liga3-online.de
·14. September 2026
Woran Scherning beim SV Wehen Wiesbaden gescheitert ist

In partnership with
Yahoo sportsliga3-online.de
·14. September 2026

Mit Daniel Scherning ist der erste Trainer in dieser Saison entlassen worden. liga3-online.de analysiert, woran der 42-Jährige beim SV Wehen Wiesbaden gescheitert ist.
Als einziges noch siegloses Team belegt der SV Wehen Wiesbaden mit gerade mal zwei Punkten aus fünf Spielen den letzten Platz – und läuft den eigenen Ansprüchen damit deutlich hinterher. Schließlich soll es nach drei Jahren zurück in die 2. Bundesliga gehen. Der Fehlstart allein sorgte aber nicht für das Aus des 42-Jährigen. Vielmehr war es der besorgniserregende Abwärtstrend, der bereits Mitte März mit einer 0:1-Niederlage gegen Hansa Rostock eingesetzt hatte.
Mit einem Sieg gegen die Kogge wäre der SVWW bis auf einen Zähler an den Relegationsplatz herangerückt, verlor aber und holte aus den verbleibenden acht Partien nur noch fünf Punkte. Saisonübergreifend konnte Wiesbaden nur eine der letzten 15 Ligaspiele gewinnen und wartet zudem seit acht Monaten auf einen Sieg in der Fremde. Mit nur zwei Toren in fünf Partien stellt der SVWW zudem die schwächste Offensive der 3. Liga. Selbst der Vorletzte aus Würzburg hat mehr als viermal so viele Tore erzielt.
Die schwache Torausbeute ist vor allem auf eine desaströse Chancenverwertung zurückzuführen, die im Liga-Vergleich wenig überraschend die schlechteste ist. Allein im Heimspiel gegen den SV Waldhof Mannheim am Sonntagnachmittag hätten die Hessen mindestens zwei oder gar drei Tore erzielen müssen, bekamen den Ball aber einfach nicht über die Linie. "Wenn du kein Tor machst, kannst du kein Spiel gewinnen", verzweifelte Scherning an der fehlenden Kaltschnäuzigkeit.
Auch dieses Problem besteht schon länger, man denke etwa an die erwähnte Partie gegen Hansa Rostock zurück, als es Lukas Schleimer in der Nachspielzeit fertiggebracht hatte, den Ball frei vor dem leeren Kasten neben das Tor zu setzen. Beispiele dieser Art gab es beim SVWW in den letzten Monaten mehrere. Auch in dieser Saison kam Scherning mehrfach auf das Abschlussproblem seiner Mannschaft zu sprechen, schaffte es aber nicht, dieses zu beheben. Der xG-Wert der Wehener in dieser Saison liegt bei 1,69, was im Liga-Vergleich den sechsten Platz bedeutet. Bei einer besseren Chancenverwertung wären nach Auswertung der Daten sieben Punkte mehr möglich gewesen.
Zur ganzen Wahrheit, gerade mit Blick auf die laufende Saison, gehört aber auch die schleppende Kaderplanung, die Sport-Geschäftsführer Uwe Stöver zu verantworten hat. Bis Mitte August hatte der SVWW mit Philipp Hercher, Max Brandt, Sinan Karweina und Ayoub Chaikhoun gerade mal vier Spieler verpflichtet. Die übrigen vier Neuen – Marcus Müller, Roberto Massimo, Raul Paula und Michael Schultz – kamen erst kurz vor Transferschluss dazu. Und damit viel zu spät.
Auch Scherning hatte nach der Niederlage in Würzburg öffentlich um weitere Transfers geworben, wenngleich er betonte, damit keinen Druck auf die Vereinsführung aufbauen zu wollen. Warum die Verantwortlichen das Grundgerüst des Kaders nicht bereits im Laufe der Vorbereitung zusammengestellt hatten, bleibt ihr Geheimnis. Klar ist aber: Die späten Verpflichtungen erschwerten es Scherning, frühzeitig eine eingespielte Mannschaft zu formen. Und: Auch Stöver steht damit in der Verantwortung des Fehlstarts – und muss mit der Auswahl des nächsten Trainers, dem bereits vierten in seiner rund zweijährigen Amtszeit, nun liefern.
Die Entlassung von Daniel Scherning wirkt daher weniger wie eine Reaktion auf den Fehlstart in die neue Saison, sondern vielmehr wie die Konsequenz einer Entwicklung, die sich bereits seit dem Frühjahr abgezeichnet hatte. Zu wenige Siege, zu wenige Tore und keine erkennbare Trendwende ließen den Verantwortlichen kaum noch Spielraum.
Gleichzeitig greift es zu kurz, das Scheitern allein am Trainer festzumachen. Auch die späten Transfers haben ihren Anteil an der aktuellen Situation. Mit dem Trainerwechsel ist das Problem deshalb nicht automatisch gelöst. Nun stehen vor allem die Spieler in der Pflicht, die Qualität des Kaders auf den Platz zu bringen. Andernfalls droht der SV Wehen Wiesbaden seine Aufstiegsziele schon früh aus den Augen zu verlieren.







































