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·29. Juli 2026

WM-Investorendeal der FIFA – die wichtigsten Fragen und Antworten + Pressestimmen

Artikelbild:WM-Investorendeal der FIFA – die wichtigsten Fragen und Antworten + Pressestimmen

Die FIFA plant den Verkauf von Minderheitsanteilen an ihrer neuen Tochtergesellschaft FIFA Forward Enterprise. Der Vorstoß von Gianni Infantino stößt bei der UEFA auf massive Kritik und könnte das Machtverhältnis im Weltfußball weiter verschieben.

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Rodri nimmt den WM-Pokal entgegen: US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino überreichen dem spanischen Mittelfeldspieler die Trophäe nach dem Finalsieg gegen Argentinien am 19. Juli 2026 im New York New Jersey Stadium in East Rutherford. (Carl Recine / Getty Images North America via Getty Images)


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Mit der geplanten FIFA Forward Enterprise will der Weltverband seine kommerziellen Aktivitäten und die Organisation seiner Turniere in einer Tochtergesellschaft bündeln. Private Investoren sollen sich daran beteiligen und damit indirekt an den wirtschaftlichen Potenzialen der Weltmeisterschaften sowie weiterer Wettbewerbe partizipieren.

Die FIFA verspricht sich davon zusätzliche Milliarden. Zugleich sorgt das Vorhaben wegen Infantinos Kontakten zu US-Präsident Donald Trump, der möglichen Rolle von Joshua Kushner und der Sorge vor einer stärkeren Kommerzialisierung des Fußballs für erheblichen Widerstand in Europa.

Fragen und Antworten zum WM-Investorendeal der FIFA

Was genau hat die FIFA vor?

Die FIFA will mit der FIFA Forward Enterprise (FFE) eine neue Tochtergesellschaft ins Leben rufen, in der sämtliche kommerziellen Tätigkeiten und die Organisation der Turniere gebündelt werden. FIFA-Präsident Gianni Infantino hat die Fußballwelt mit dem Plan aufgeschreckt, Anteile an den wirtschaftlichen Aktivitäten des Weltverbands an private Geldgeber zu verkaufen. Die UEFA reagierte scharf und warnte davor, die „Seele“ des Fußballs zu veräußern. Infantino sieht in dem Vorhaben hingegen eine „Demokratisierung des Fußballs weltweit“.

Wie soll das Geschäftsmodell der FFE funktionieren?

Nach FIFA-Angaben soll die FFE das „volle wirtschaftliche Potenzial der Übertragungsrechte und Sponsoringverträge über das gesamte Turnierportfolio im Männer-, Frauen- und Jugendfußball“ erschließen. Dafür sollen „sorgfältig“ ausgewählte Investoren Minderheitsanteile ohne Kontrollrechte erwerben. Die Gesellschaft wird mit 20 Milliarden US-Dollar bewertet und soll in diesem Jahr bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar einnehmen. Berichten zufolge könnten bis zu 20 Prozent der FFE-Anteile verkauft werden.

Welche Interessen stehen hinter der geplanten Transaktion?

Der Abschluss steht laut FIFA noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch eine Mehrheit der Mitgliedsverbände sowie des FIFA-Councils. In diesem Gremium sitzt auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Angeführt werden soll die Investorengruppe von Thrive Capital, einer Investmentgesellschaft von Joshua Kushner. Er ist der Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn des US-Präsidenten Donald Trump.

Infantinos Beziehungen zu Trump stehen bereits seit der umstrittenen Vergabe eines „Friedenspreises“ im Mittelpunkt der Kritik. Gegner des Deals sehen in den persönlichen Verbindungen einen möglichen Interessenkonflikt. Der geplante Einstieg privater Kapitalgeber gilt als jüngster Schritt Infantinos, die FIFA mithilfe zusätzlicher Einnahmen zu einem noch größeren kommerziellen Konzern auszubauen. Wann die zuständigen Gremien über das Modell abstimmen, ist bislang offen. Der nächste FIFA-Kongress findet im März 2027 in Marokko statt.

Wer könnte finanziell von der FFE profitieren?

Zu den möglichen Gewinnern zählt ein großer Teil der 211 FIFA-Mitgliedsverbände. Über das FIFA Fast Forward Programme (FFFP) könnten ihre Zahlungen deutlich steigen. Derzeit erhalten die Verbände pro Vierjahreszyklus acht Millionen US-Dollar. Nach den Plänen der FIFA soll dieser Betrag zunächst auf 20 Millionen und bis 2035 auf bis zu 24 Millionen US-Dollar anwachsen. Zusätzlich wäre eine freiwillige Einmalzahlung von 20 Millionen US-Dollar möglich. Für kleinere Verbände wäre das eine beträchtliche Finanzspritze.

Auch Infantino könnte politisch profitieren. Die zusätzlichen Mittel würden ihm als Instrument zur Festigung seiner Macht dienen. Für das kommende Jahr wird erwartet, dass er ohne Gegenkandidaten bis 2031 im Amt bestätigt wird. Nach Informationen der „Times“ soll Infantino zudem daran interessiert sein, den Vorsitz der neuen Gesellschaft zu übernehmen.

Könnte für Infantino auch ein hohes Gehalt herausspringen?

Ob mit einer solchen Funktion ein lukratives Gehalt verbunden wäre, ist bislang nicht bekannt.

Wie reagiert die Fußballwelt auf den Plan?

Die Reaktionen fallen vor allem in Europa äußerst kritisch aus. Die „Times“ zitierte einen nicht namentlich genannten hochrangigen Funktionär, der das Projekt als „potenziell deutlich schlimmer als die europäische Super League“ bezeichnete. Er sprach von einer „Atombombe“.

Die UEFA sieht mit dem Vorstoß eine rote Linie überschritten. In einer Stellungnahme erklärte der Verband: „Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Vermögenswerte, mit denen gehandelt werden darf – insbesondere dann nicht, wenn völlig intransparent ist, wer finanziell davon profitiert.“ Weiter hieß es: „Es ist nicht an der FIFA, ihn zu verkaufen.“ Die „Times“ überschrieb ihre Berichterstattung mit den Worten „WM zu verkaufen“.

Welche Risiken birgt der Einstieg privater Investoren?

Die FIFA betont, sie werde die „alleinige Kontrolle“ über die FFE behalten. Auch die Entscheidungsgewalt „über die Führung des Fußballs, Wettbewerbe, den internationalen Spielkalender sowie alle regulatorischen und sportlichen Entscheidungen“ solle beim Weltverband bleiben.

Kritiker befürchten dennoch, dass die FIFA durch private Kapitalgeber stärkerem externem Druck ausgesetzt sein könnte. Im Fokus stehen etwa eine weitere Vergrößerung der Männer-WM oder der Klub-WM sowie eine Austragung der Turniere in kürzeren Abständen als dem bisherigen Vierjahresrhythmus. Der „Guardian“ schrieb, der Plan verstärke die Sorge, dass die FIFA eine häufigere WM anstreben und die Endrunde nur noch in besonders lukrativen Märkten wie den USA veranstalten könnte.

Im Zusammenhang mit der WM 2030, die in sechs Ländern ausgetragen wird, diskutiert die FIFA bereits über eine Aufstockung von 48 auf 64 Nationalmannschaften.

Hat Gianni Infantino schon früher einen solchen Investorenplan verfolgt?

Ja. Der aktuelle Vorstoß ist bereits Infantinos zweiter Versuch, ein milliardenschweres Finanzierungsmodell für neue FIFA-Projekte umzusetzen. 2018 verständigte er sich grundsätzlich auf ein 25 Milliarden US-Dollar schweres Konzept für eine erweiterte Klub-WM. Als mögliche Geldgeber galten damals die japanische SoftBank und der Staatsfonds Saudi-Arabiens. Vor allem der Widerstand aus Europa verhinderte jedoch, dass Infantino dafür genügend Unterstützung erhielt.

Was bedeutet der neue Plan für das Verhältnis von FIFA und UEFA?

Das Verhältnis zwischen den beiden Verbänden ist bereits angespannt. Nach dem sogenannten Fall Balogun verschärfte sich der Ton der europäischen Fußballfunktionäre erneut. Die Sperre des US-Stürmers bei der WM war nach einem Telefonat zwischen Trump und Infantino ausgesetzt worden. Daraufhin sprach die UEFA von der Überschreitung einer „roten Linie“. Konsequenzen ließ der Verband diesen Worten bislang jedoch nicht folgen.

Die Europäer haben außerdem keinen Gegenkandidaten gegen Infantino aufgebaut. Der FIFA-Präsident dürfte sich im kommenden Jahr ohne Konkurrenz bis 2031 bestätigen lassen. Die FIFA kann bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada zudem mit Rekordeinnahmen von 15 Milliarden US-Dollar rechnen.

Dennoch besitzt die UEFA Einfluss, weil Nationalmannschaften aus Spanien, Frankreich oder England zu den wichtigsten Zugpferden einer Weltmeisterschaft aus Europa gehören. Das Nachrichtenportal Bloomberg berichtete am Dienstagabend unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person, die UEFA erwäge einen Boykott von FIFA-Veranstaltungen.

Internationale Kritik an Infantinos Vorstoß

Der Weltverband will offenbar einen Teil des WM-Geschäfts privatisieren. FIFA-Präsident Gianni Infantino treibt ein Vorhaben voran, das private, finanziell starke Unternehmen beteiligen soll. In Teilen der Fußballwelt wächst deshalb der Widerstand. Im Zentrum der Debatte stehen die künftige Finanzierung des Weltfußballs, die kommerzielle Nutzung der Weltmeisterschaft und die Frage, wer von dem Modell profitieren könnte.

In Argentinien bewertet Clarín die Entwicklung als neuen Konflikt im internationalen Fußball. „Nur eine Woche nach dem WM-Finale wurde der internationale Fußball von einem Konflikt erschüttert, der für Schlagzeilen sorgen dürfte. Infantino drängt auf ein Projekt zur Privatisierung eines Teils des WM-Geschäfts, von dem Donald Trumps Schwiegersohn profitieren würde“, schreibt die Zeitung.

La Nación stellt dagegen die möglichen finanziellen Effekte heraus. Die FIFA prüfe demnach, „eine Ausweitung der Fördermittel für die Fußballentwicklung und eine Steigerung ihrer kommerziellen Einnahmen“ zu ermöglichen. Die Sportzeitung Olé spricht von einem neuen Projekt mit einem Volumen von 20 Milliarden US-Dollar und sieht die FIFA deshalb im Konflikt mit der UEFA.

Britische Medien sprechen von Ausverkauf

Besonders scharf fällt die Reaktion in England aus. Der Guardian fragt provokant: „Nimmt die FIFA den Volkssport und verkauft ihn? Nun ja, nur einen kleinen, ‚nicht-kontrollierenden‘ Anteil. Aber wessen Spiel ist es überhaupt?“ Die Zeitung verweist zugleich auf Infantinos 15-seitigen Instagram-Post. Darin habe der FIFA-Präsident betont, der Weltverband habe „an vorderster Front organisiert, hart gearbeitet und die beste Show der Welt auf die Beine gestellt“. Der Guardian fügt ironisch hinzu: „Vielleicht sollte man der FIFA mal eine Pause gönnen?“

Der Independent sieht in dem Vorhaben eine Gefahr von historischer Tragweite. „Der beschämende Plan der FIFA, die Weltmeisterschaft zu verkaufen, stellt die größte existenzielle Bedrohung für den Fußball aller Zeiten dar, aber wird ihn irgendjemand stoppen?“

Noch drastischer formuliert es The Sun: „Welt des Schmerzes! Gianni Infantino plant schamlosen Verkauf der Weltmeisterschaft, während die UEFA wütend kritisiert.“ Die Times titelt „WM zum Verkauf!“ und macht Infantinos angebliche „Geldgier“ für den Plan verantwortlich, der eine Privatisierung der Weltmeisterschaft ermöglichen soll.

Reaktionen aus Frankreich, Italien und Norwegen

Auch in Frankreich wird Infantinos Rolle kritisch beleuchtet. Le Figaro bezeichnet das Projekt als „Gianni Infantinos neueste Laune“. Nur gut eine Woche nach dem Ende der umstrittenen Weltmeisterschaft 2026 sorge der FIFA-Präsident damit weiterhin für Schlagzeilen.

RMC Sport wählt einen deutlich offeneren Ton und beschreibt die Pläne als „ein revolutionäres Projekt“ sowie als „einen Schlüsselmoment in der Fußballgeschichte“. Zugleich stellt der Sender die Frage, ob Infantino die FIFA tatsächlich in eine neue Ära führen könnte. Sein Versprechen an kleinere Verbände wertet RMC Sport als verlockend, sieht darin aber auch den Versuch, ein umstrittenes Geschäftsvorhaben zu verteidigen.

Die italienische Gazzetta dello Sport sieht den internationalen Fußball im Chaos. Die FIFA biete die WM zum Verkauf an, Anteile könnten an privat finanzierte Unternehmen gehen. Gleichzeitig stellt die Zeitung die Frage, ob die Weltmeisterschaft künftig im Zwei-Jahres-Rhythmus ausgetragen werden könnte.

In Norwegen warnt Dagbladet vor einer Eskalation. Demnach stehe einer der größten Machtkämpfe im internationalen Fußball seit Jahrzehnten unmittelbar bevor. Auslöser sei ein grundlegender Streit mit FIFA-Präsident Gianni Infantino über die Führung und Finanzierung des Weltfußballs.

Der öffentlich-rechtliche Sender NRK geht noch weiter und schreibt: „Das ist das Ende der FIFA, wie wir sie kennen.“ Die Entwicklung sei Teil eines Größenwahns, der angesichts der Einnahmen aus der Weltmeisterschaft in den USA zwar nachvollziehbar erscheine. Dennoch könne der Fußball laut NRK nicht auf diese Weise weitermachen.

Schweizer und spanische Medien sehen UEFA gefordert

Die Schweizer Aargauer Zeitung rückt neben Infantino auch die Trump-Familie in den Mittelpunkt. „Jetzt will Infantino die WM verkaufen und die Familie Trump soll involviert sein“, schreibt das Blatt. Zugleich fragt es, ob die Weltmeisterschaft noch stärker kommerzialisiert werden könne als beim Turnier in Kanada, Mexiko und den USA. Wenn es nach dem FIFA-Präsidenten gehe, sei dies offenbar möglich.

Der Blick berichtet ebenfalls über die Pläne und die mögliche Verbindung zu Donald Trump. „Ein Bericht der Times schlägt ein wie eine Bombe. Gianni Infantino hat neue revolutionäre Vorhaben für die Zukunft der Weltmeisterschaften. Ist auch Trump involviert?“

In Spanien beschreibt AS die Nachricht als „eine Bombe“, die in der Fußballwelt geplatzt sei. Die Zeitung berichtet von einem offenen Streit zwischen UEFA-Präsident Aleksander Čeferin und Infantino über das Konzept. Die UEFA schaue nicht untätig zu und habe alle Beteiligten eindringlich gewarnt.

Marca schreibt, Infantino wolle die Weltmeisterschaft an einen Fonds verkaufen, dessen Vorstandsvorsitzender er selbst werden möchte. Zugleich wettere die UEFA heftig gegen den FIFA-Präsidenten. Kritiker befürchten laut Marca, dass dadurch eine Bombe im Fußball platzen könnte.

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