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·28. September 2026
WM mit 64 Teams: So würde das Format funktionieren

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Die Idee einer Weltmeisterschaft mit 64 Teilnehmern gewinnt an Fahrt. Wenige Monate nach dem Start der ersten 48-Team-Endrunde 2026 in den USA, Kanada und Mexiko diskutiert die FIFA offen über eine weitere Ausweitung für das Jubiläumsturnier 2030. Was zunächst wie ein radikaler Schritt wirkt, folgt einer klaren Logik: Seit 1998 hat sich das Teilnehmerfeld von 32 auf 48 Teams verdoppelt – ein Sprung auf 64 wäre die nächste Verdopplung innerhalb von acht Jahren.

Während der Übertragung der Auslosung der Qualifikationsspiele für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Europa am 13. Dezember 2024 im FIFA-Hauptsitz in Zürich werden die Ergebnisse auf einem Bildschirm angezeigt. (Foto: Fabrice COFFRINI / AFP)
Der offensichtlichste strukturelle Vorschlag für 64 Teams sieht 16 Gruppen à vier Mannschaften vor. Die jeweils zwei Bestplatzierten qualifizieren sich für eine 32er-K.-o.-Runde – ein Rückkehr zum klassischen Modus vor 2026, als noch die vier besten Gruppendritten weiterkamen. Das würde 96 Gruppenspiele bedeuten, 24 mehr als bei der 48er-Endrunde 2026.
Bei durchschnittlich 4,2 Gruppenspielen pro Tag – dem Wert von 2026 – verlängerte sich die Vorrunde von 17 auf knapp 23 Tage. Addiert man die unveränderte K.-o.-Phase, ergäbe sich eine Gesamtturnierdauer von rund 45 Tagen, also mehr als sechs Wochen. Zum Vergleich: Die WM 2026 dauert fünfeinhalb Wochen. Eine Kompression auf 17 Vorrundentage wäre theoretisch möglich, erfordete aber 5,6 Spiele täglich – ein logistischer Albtraum für Sender, Fans und Spieler.
Noch gibt es keine offizielle Zuteilung, doch eine Hochrechnung auf Basis der 2026er-Prozentsätze (inklusive der beiden Playoff-Plätze für Asien und Afrika) zeigt die Richtung. Vier der 64 Plätze blieben für ein Playoff-Turnier reserviert, die übrigen 60 ließen sich wie folgt verteilen:
Südamerika macht den kleinsten Sprung, was bei nur zehn Mitgliedsverbänden kaum überrascht – sieben Plätze bedeuten, dass 70 Prozent der CONMEBOL-Nationen dabei wären. In Europa hingegen würde fast ein Drittel der 55 UEFA-Mitglieder teilnehmen.
Mehr Endrundenplätze entziehen den Qualifikationsspielen die sportliche Brisanz. UEFA-Präsident Aleksander Čeferin nannte den Plan bereits im April 2025 eine „schlechte Idee für unsere Qualifikationen“. Auch Concacaf-Chef Victor Montagliani warnte: Die Erweiterung schade dem „gesamten Fußball-Ökosystem“. In Nordamerika ist fraglich, ob die traditionelle finale Achtergruppe (das „Octagonal“) überlebt, wenn acht direkte Startplätze winkten – wahrscheinlicher wären mehrere parallele Gruppen, was Duelle wie Mexiko gegen USA oder Kanada auf der Strecke blieben.
Ökonomisch würden die Konföderationen noch abhängiger von FIFA-Einnahmen aus der Endrunde, da der kommerzielle Wert der Qualifikationsspiele für Sender und Sponsoren sinke.

Ein Foto vom 4. Dezember 2025 zeigt die Außenansicht des Kennedy Centers in Washington, DC, am 4. Dezember 2025. Das Kennedy Center ist am 5. Dezember Austragungsort der Endauslosung der FIFA-Weltmeisterschaft 2026. (Foto: MANDEL NGAN / AFP)
Die Verlängerung auf sechseinhalb Wochen verschärft das ohnehin kritische Belastungsproblem. FIFPRO, der Weltverband der Profifußballer-Gewerkschaften, warf der FIFA 2024 vor, nationale Ligen und Spielervertretungen systematisch aus Entscheidungen auszuschließen und kommerzielle Interessen über Spielerschutz zu stellen. Premier-League-Chef Richard Masters sprach bereits 2024 von einem „Kipppunkt“ im Weltfußball.
Sportlich stellt sich die Frage, ob mehr Teilnehmer die Qualität verwässern. Bei der WM 2026 erreichten Kap Verde (Weltranglistenplatz 69) und Ghana (Platz 74) die K.-o.-Runde. Mit 64 Teams rücken Nationen noch weiter unten in der Weltrangliste nach. AFC-Präsident Sheikh Salman bin Ibrahim Al Khalifa warnte: Bleibt die Tür offen, könnte als Nächstes jemand 132 Teams fordern – „Chaos“ sei die Folge.
Die WM 2026 nutzte 16 Stadien für 104 Spiele (6,5 Partien pro Arena). Bei 128 Spielen wären rein rechnerisch 19 Stadien nötig. Die Bewerbung für 2030 nennt bereits 23 vorgeschlagene Arenen in den sechs Gastgeberländern – Spanien, Portugal, Marokko sowie Argentinien, Paraguay und Uruguay für die drei Jubiläumsspiele zum 100. Jahrestag der ersten WM 1930 in Uruguay.
Reisewege zwischen Südamerika und der Hauptregion in Europa/Afrika blieben eine logistische Hürde, insbesondere wenn Teams in der Gruppenphase den Kontinent wechseln müssten. Auch die Kapazitäten der Stadien (2026: 45.000 bis 80.000 Plätze) und die nötigen Trainingsanlagen setzen künftigen Gastgebern enge Grenzen – was die Frage aufwirft, ob Alleinausrichter wie Saudi-Arabien 2034 bei 64 Teams überhaupt noch machbar sind.

Germany’s team pose for a photo with the World Cup trophy after winning the 2014 FIFA World Cup final football match between Germany and Argentina 1-0 following extra-time at the Maracana Stadium in Rio de Janeiro, Brazil, on July 13, 2014. AFP PHOTO / FABRICE COFFRINI
Der Vorschlag ging im März 2025 auf einer FIFA-Ratssitzung von Uruguays Verbandschef Ignacio Alonso ein, wurde im April vom südamerikanischen Verband CONMEBOL offiziell eingebracht. CONMEBOL-Präsident Alejandro Domínguez argumentierte, das Jubiläumsturnier solle „niemandem auf der Welt die Party verwehren“. FIFA-Präsident Gianni Infantino bezeichnete die 48er-Erweiterung als „zu 100 Prozent richtig“ und „riesigen Erfolg“ – neun von zehn afrikanischen Teams erreichten 2026 die K.-o.-Phase, 2022 waren es nur fünf. Infantino betonte, die WM müsse „für die ganze Welt“ organisiert werden, nicht nur für Europa und Südamerika.
Die FIFA hat den 64er-Plan bisher nicht gebilligt. Offiziell prüft sie Vorschläge ihrer Ratsmitglieder, eine Entscheidung ist nicht absehbar. Letztlich müsste der FIFA-Rat abstimmen. Ein Zeitplan dafür existiert nicht.
Ein 64-Team-Turnier ist organisatorisch darstellbar – 16 Vierergruppen, 128 Spiele, 45 Tage, rund 20 Stadien. Die sportliche Hürde für Topnationen sinkt drastisch, die Qualifikation verliert an Reiz, der Kalender wird weiter verdichtet, die Infrastrukturansprüche steigen. Befürworter sehen Inklusion und finanzielle Chancen, Kritiker warnen vor Qualitätsverlust und Überlastung. Ob die FIFA den Schritt wagt, entscheiden nicht technische Machbarkeit, sondern politische Mehrheiten im FIFA-Rat – und die sind derzeit alles andere als klar.







































