Würdelos, ehrenlos, titellos: Real Madrid zerlegt sich selbst | OneFootball

Würdelos, ehrenlos, titellos: Real Madrid zerlegt sich selbst | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: REAL TOTAL

REAL TOTAL

·11. Mai 2026

Würdelos, ehrenlos, titellos: Real Madrid zerlegt sich selbst

Artikelbild:Würdelos, ehrenlos, titellos: Real Madrid zerlegt sich selbst
Artikelbild:Würdelos, ehrenlos, titellos: Real Madrid zerlegt sich selbst

Nicht erst nach dem 0:2 in Barcelona liegt Real Madrid am Boden – Foto: David Ramos/Getty Images

Das befürchtete sportliche Debakel ist zwar weitestgehend ausgeblieben und doch war Real Madrids 0:2 im Clásico gegen den FC Barcelona keine normale Niederlage. Die Art und Weise, wie unterlegen man dem Rivalen in jeder Hinsicht war, wie dem alten und neuen Meister eine durchschnittliche Leistung reichte, um die Königlichen so routiniert und mit einer spielerischen Selbstverständlichkeit herzuspielen, als würde es sich um eine Pflichtaufgabe gegen einen Absteiger handeln, war und ist das Spiegelbild der Saison. Und die logische Konsequenz einer langwierigen Entwicklung. Nicht zuletzt war es auch die endgültige Demaskierung einer Mannschaft, die seit Monaten jedes Gefühl für Würde, Verantwortung und Größe verloren hat. Real Madrid steckt nicht einfach in einer sportlichen Krise, dieser Klub erlebt eine Krise seiner Haltung. Und das ist für den größten Verein der Welt weit alarmierender als jede titellose Saison.


OneFootball Videos


Zwei Jahre in Folge ohne Titel – das allein wäre bei Real Madrid bereits ein Alarmsignal historischen Ausmaßes, doch Zahlen erzählen in diesem Fall nur einen kleinen Teil der Wahrheit, denn diese Mannschaft scheitert nicht nur sportlich. Sie scheitert vor allem charakterlich. Was sich in den vergangenen Monaten auf und neben dem Platz abgespielt hat, ist eines Vereins wie Real Madrid unwürdig.

Da ist zunächst das Auftreten auf dem Feld: permanente Diskussionen mit Schiedsrichtern, peinliche Rudelbildungen, Schubsereien, Provokationen, Frustfouls und eine Körpersprache, die zwischen Arroganz und Gleichgültigkeit schwankt. So wirkte Real Madrid auch im Clásico nicht wie ein großer Klub, der um seine (letzte) Ehre kämpft, sondern wie eine Mannschaft, die sich selbst längst verloren und aufgegeben hat. Es fehlt an Disziplin, an Selbstbeherrschung, an Führungsstärke. Vor allem aber fehlt jede Form von Größe im Umgang mit der Wirklichkeit, im Umgang unter- und zwischeneinander.

Verwandte Beiträge

Vinícius „soll den Mund halten“

Vinícius Júnior erinnert den FC Barcelona unmittelbar vor dessen Meisterschaft mit Handzeichen... weiterlesen

Noch beschämender ist allerdings das, was seit vielen Monaten hinter den Kulissen passiert. Die unrühmliche Rolle einiger Spieler rund um die Entlassung von Xabi Alonso ist dabei nur der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die seit Jahren zu beobachten ist. Wieder einmal bestätigt sich der Eindruck, dass in dieser Kabine nicht der Trainer die Richtung vorgibt, sondern einzelne Spielergruppen darüber entscheiden, wer tragbar ist und wer nicht. Dazu sickern permanent gezielt Informationen nach außen, immer wieder werden Interna an Medien weitergegeben, Narrative gestreut und Verantwortlichkeiten verschoben. Das ist haltungslos. Und vor allem ist es eines Vereins wie Real Madrid nicht würdig.

Ein Klub dieser Größe müsste in schwierigen Momenten Geschlossenheit ausstrahlen. Stattdessen präsentiert sich Madrid wie ein zerstrittener Machtapparat voller Eitelkeiten. Jeder schützt sich selbst, jeder denkt an seine Position, niemand übernimmt Verantwortung. Nicht auf dem Platz, nicht in der Führungsetage. Der Umgang mit dem Skandal um Federico Valverde und Aurélien Tchouaméni steht dafür stellvertretend: Die Spieler entledigten sich ihrer Pflicht gegenüber den Mitgliedern, die in der Theorie die Klubbesitzer und somit ihre Arbeitgeber sind, mit ein paar billigen Sätzen auf Social Media, während der Klub – abgesehen von gerade mal symbolischen Geldstrafen – den bedauernswerten Álvaro Arbeloa vor die Öffentlichkeit stellte, um den skandalösen Umgang mit dem eigentlichen Skandal zu verkaufen und zu rechtfertigen.

Unser Livestream | Alle Videos

3. Halbzeit: Vini schwach

Die Meisterschaft ist nun auch mathematisch entschieden. Und nach Glückwünschen bleibt... weiterlesen

Und genau hier liegt das Kernproblem dieses Real Madrid. Die Klubführung hat über Jahre eine Kultur geschaffen, in der gewisse Spieler unangreifbar geworden sind. Fehler haben keine Konsequenzen mehr, Disziplin scheint verhandelbar zu sein. Wer laut genug ist oder genügend Einfluss besitzt, wird geschützt. Über manchen Spielern hängt inzwischen eine goldene Glocke, unter der jede Kritik verpufft. So musste sich auch nach dem Clásico erneut kein einziger Spieler unangenehmen Fragen stellen, wie schon seit mindestens zwei Jahren ohnehin üblich nach sportlichen Patzern. Unter solchen Bedingungen kann kein Trainer dauerhaft erfolgreich arbeiten. Nicht Carlo Ancelotti. nicht Xabi Alonso, nicht Álvaro Arbeloa. Und auch kein José Mourinho oder ein anderer großer Name, der nun folgen wird, denn das Problem ist strukturell. Solange die Mannschaft weiß, dass am Ende ohnehin der Trainer geopfert wird, wird jede echte Verantwortung innerhalb des Kaders ausbleiben.

Das eigentlich Erschreckende nach diesem 0:2 ist daher nicht das Ergebnis selbst, auch nicht der endgültig verlorene Titel. Real Madrid hat schon viele Clásicos  und Titel verloren und wird auch künftig welche verlieren, doch selten wirkte dieser Klub dabei so würdelos, so orientierungslos und so weit entfernt von seinen eigenen Ansprüchen wie heute. Früher stand Real Madrid für Größe, Dominanz und unbedingte Siegermentalität. Heute steht dieser Verein immer häufiger für öffentliche Schlammschlachten, Indiskretionen, interne Machtkämpfe und eine Mannschaft, die auf dem Platz wie neben dem Platz jede Haltung verloren hat.

Und solange die Führungsetage das weiter duldet, wird sich nichts ändern. Dann wird der nächste Trainer genauso scheitern wie der vorherige. Nicht, weil die Trainer zu schlecht wären, sondern weil der Klub selbst vergessen hat, was ihn einmal groß gemacht hat.

REAL TOTAL supporten

Jetzt REAL TOTAL unterstützen und unter steady.de eines von drei Abos aussuchen:

  • Gold-Abo: App-Zugang, Werbefreiheit, Early Access (Paywall) und mehr
  • Silber-Abo: Werbefreiheit, Early Access (Paywall)
  • Bronze-Abo: nur Support

Mehr Infos oder direkt zu Steady

Impressum des Publishers ansehen