WM-Finale: Spanien x Argentinien in der Taktikanalyse

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·18. Juli 2026

Am Sonntagabend um 19:00 Uhr (MEZ) steigt im MetLife Stadium in East-Rutherford, New Jersey das Finale der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 zwischen Spanien und Argentinien. Hier entscheidet sich, ob die Argentinier rund um den GOAT Lionel Messi den Titel verteidigen können, oder ob Spanien wie 2010 nach zuvor gewonnener Europameisterschaft nun zum zweiten Mal Weltmeister wird. Doch wie spielen die beiden Teams? Gibt es einen klaren Favoriten? Worauf und auf wen sollte man besonders achten? All das klären wir in diesem Artikel. Eine Taktik-Analyse von LIGABlatt-Redakteur Ove Frank.
Argentinien und Lionel Messi haben es erneut geschafft und stehen nach 2022 zum zweiten Mal hintereinander im Endspiel der FIFA-Weltmeisterschaft. Damals setzte man sich im womöglich spektakulärsten Finale aller Zeiten im Elfmeterschießen letztlich gegen Frankreich durch und konnte sich den dritten Stern sichern. Nun geht es allerdings nicht gegen die offensiven Wirbelwinde aus Frankreich, sondern ausgerechnet gegen deren vermeintliche Nemesis, das defensiv sicher stehende und unfassbar diszipliniert auftretende Spanien, dass nach dem Gewinn der Europameisterschaft vor zwei Jahren in Deutschland seinen Führungsanspruch im Fußball nun auch global anmelden will. Dabei fällt auf, dass beide Teams, beide Wege ins Finale und beide Spielphilosophien trotz kleinerer Überschneidungen am Ende doch merklich unterschiedlich sind.
Spaniens Weg ins WM-Finale
Die Spanier waren mit einem überraschenden 0:0 gegen Kap Verde ins Turnier gestartet. Damals mussten sich die Iberer viel Hohn und Spott der Fans Online sowie von den "Experten" in den TV-Studios und den Gazetten rund um den Globus gefallen lassen. Erst im Verlaufe des Turniers fiel auf, dass Kap Verde keine "Karnevalstruppe" ist, um Per Mertesacker zu paraphrasieren, sondern eine der Überraschungen bei dieser WM, die zwar kein einziges ihrer vier Spiele gewinnen konnte, aber auch kein einziges in der regulären Spielzeit verlor. Am Ende scheiterte man im Sechzehntelfinale knapp am späteren Finalisten Argentinien mit 2:3, nachdem man nach dem 0:0 gegen Spanien Uruguay ein 2:2 abtrotzte und auch gegen Saudi-Arabien ein 0:0 herausholte. Das ordnet den schwachen Auftakt der Spanier rückblickend etwas ein.
Danach setzte man sich souverän mit 4:0 gegen Saudi-Arabien durch und ging gegen Uruguay nicht ins Risiko und gewann das dritte Gruppenspiel mit 1:0, was aber im Ergebnis knapper war, als der Spielverlauf es hergab. In der K.o.-Phase schlug man dann zunächst Österreich mit 3:0, vernichtete durch einen späten 1:0-Siegtreffer durch Mikel Merino die letzten WM-Hoffnungen von Cristiano Ronaldo mit Portugal, setzte sich im Viertelfinale dann nach einem harten Kampf mit 2:1 gegen Belgien durch und lieferte dann im Halbfinale gegen die bis dato als unaufhaltbar geltenden Franzosen eine Gala-Leistung ab und gewann vollkommen verdient mit 2:0, um so das Finale zu erreichen.
So spielt Spanien bei der Weltmeisterschaft
Nominell spielen die Spanier meist in einem 4-2-3-1-System, was aber meist eher einem 4-3-3 entspricht, bei dem sich Rodri in die alleinige Sechserrolle schlüpft, während Dani Olmo und Fabián Ruiz, oder Pedri – je nachdem wer spielt – die Halbräume belaufen. Die beiden Außenverteidiger Marc Cucurella und Pedro Porro halten dabei die Breite und schieben oft im eigenen Ballbesitz weit hoch. Lamine Yamal auf rechts geht gerne in die Tiefe und stößt in die Box, um dort für Anspielstationen fürs Kombinationsspiel zu sorgen. Alex Baena bleibt links meistens eher am Strafraumrand, um dort auf zweite Bälle zu lauern, während Fabían Ruiz hinter ihm absichert. Mikel Oyarzabal agiert dabei als "Falsche Neun", lässt sich oft fallen und ist praktisch überall auf dem Platz zu finden. Dabei hat er allerdings ein erstaunliches Gespür für den freien Raum im Angriff, was den 29-Jährigen schon fünf Tore eingebracht hat. Am interessantesten ist das spanische Spiel über rechts, wenn Pedro Porro hochschiebt. Hier mag er situationsbedingt entweder bis zur Grundlinie durchziehen und dabei Lamine Yamal hinterlaufen, oder er zieht kurz vorm Strafraum in die Mitte, während Lamine Yamal oder Dani Olmo auf Außen bleiben, um so in den Doppelpass zu gehen und den Abschluss zu suchen. Auf diese Weise erzielte der Rechtsverteidiger gegen Frankreich das 2:0. Marc Cucurella bleibt auf der anderen Seite offensiv meist auf der Außenbahn, rückt dafür in der Arbeit gegen den Ball gerne ein, um Rodri auf der Sechs zu unterstützen.

Kader-Tool: Fotmob.com
Die größte Stärke Spaniens ist die allgemeine Spielkontrolle. Wie man es von "La Furia Roja" kennt, sucht man den Ballbesitz und lässt viel den Ball laufen, um den Gegner müde zu machen. Dabei überstürzt man nichts, sondern wartet geduldig bis in die Schlussphase hinein auf die sich meist dann doch bietende Lücke, um dann gnadenlos zuzuschlagen. Hierbei setzte man nicht selten auf den Effekt von Einwechslungen, die das Spiel noch einmal beleben und die gegnerische Abwehr vor große Herausforderungen stellen. Mikel Merino erzielte als Einwechselspieler jeweils kurz vor Schluss sowohl gegen Portugal als auch gegen Belgien den Siegtreffer. Es ist bezeichnend, dass Spanien bislang in diesem Turnier nie in die Verlängerung musste. Man sollte aber nicht den Fehler begehen, zu glauben, dass Spanien sich lediglich aufs dröge Pass- und Ballbesitzspiel versteht. Ähnlich wie schon bei der EM 2024 ist das Team von Nationaltrainer Luis De La Fuente auch durchaus stark im Umschalten, oder auch darin, plötzlich innerhalb des Spiels Dynamik aufzunehmen. Dies wurde den Franzosen zum Verhängnis. Auch interessant ist der Punkt, dass das Spiel nicht um einen Spieler herum aufgebaut ist. Superstar Lamine Yamal hat eine klare Rolle, wonach er rechts für Bewegung sorgt und durch seine starken Dribblings Gegenspieler bindet, der Hauptverantwortliche für die Tore ist der 19-Jährige nicht. Dadurch wirkt er vielleicht weniger auffällig als noch bei der EM oder im Klub bei Barca, wo er auch als Torschütze und Vorlagengeber glänzt, doch steckt dahinter taktisches Kalkül.
Defensiv wiederum sind die Spanier am stärksten, da sie hier bislang die nahezu perfekte Balance zwischen Manndeckung und Raumverteidigung hinbekommen haben. Aymeric Laporte und Pau Cubarsí positionieren sich immer richtig und kommunizieren gut, wodurch nur wenig Lücken aufgehen. Marc Cucurella ist seinem Ruf entsprechend unfassbar eklig zu bespielen, da er eng am Gegenspieler kleben bleibt und diesen mit kleinen Nickligkeiten immer wieder beackert, nur um beim ersten Kontakt gegen ihn runter zu gehen und dafür fast immer einen Freistoß zugesprochen zu bekommen. Rodri ist defensiv das Herzstück, da er meist Angriffe durch die Mitte bereits abfängt, bevor diese den Strafraum erreichen. Physisch ist der "Ballon D’Or"-Gewinner von 2024 eine Wucht und kaum zu überwinden. Zudem hat er ein herausragendes Auge, wodurch er Angriffsmuster in ihrer Entstehung bereits erkennt und entsprechend entweder selbst eingreift, oder Kommandos an seine Mitspieler gibt. Garniert wird das Ganze durch einen sehr stabilen Unai Simón im Kasten, der egal ob im Herauslaufen, im Eins-gegen-Eins, oder in der Strafraumbeherrschung einfach kaum Fehler begeht, wie praktisch die ganze spanische Defensive kauf Fehler begeht.
Argentiniens Weg ins WM-Finale
Den Argentiniern wird gerne einiges vorgeworfen, wonach sie besonderes Losglück in der Gruppenphase hätten, die Schiedsrichter meist für sie entscheiden würden und dass ihr Turnierbaum allgemein auffallend "leicht" gewesen sei. Ob das stimmt, müssen andere bewerten. Fakt ist, dass die Südamerikaner jedes Spiel in diesem Turnier bislang gewonnen haben. In der Vorrunde setzte man sich sehr souverän gegen Algerien (3:0), Österreich (2:0) und Jordanien (3:1) als Gruppensieger durch. Im Sechzehntelfinale gegen Kap Verde zeigte Argentinien dann Schwächen, die man bis dahin gut kaschieren konnte, wonach man selten die Intensität über 90 Minuten hochhalten kann und immer wieder auch Schwächephasen hat, die ausgenutzt werden können. Dennoch ist das Team rund um Superstar Lionel Messi mental sehr stark und glaubt an sich, weshalb man auch hier, trotz mehrerer Rückschläge am Ende mit 3:2 als Sieger vom Platz ging. Gegen Ägypten im Achtelfinale drehte man einen 0:2-Rückstand und gewann die Partie durch einen Siegtreffer in der Nachspielzeit ebenfalls mit 3:2.
Gegen die Schweiz, die ab der 72. Spielminute in Unterzahl agierte, konnte man die Entscheidung ebenfalls nicht in der regulären Spielzeit herbeiführen, weshalb man auch hier in die Verlängerung musste, wo die "Eidgenossen" dann ihre Kräfte verließen und Argentinien letztlich mit 3:1 als Sieger vom Platz ging. Gegen England machte man sich nach dem 0:1 den Umstand zunutze, dass sich die "Three Lions" nach ihrem Tor rund um den eigenen Strafraum einigelten, wodurch die Argentinier Druckaufbauen und den verdienten Ausgleich erzielen konnten. Letztlich nahm man das Momentum mit und erzielte in der Nachspielzeit sogar noch den Siegtreffer. Insgesamt also war der Weg der Südamerikaner etwas weniger "souverän" als der der Spanier, aber Resilienz, Glaube an die eigenen Fähigkeiten und ein überragender Lionel Messi bescherten am Ende dennoch den verdienten Finaleinzug.
So spielt Argentinien bei der Weltmeisterschaft
Argentinien kommt vor allem über ein sehr laufstarkes Mittelfeld und eine variable Doppelspitze. Meist spielt das Team von Cheftrainer Lionel Scaloni in einem 4-1-3-2, oder einem 4-4-2-System, wobei sich das Mittelfeld oft zu einer sehr flexiblen engen Raute formiert. Hier kann praktisch jeder auf jeder Position, sei es auf der Sechs, den Halbraumpositionen, oder hinter den Stürmern als Spielmacher agieren, weshalb die Argentinier durchs Zentrum extrem schwer zu bespielen sind. Grundsätzlich fällt schnell auf, dass das Spiel primär auf Lionel Messi zugeschnitten ist. Der inzwischen 39-Jährige hat defensiv praktisch keine Verpflichtungen und spaziert meist durch den rechten offensiven Halbraum, um hier an der Strafraumkante entweder auf ein Dribbling, oder einen vielversprechenden Abschluss zu lauern. Dies ist nur deshalb möglich, weil seine Mitspieler ständig in Bewegung sind, extrem viel laufen und ihrem Kapitän die Wege frei blocken.
Rodrigo De Paul weicht oft auf die rechte Seite aus, während Rechtsverteidiger Nahuel Molina ihn unterstützt. Leandro Paredes ist im gesamten Mittelfeld zu finden und stopft überall Löcher. Interessant ist die Rolle von Alexis Mac Allister, der immer wieder in die Mitte zieht, um entweder den Sechserraum zu unterstützen, oder in die gegnerische Box einzudringen, um so Gegenspieler zu binden. Hierbei harmoniert er perfekt mit Julián Alvarez, der sich dann gerne in den linken Halbraum fallen lässt, während Nicolás hochschiebt und die Breite hält. Es ist wirklich erstaunlich, wie die Argentinier es schaffen, Messi seine Räume zu ermöglichen, sodass dieser immer wieder für höchste Gefahr sorgen kann. Dabei sollte man allerdings nicht klein reden, dass "La Pulga" erneut eine unfassbare WM spielt und mit acht Toren und vier Vorlagen der Top-Scorer bei diesem Turnier ist. Inzwischen ist er auch Rekordtorschütze und Rekordspieler bei Weltmeisterschaften.

Kader-Tool: Fotmob.com
Argentiniens größte Stärke ist nicht nur ein unfassbarer Lionel Messi, sondern auch der unerschütterliche Glaube an sich selbst. Gerät man mal in Rückstand, gerät niemand in Panik, sondern schaltet einfach einen Gang hoch und erhöht den Druck. Es ist kein Zufall, dass die Südamerikaner 12 ihrer 19 Treffer nach der 75. Spielminute erzielten. Hierbei spielen nicht zuletzt auch Scalonis Wechsel eine wichtige Rolle. Lautaro Martínez ist oft nur Einwechselspieler, bringt aber durch seine cleveren Laufwege und seine Spritzigkeit vor dem gegnerischen Kasten praktisch immer eine neue Dynamik ins Spiel und konnte bereits drei Treffer und zwei Assists beisteuern. Zudem verfügt Argentinien über eine bemerkenswerte Standardstärke, wonach man insgesamt sieben Tore nach ruhenden Bällen erzielte, plus ein Elfmeter-Treffer. Selten spielt man den Gegner wirklich schwindelig, aber man geht oft ins Dribbling, um bewusst Fouls zu ziehen, um gefährliche Standardsituationen herauszuholen. Hierbei kommt vor allem auch die Fernschussqualität der "Albiceleste" zum Tragen, denn bislang konnte man ganze fünf Treffer von Außerhalb des Sechzehners erzielen, womit man den historischen WM-Rekord von Brasilien bei der WM 1970 einstellen konnte. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass es immer wieder Phasen gibt, in der man den Argentiniern ihre Müdigkeit anmerkt. Das Durchschnittsalter der Spieler beträgt fast 30 Jahre, womit man den fünftältesten Kader des Turniers stellt. Dies gepaart mit dem Umstand, dass besonders das Mittelfeld viele Meter abspult, führt immer wieder zu kleineren Durchhängern, die durchaus bestraft werden können.
Gegen den Ball entspricht das Vorgehen der Argentinier dem, was wir schon von vielen südamerikanischen Teams bei dieser WM, wie Paraguay oder Ecuador beobachten konnten, wonach man extrem giftig agiert. Man sucht viele Zweikämpfe und geht dabei sehr ruppig vor. Hierbei ist es nicht ganz abzustreiten, dass südamerikanische Teams die eine oder andere Karte mehr durchaus hätten sehen dürfen, so auch Argentinien. Es ist Teil der Taktik, den Gegner zu provozieren, um dann selbst theatralisch zu fallen und gegebenenfalls einen Freistoß zu den eigenen Gunsten zugesprochen zu bekommen. Mit einer solch ruppigen Spielart sorgt man immer wieder für Unterbrechungen im Spiel, wodurch der Gegner nur wenig den Ball laufen kann, was natürlich deren Nerven angreift. Im direkten mentalen Vergleich ist Argentinien mit all der Erfahrung und den Erfolgen, die man in den letzten Jahren sammeln konnte, meist schlicht überlegen, weshalb man selbst in Partien, in denen man eigentlich nicht gut gespielt hat, am Ende dann doch immer wieder als Sieger vom Platz geht.
Interessante Statistiken im Vergleich
Das WM-Finale 2026 ist nicht nur deshalb spannend, weil der amtierende Europameister und der amtierende Copa-América-Sieger aufeinandertreffen, sondern auch die beste Defensive und die beste Offensive dieses Turniers. Spanien musste bis zum Endspiel lediglich ein Gegentor hinnehmen, die wenigsten im Turnier, während Argentinien mit 19 Toren die meisten Hütten für sich reklamieren kann. Interessant wird es aber vor allem dann, wenn man die Tore und Gegentore beider Teams mit den jeweiligen "expected goals" (, bzw. "expected goals against" – also zu erwartende Tore und zu erwartende Gegentore – vergleicht.
Spanien geht mit einem Torverhältnis von 13:1 ins WM-Finale. Der erwartete Wert sieht dabei allerdings ein wenig anders aus. So weist "La Furia Roja" laut "Real GM Analysis" von 11,98 xG auf. Man hätte also nach statistischer Auswertung der Chancenqualität etwa 12 Tore erzielen müssen. Diesen Wert um einen Treffer zu überbieten spricht also für eine geringfügig überdurchschnittliche Effizienz vorm gegnerischen Tor, die allerdings nicht heraussticht. Also erbringt man also in der Realumsetzung offensiv etwa die Leistung, wie es die dynamischen Spielanteile auch widerspiegeln. Defensiv wiederum steht man mit 2,19 xGa, also zu erwartenden Gegentore, dar. Das bedeutet, dass man hinten zwar auch etwas Glück hatte, jedoch sind zwei erwartbare Gegentore nach sieben gespielten Partien noch immer ein absurd starker Wert.
Die anderen beiden Halbfinalisten Frankreich und England, die aufgrund der gleichen Spielanzahl am ehesten mit den beiden Finalisten zu vergleichen sind, stehen nach dem Halbfinale mit den folgenden Werten dar: Frankreich verbucht 16 Treffer bei 14,29 xG, während man vier Gegentore kassiert hat, dem ein xGa-Wert von 5,29 gegenübersteht. Bei England stehen 14 Tore zu Buche, laut xG-Wert hätten es aber 10,64 Tore sein müssen. Hinten wiederum haben die "Three Lions" acht Gegentore kassiert, laut xGa-Wert hätten es 6,64 Gegentore sein müssen.
Argentinien steht vor dem Endspiel mit einem Torverhältnis von 19:7 dar. Laut Wahrscheinlichkeit hätte die "Albiceleste" 14,57 Tore erzielen müssen, während der xGa-Wert bei 4,06 steht. Man ist also vor dem gegnerischen Tor sehr effizient. Bedenkt man dabei, dass die Argentinier im Verlauf des Turniers drei Strafstöße zugesprochen bekommen haben, wobei ein Elfmeter einem xG-Wert von 0,76 entspricht, wird das Bild noch interessanter. Ohne Elfmeter-Entscheidungen stünde Argentinien bei 18 Toren (zwei der drei Strafstöße vergab man), gegenüber einem Wert von 12,29 xG. Die Effizienz der Argentinier ist also umso größer. Hierbei mag zwar auch durchaus Glück eine Rolle spielen, meist ist es aber auch einfach ein Indikator für Qualität. Frankreich hat im Verlauf des Turniers zwei Elfmeter zugesprochen bekommen, einer war drin, England wiederum zwei, beide Schüsse saßen, und Spanien einen, den Mikel Oyarzabal im Halbfinale gegen Frankreich verwandelte.
Fazit: Wer wird Weltmeister?
Schaut man sich also die Statistiken nach erwartbaren Toren respektive erwartbaren Gegentoren an und "bereinigt" sie noch durch die Elfmeter-Entscheidungen, wird sehr schnell klar, dass zwei würdige Teams im Finale um den WM-Pokal spielen werden. Spanien ist insgesamt zwar berechenbarer, ist aber mit einer Dampfwalze zu vergleichen, die sich langsam, aber beständig ihren Weg bahnt, ohne dabei groß vom Kurs abzukommen, wenn Hindernisse auftauchen. Argentinien ist dabei weniger leicht zu greifen: Die Südamerikaner sind ein Team, das über einen beispiellosen Kampfgeist verfügt und den, trotz seiner mittlerweile 39 Lenzen, immer noch besten Spieler dieses Turniers im Kader hat. Schafft man es hingegen, Lionel Messi aus dem Spiel zu nehmen, wie es England in der ersten Hälfte des Halbfinals gut geschafft hatte, ist die "Albiceleste" sehr verwundbar. Lässt man "La Pulga" aber gewähren und zaubern, brilliert er nicht nur durch überragende Aktionen im Spiel, er zieht auch seine Mitspieler hoch, die dann immer weitermachen, egal wie verzwickt die Lage auch sein mag. Da Spanien weniger anfällig für Ausschläge in die eine oder andere Richtung ist, ist das Team von Cheftrainer Luis De La Fuente in diesem Spiel wohl minimal favorisiert. Da es aber eben nur ein Spiel ist, und Argentinien häufiger zeigt, dass es über sich hinauswachsen kann, wäre es auch nicht wirklich überraschend, wenn am Ende die Südamerikaner ihren Titel verteidigen.
Foto: David Ramos / Getty Images
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