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·17. September 2026

Woltemade bei Juve: Joker, Fehlkopfball, Fitnessdebatte

Artikelbild:Woltemade bei Juve: Joker, Fehlkopfball, Fitnessdebatte

Nick Woltemade kam in der 60. Minute. Es stand 0:0, Juventus war das bessere Team, Sassuolo wirkte harmlos. Dann fielen fünf Tore, drei davon für den Gegner, und der deutsche Nationalstürmer hatte einen Kopfball aus bester Position neben das Tor gesetzt. So sieht ein Abend aus, an dem alles mit einem zu tun hat, ohne dass man etwas dafür kann.

Das 2:3 bei Sassuolo war Juves erste Saisonniederlage, und die italienische Presse suchte am Montag nach Schuldigen. Woltemade fand sich ganz oben auf der Liste wieder. Er müsse noch viel lernen und sich an das Niveau der Serie A gewöhnen, urteilte die Gazzetta dello Sport. Zwei Jokereinsätze, null Scorerpunkte, ein vergebener Kopfball – der Befund der Zeitung ist hart, aber nicht aus der Luft gegriffen.


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Was in Sassuolo wirklich passierte

Die Reihenfolge ist wichtig, weil sie in Deutschland teils falsch erzählt wird. Woltemade wurde nicht aus-, sondern eingewechselt, für den Ex-Stuttgarter Nico González. Fünf Minuten später traf Sebastiano Esposito zum 1:0. Edon Zhegrova glich aus, Kieran Bowie legte in der 89. Minute erneut vor, Zhegrova traf wieder – und in der 94. Minute setzte ausgerechnet Vasilije Adzic, von Juventus an Sassuolo verliehen, den Schlusspunkt.

Dass die Abwehr in dieser halben Stunde progressiv zusammenbrach, hat mit Woltemade nichts zu tun. Dass er als Neuner nicht traf, schon. Luciano Spalletti hatte Randal Kolo Muani als Spitze begonnen, mit dem 20-jährigen Alajbegović dahinter. Kolo Muani wartet weiter auf sein erstes Ligator. Der Trainer sucht seinen Mittelstürmer – und der Deutsche hat die Bewerbung um einen halben Meter verfehlt.

Die Fitnessfrage – und was Spalletti damit meint

Woltemade kam erst kurz vor Transferschluss per Leihe von Newcastle, wo er zuletzt kaum gespielt hatte. Spalletti hat mehrfach durchblicken lassen, dass er beim Neuzugang Rückstände in der Belastbarkeit sieht. Das ist eine plausible Erklärung für zwei Jokereinsätze. Es ist aber auch eine Aussage, die man in Turin ungern zweimal hört.

Woltemade selbst hatte nach dem Wechsel von Spallettis „Aura“ gesprochen und angeboten, auch als Zehner hinter Kolo Muani zu spielen. Flexibilität ist ein Argument. Tore sind ein besseres.

Die Ausfallliste, die alles relativiert

Was den Sassuolo-Abend einordnet, ist der Kader, den Spalletti überhaupt zur Verfügung hat:

  • Manuel Locatelli: Meniskus-OP, vier bis sechs Monate
  • Kenan Yıldız, Andrea Cambiaso, Weston McKennie, Khéphren Thuram: nicht dabei
  • Jeremie Boga, Juan Cabal, Jeff Ekhator: nicht dabei
  • Edon Zhegrova: beide Sassuolo-Tore – aber nicht für die Europa-League-Ligaphase gemeldet

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte stand in Sassuolo kein italienischer Feldspieler in einer Serie-A-Startelf von Juventus. Das ist kein Detail, das ist ein Zustandsbericht. Ein Rekordmeister, der nach Platz sechs in der Vorsaison zum ersten Mal seit 2010/11 in der Gruppenphase des zweiten Wettbewerbs antritt, hat nicht die Tiefe, um einen 1,98-Meter-Stürmer lange auf der Bank zu parken.

Heute Abend: NEC Nijmegen als Gelegenheit

Um 21 Uhr eröffnet Juve die Europa League im Allianz Stadium gegen NEC Nijmegen. Die Niederländer kommen mit drei sieglosen Spielen in Folge und einer 1:6-Klatsche über zwei Spiele gegen Bodø/Glimt in der CL-Quali. Auf dem Papier ist das ein Gegner zum Aufbauen.

Ohne Zhegrova fehlt Spalletti sein bester Offensivspieler der letzten Wochen. Kolo Muani hat noch nicht getroffen. Woltemade wird die Startelf nicht garantiert bekommen, aber die Chance darauf ist so groß wie seit seiner Ankunft nicht mehr. Wenn er sie bekommt, muss er sie nutzen – nicht, weil die Gazzetta sonst weiterschreibt, sondern weil Spalletti bis zur Winterpause entscheidet, ob er im Januar noch einen Stürmer braucht.

Der Spitzname „Woltemessi“ war in Stuttgart ein Kompliment. In Turin ist er gerade ein Vorwurf. Was er in drei Monaten ist, entscheidet sich an Abenden wie diesem.

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