Vertikalpass
·19. August 2026
Wohlgemuth bittet weiter zu Tisch

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·19. August 2026

„He’s cooking“ oder „Let him cook“ kommt aus der amerikanischen Hip-Hop-Szene, ein Lil Irgendwas hat das mal gerapt, um den Swag aufzudrehen und das hat sich in den sozialen Medien verselbständigt. Schließlich wurde das englische „Let him cook“ eins zu eins ins Deutsche übersetzt und ist durch tausendfache Memes als „der kocht“ in der deutschen (Jugend-)Sprache etabliert. Im Sinne: Lass’ den mal machen, der macht das gut.
Genauso, bei ist es beim VfB: Fabian Wohlgemuth kocht.
Der Aufsichtsrat ist auch der Meinung, bei Wohlgemuth ist alles in Butter: der Chefkoch darf weiter an seinem Pass stehen. Sein Vertrag läuft jetzt bis 2029. Das ist beim VfB durchaus bemerkenswert. Kontinuität auf der Position des Sport-Chefs kannte man in Bad Cannstatt nicht. Dutt, Schindelmeiser, Reschke, Hitzlsperger, Mislintat – bei allen konnte man nach kurzer Zeit den Braten nicht mehr riechen. Im Gegensatz zu Wohlgemuth.
Absolute Perfektion auf jedem einzelnen Transferlöffel zu präsentieren, um das schwierige Umfeld zu überzeugen, das ist Wohlgemuth auch noch nicht gelungen. Was aber auch Kitchen Impossible ist im The Länd of Fußballexperten. Nicht jeder, der am Chef’s Table seinen Vertrag unterschrieben hat, schmeckte dem Publikum und sorgte für Furore auf dem Rasen
Wohlgemuths beste Gerichte sind ziemlich exquisit.
Bilal El Khannouss, Ramon Hendriks und Nick Woltemade: junge Zutaten, feine Qualität, enormes Gewinn-Potenzial. El Khannouss wurde schnell vom Gewürz zur Hauptzutat, auch wenn er in letzter Zeit etwas lasch daher kam. Hendriks hat sich seinen Posten in Wohlgemuths Küche hart erarbeitet. Woltemade schließlich entwickelte sich zum Luxusmenü inklusive astronomischer Rechnung am Ende.
Auch Hausmannskost beherrscht Wohlgemuth. Maxi Mittelstädt, Jamie Leweling und Alex Nübel sind keine exotischen Zutaten, sondern Spieler, die sich ziemlich selbstverständlich in die VfB-Küche integrieren lassen. Und dass nicht nur junges Gemüse auf seiner Einkaufsliste steht, beweist Grischa Prömel, dessen Transfer in etwa die Rafinesse von Omas Apfelkuchenrezept besitzt … und genau das war vermutlich Wohlgemuths Idee.
Dann wäre da noch Deniz Undav. Sein Spiel: eine Delikatesse für die Fans. Ein echter Publikumserfolg. Nicht nur wegen seiner Scorer.
Nicht alles ist sofort perfekt angerichtet
Natürlich gibt es Transfers, die noch auf ihren großen Auftritt warten. Assignon, Bouanani, Jovanovic und Al-Dakhil haben bislang noch nicht das Aroma entwickelt, das man sich von ihnen versprochen hat.
Und Arevalo? Sagen wir mal so: Es wirkt ein bisschen wie Wohlgemuths Versuchsküche. Nicht jeder Transfer wird eben ein Signature Dish.
Noch schwieriger die Sache mit Hyeon-Gyu Oh. Als Woltemade den VfB kurzfristig verließ, sollte er die Lücke schließen. Der Transfer platzte, und plötzlich fehlte eine wichtige Zutat. Sebastian Hoeneß ist das sauer aufgestoßen. Mit Dženan Pejčinović gibt es nun, mit einem Jahr Verspätung, einen Versuch, die Woltemade-Lücke zu füllen.
Der Master Chef bleibt cool
Was bei Wohlgemuth so angenehm ist: Er kocht öffentlich nie über. Selbst wenn ein unerträglich selbstgewisser Florian Plettberg versucht, ihn vor laufender Kamera zu grillen. “Grill den Wohlgemuth” haben trotzdem noch ein paar mehr versucht. Max Eberl hat sich dabei die Finger verbannt.
Wohlgemuth arbeitet im Team, versteht seinen Job nicht als Dinner-for-One-Man-Show. Aber bei den Transfers ist er der Master Chef. Er entscheidet, welche Zutaten auf die Karte kommen. Er kann nachwürzen, wenn es notwendig ist, und auch einmal die richtige Schärfe in seine Ansprache bringen.
Seine Küche hat eine erkennbare Handschrift. Nicht jedes seiner Gerichte wird jedoch ein Sterne-Menü. Nicht jeder Spieler schlägt sofort ein. Manchmal geht etwas daneben. Aber Wohlgemuth liefert meistens ab.
Und deshalb heißt es bis 2029: Let him cook.







































