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Selina Eckstein·18. Januar 2026
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Selina Eckstein·18. Januar 2026
"Wir kommen nicht so richtig in Tritt. Aber wir werden mit dem Abstieg nichts zu tun haben", ist sich Robin Gosens sicher, dass es am Ende wieder gut ausgehen wird – so wie damals bei Union Berlin. Seine Aussage aus dem Podcast 'Copa TS' mit Tommi Schmitt bezieht sich allerdings auf seinen neuen Klub, die AC Florenz.
📸 Maja Hitij - 2024 Getty Images
Mit den Italienern steckt Gosens in einer Situation, die er aus Köpenick nur zu gut kennt. Trotz hoher Investitionen befindet sich der Traditionsklub mitten im Abstiegskampf. Eine weitere Parallele zur Saison 2023/24 bei Union Berlin.
Dabei sollte eigentlich alles ganz anders kommen. Die Fiorentina feiert in dieser Spielzeit ihren 100. Geburtstag und wollte das Jubiläum nutzen, um sportlich anzugreifen. Vor der Saison verstärkte sich der Serie-A-Klub daher noch einmal gezielt, um Druck auf die Topteams aus Mailand, Neapel und Turin auszuüben.
Gosens, der nach einer Leihe für knapp sieben Millionen Euro (Quelle: 'transfermarkt.de') fest verpflichtet wurde, war Teil einer Transferoffensive von rund 90 Millionen Euro. Darunter befanden sich namhafte Neuzugänge wie Nicolò Fagioli oder Roberto Piccoli. Letzterer erzielte in der vergangenen Saison zehn Treffer für Cagliari Calcio und wechselte für 25 Millionen Euro nach Florenz. Bislang steht er allerdings bei nur einem Tor.
Erinnerungen werden wach an die Saison 2023/24, als Union Berlin unter anderem Kevin Volland, Leonardo Bonucci und eben auch Gosens verpflichtete. Auch damals sollte eine ambitionierte Transferpolitik den nächsten Schritt bringen. Doch nach dem 11. Spieltag und einer 0:4-Klatsche gegen Bayer Leverkusen musste Union-Urgestein Urs Fischer gehen. Die Köpenicker waren zu diesem Zeitpunkt Tabellenletzter.
📸 Luciano Lima - 2023 Getty Images
Bei der Fiorentina verlief es ähnlich. Trainer Stefano Pioli musste in dieser Saison sogar einen Spieltag früher gehen und auch der Tabellenplatz war zu diesem Zeitpunkt derselbe: Tabellenletzter, sogar ohne einen einzigen Sieg.
In einem Punkt unterscheiden sich die beiden Spielzeiten jedoch. Während Gosens bei Union nur vier Bundesliga-Partien in der gesamten Saison verpasste, war er in Florenz längere Zeit zum Zuschauen gezwungen. Wegen einer Oberschenkelzerrung fiel der linke Außenverteidiger sieben Serie-A-Spiele aus und konnte seinem Team nicht helfen.
Seit Ende Dezember ist Gosens wieder fit und meldete sich prompt zurück. Beim 2:2-Remis gegen Lazio traf er, wenig später folgte ein weiteres Unentschieden gegen den Tabellenzweiten AC Mailand. Die Formkurve der Fiorentina zeigt seitdem nach oben.
Kein Wunder also, dass Gosens an den Klassenerhalt glaubt. "Der Weg ist der richtige, auch wenn wir zwei Siege verschenkt haben. Wir sind seit drei Spielen ungeschlagen, und das zeigt, dass die Mannschaft sich dessen bewusst ist", sagte er nach dem 1:1 gegen Füllkrugs Mailänder bei 'DAZN'. Zu häufig kassiere sein Team Gegentore in der Schlussphase: "Wir müssen schnell dazulernen, um in der Tabelle nach oben zu klettern", gab der deutsche Nationalspieler die Marschroute vor.
Sollte die Fiorentina dennoch bis zum letzten Spieltag im Abstiegskampf stecken, könnte es für Gosens mit einem Comeback im DFB-Team eng werden. Wie auch schon 2024, als Julian Nagelsmann ihn nicht für die Heim-EM nominierte. Nun steht ein noch größeres Turnier in diesem Jahr an: die WM in den USA, Kanada und Mexiko. Der Verteidiger ist bereits 31, es könnte also seine letzte Chance auf ein WM-Ticket sein.
📸 Alex Grimm - 2022 Getty Images
Die Konkurrenz auf seiner Position ist allerdings groß. Zuletzt setzte Nagelsmann auf David Raum (RB Leipzig) und Nathaniel Brown (Eintracht Frankfurt). Auch Maximilian Mittelstädt, der mit dem VfB Stuttgart eine starke Saison spielt, gilt als Alternative. Dennoch gibt Gosens seinen Traum nicht auf. "Dieses Ziel ist selbstverständlich da. Auf persönlicher Ebene wäre es das Größte für mich. Solange der Trainer mir nicht signalisiert, dass ich keine Rolle mehr spiele, bleibt der Traum von der WM für mich lebendig", sagte er im Interview mit dem Schweizer 'Blick'.
Sein letztes Gespräch mit dem Bundestrainer habe im Sommer stattgefunden: "Das ist für mich aber auch fein. Ich bin kein Spieler, der jeden Tag einen Austausch braucht." Seine bisherige DFB-Karriere sei ein "Auf und Ab" gewesen. Deshalb wisse Gosens auch, "wie man sich zurückkämpft".
Gosens steht im nächsten halben Jahr gleich vor zwei Herausforderungen: mit der Fiorentina um den Klassenerhalt und persönlich um das WM-Ticket. Läuft es in der Liga gut, könnte sich sein Traum erfüllen. Andernfalls droht ein Déjà-vu – wie es sich anfühlt, nicht nominiert zu werden, kennt er bereits.
📸 Paolo Bruno - 2026 Getty Images









































