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·21. April 2026

WM-Wucher: Philadelphia zeigt, was New York nicht begreifen will

Artikelbild:WM-Wucher: Philadelphia zeigt, was New York nicht begreifen will

Während NJ Transit 150 Dollar für die Fahrt zum MetLife Stadium verlangt, kostet die Bahn in Philadelphia dank eines Sponsors nur 2,90 Dollar – Rückfahrt gratis.

150 Dollar für 30 Minuten Zugfahrt. Das ist kein Tippfehler, kein Schwarzmarktpreis, keine Luxusloge auf Schienen – das ist der offizielle Tarif, den NJ Transit für die Strecke Manhattan zum MetLife Stadium während der WM verlangt. Regulär kostet dieselbe Fahrt 12,90 Dollar. Wer diese Preissteigerung um mehr als das Elffache mit Betriebskosten rechtfertigen will, muss erklären, warum 157 Kilometer südlich eine andere Rechnung aufgeht.


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Philadelphia verlangt für die Fahrt zum Lincoln Financial Field mit der Broad Street Line exakt das, was immer fällig ist: 2,90 Dollar. Die Rückfahrt nach dem Spiel ist kostenlos – ab der Halbzeitpause bis zwei Stunden nach Abpfiff. Kein Sondertarif, kein Aufschlag, kein Kleingedrucktes. Möglich macht das ein FIFA-Sponsor, Airbnb, der die Kosten für alle sechs Spieltage übernimmt. Das Geld existiert also im System. Es braucht nur jemanden, der es im Sinne der Fans einsetzt – statt gegen sie.

Boston treibt es ähnlich schamlos wie New York. 95 Dollar für einen Bustransfer zum Gillette Stadium, 80 Dollar für die Bahn, 175 Dollar fürs Parken. Die Botschaft an reisende Fans ist unmissverständlich: Willkommen zur WM, bitte zahlen Sie den Aufpreis dafür, überhaupt dabei sein zu dürfen. NJ Transit hat immerhin eine Erklärung versucht – 62 Millionen Dollar Transportkosten, von denen nur 14 Millionen durch externe Zuschüsse gedeckt sind. Die Rechnung bleibt an den Fans hängen, pro Spiel auf 40.000 Bahntickets verteilt. Die Infrastruktur ist das Problem, der Fan soll die Lösung sein.

Die FIFA hat das kommen sehen. Oder hätte es kommen sehen müssen. Die ursprünglichen Host-City-Vereinbarungen von 2018 sahen kostenlosen Transport für Ticketinhaber vor. 2023 wurden sie angepasst – nun reicht es, Fans „gegen Gebühr" Zugang zu gewähren. Aus einem Versprechen wurde ein Schlupfloch. Bei der WM 2022 in Katar und der EM 2024 in Deutschland fuhren Fans mit Spielticket praktisch kostenlos durch das gesamte Nahverkehrsnetz. Die USA als reichstes Gastgeberland der WM-Geschichte schaffen es nicht, diesen Standard zu halten – in einem Turnier, das der FIFA Rekordeinnahmen von elf Milliarden Dollar bescheren soll.

Philadelphia zeigt, dass es nicht an fehlendem Geld liegt. Es liegt am fehlenden Willen. Eine Stadt, die Brasilien und Frankreich empfängt und am 4. Juli ein Achtelfinale zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit ausrichtet, behandelt ihre Gäste wie Gäste. New York und Boston behandeln sie wie Kunden, denen man den Höchstpreis abverlangt, weil sie keine Alternative haben. Laut The Athletic kommen Fans an einem Spieltag günstiger von Manhattan nach Philadelphia als zum MetLife Stadium in New Jersey – 157 Kilometer gegen 30. Das ist keine Pointe, das ist ein Systemversagen.

Die WM 2026 soll die größte aller Zeiten werden, 48 Teams, 104 Spiele, drei Länder. Aber ein Turnier, das Fans schon auf dem Weg ins Stadion aussortiert, hat seinen eigenen Anspruch verraten – und die FIFA, die ihre Vorgaben von 2018 stillschweigend aufgeweicht hat, trägt Mitschuld. Philadelphia braucht dafür genau einen Sponsor und den politischen Willen, Fans nicht als Einnahmequelle zu betrachten. Alles, was New York braucht: ein Vorbild, das 157 Kilometer entfernt liegt.

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