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·12. Mai 2026

ZDF-Sportchef Polus: Klare Kante bei Hass gegen Frauen am WM-Mikrofon

Artikelbild:ZDF-Sportchef Polus: Klare Kante bei Hass gegen Frauen am WM-Mikrofon

ZDF-Sportchef Yorck Polus verurteilt sexistische Anfeindungen gegen Claudia Neumann und Co. und kritisiert zugleich die Aufstockung der FIFA-WM auf 104 Spiele.

Yorck Polus hat vor der WM in den USA, Mexiko und Kanada zwei Themen in einer Meldung verknüpft, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben: den Umgang mit Kommentatorinnen im Netz und die Rechtevergabe eines aufgeblähten Turniers. Der ZDF-Sportchef hat sich gegenüber dem SID eindeutig positioniert, und das ist gut so. "Das macht mich fassungslos", sagt Polus zu den Hasskommentaren gegen Frauen am Mikrofon, "und ich frage mich: Was geht da in den Köpfen vor, die sich in der Anonymität verstecken und Menschen aufgrund ihres Geschlechts oder wegen ihrer Stimme beschimpfen." Ein Satz, der nicht besonders originell ist, aber eben auch nicht sein muss. Er ist notwendig.


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Notwendig ist er, weil die Geschichte der jüngeren Turniere eine Geschichte ist, die Claudia Neumann nicht ausgesucht hat. Die ZDF-Kommentatorin ist bei vergangenen Großveranstaltungen vielfach im Netz auf sexistische Weise beleidigt worden, und sie wird im kommenden Sommer wieder für den Mainzer Sender im Einsatz sein. Dass dieser Umstand heute noch eigens erwähnt werden muss, sagt mehr über das Publikum als über die Kommentatorin. Polus grenzt sorgfältig ab: Fehler passieren, in der Live-Situation jedem und jeder, und darüber lässt sich diskutieren. Darum gehe es den Verfassern solcher Diffamierungen aber meist nicht, sagt er — und trifft damit den Punkt, den jede Kommentatorin kennt, die sich nach einem Spiel durch die Timeline scrollt.

Interessant ist, dass Polus den Eindruck nicht vermeidet, man gehe den Kritikern damit auf den Leim. Er gehe "sehr gerne direkt in die Diskussion mit Menschen, die Kritik an unseren Übertragungen äußern. Doch gerade bei diesen anonymen Beleidigungen ist etwas völlig aus dem Ruder gelaufen." Das ist die Haltung eines Senders, der das Gespräch sucht, es aber nicht mit jedem führen kann. Zum ZDF-Team gehören im Übrigen zahlreiche weitere Frauen, darunter Katrin Müller-Hohenstein im WM-Studio in Berlin und Lili Engels als Moderatorin im Quartier der deutschen Nationalmannschaft in Winston-Salem, North Carolina. Es ist eine Aufstellung, die man nicht jedes Mal verteidigen können sollte.

Der zweite Strang der Meldung betrifft das Produkt selbst. ZDF und ARD übertragen je 30 WM-Partien, die Gesamtrechte für alle 104 Spiele hält am deutschen Markt MagentaTV. "Das Paket mit 60 WM-Spielen, das ARD und ZDF gemeinsam erworben haben, passt für uns", sagt Polus, doch die Kritik an der FIFA schwingt mit. Der Weltverband habe angenommen, durch die Aufstockung von 64 auf 104 Spiele deutlich mehr Geld zu erwirtschaften, so der 55-Jährige: "Am deutschen Markt hat das nicht wirklich geklappt. Mit der Erhöhung der Quantität ist nicht unbedingt bessere Qualität bei den Spielen zu erwarten."

Das ist die nüchterne Variante dessen, was viele im Fußball seit der Vergabe denken. Laut Medienberichten haben die Öffentlich-Rechtlichen für die Sublizenzen zur Übertragung der 60 Partien zusammen 152 Millionen Euro an die Deutsche Telekom gezahlt. Eine Summe, die in Relation zu jedem einzelnen Spiel gedacht werden muss, zu jedem Kommentar, zu jeder Moderation. Und damit sind wir, über den Umweg der Rechtevergabe, wieder bei den Menschen am Mikrofon. Zwei Wertkonflikte, eine Meldung — und zum Glück ein Sportchef, der beide nicht nebeneinander stehen lässt, sondern beide anspricht.

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