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·13. September 2026
Zehn Tore, ein Gegentor, sechs Siege: Freiburg steht oben – und Igor Matanović findet das gar nicht überraschend

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·13. September 2026

Igor Matanović wurde nach dem Spiel gefragt, ob ihn die Tabellenführung überrasche. Die Antwort des Stürmers, der gerade in seinem 50. Bundesliga-Spiel doppelt getroffen hatte: „Wir stehen zurecht da, wo wir jetzt gerade stehen.“ Neun Punkte, 10:1 Tore, sechs Pflichtspielsiege in sechs Spielen, Platz eins. Für viele ist das ein ungewöhnliches Bild. Für den SC Freiburg ist es, wenn man Matanović glaubt, das Ergebnis der letzten Wochen: „Wir sind sehr stolz auf die Art und Weise, wie wir Fußball spielen.“
Gegen eine Gladbacher Mannschaft, die der kicker „bieder wie desolat“ nannte, war Freiburg von Beginn an überlegen. Yannik Engelhardt, einst selbst Gladbacher, köpfte in der 23. Minute das 1:0. Matanović nahm sechs Minuten später einen Pass von Matthias Ginter direkt – 2:0 zur Pause. Nach der Gelb-Roten Karte gegen Tim Kleindienst (52.) spielte sich der Sport-Club laut Blick „in einen Rausch“: Matanović per Kopf (77.), Engelhardt von der Strafraumgrenze (79.), Maximilian Eggestein per Abstauber (86.). Es war der höchste Sieg der Ära Julian Schuster, gleichauf mit dem 5:0 gegen Bremen im Februar 2025.
Weil Augsburg zeitgleich gegen Leverkusen nur 2:2 spielte – Patrik Schick glich in der 89. Minute aus –, verlor der Vorwochen-Spitzenreiter seinen Platz. Dortmund gewann 3:0 gegen Paderborn und ist ebenfalls makellos, liegt aber beim Torverhältnis drei Treffer hinter Freiburg. Bayern könnte am Sonntag in Elversberg auf sieben Punkte kommen. An der Spitze ändert sich bis zum nächsten Wochenende nichts.
Freiburg hat in der Bundesliga-Geschichte selten oben gestanden. Die letzte Tabellenführung datiert vom 1. Spieltag 2024/25, nach einer Runde; nach mehr als einer Runde stand der SC laut Blick zuvor erst einmal ganz oben. Neun Punkte nach drei Spielen hat es in Freiburg noch nie gegeben – bundesliga.com spricht vom besten Start der Vereinsgeschichte. Die zehn Tore sind Ligabestwert, das eine Gegentor teilt sich Freiburg mit Bayern als beste Abwehr.
Ungewöhnlich ist das Bild deshalb nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten ist es die Fortsetzung einer Saison, die im Mai in einem Europa-League-Finale endete – verloren, 0:3 gegen Aston Villa, aber ein Finale. Der Klub, der 2022 sein erstes großes Endspiel im DFB-Pokal gegen Leipzig verlor, hat sich in vier Jahren vom Überraschungsteam zum Dauergast in Europa entwickelt. Dass er in dieser Saison „nur“ Conference League spielt, liegt an Platz sechs der Vorsaison, nicht an fehlender Substanz.
Der Sommer hätte Freiburg schwächen können. Johan Manzambi, das größte Talent des Kaders, ging für 60 Millionen Euro nach Aston Villa – ausgerechnet zum Finalgegner. Torhüter Noah Atubolu ließ sich nach Frankfurt verleihen, nach einem Sommer, in dem er weg wollte und keinen Abnehmer fand. Zwei Stammspieler, zwei Abgänge, ein Klub, der traditionell nicht nachkauft, sondern nachrückt.
Er hat nachgerückt. Matanović hat sechs Tore in sechs Pflichtspielen erzielt und laut bundesliga.com die Manzambi-Lücke nicht „übertüncht“, sondern gefüllt. Mio Backhaus, für zwölf Millionen Euro aus Bremen geholt, hat in drei Ligaspielen ein Gegentor kassiert. Ginter, 32, hat drei Vorlagen. Engelhardt, Eggestein, Grifo: Die Achse ist dieselbe wie im Frühjahr. Schuster hat gegen Gladbach dieselbe Elf aufgestellt wie beim 1:0 in Paderborn – ein Trainer, der nicht rotiert, weil er nicht muss.
Schuster, seit 2024 im Amt und in seinem ersten Jahr als Nachfolger von Christian Streich mit Skepsis begleitet, hat den Verein durch die Atubolu-Wochen geführt, ohne dass davon auf dem Platz etwas zu sehen war. Sein Umgang mit dem Torwart, der den Klub verlassen wollte, wurde von Atubolu selbst als „unfassbar“ gelobt. Das ist die Art von Führung, die in Tabellen nicht auftaucht und sich in ihnen trotzdem niederschlägt.
Engelhardt formulierte die Stimmung nach dem Spiel so: Die Tabellenführung sei „für den Moment auf jeden Fall schön“. Der Nachsatz ist typisch Freiburg: für den Moment. Am Samstag geht es zu Eintracht Frankfurt, am Donnerstag beginnt die Conference League. Zwei Wettbewerbe, ein Kader ohne Manzambi, eine Länderspielpause, die Klopps erste Nominierung bringt – mit Matanović als möglichem Kandidaten.
Ehrlich: wahrscheinlich nicht lange. Dortmund und Bayern haben tiefere Kader, Leverkusen und Leipzig werden sich fangen, und Freiburg hat in seiner Geschichte noch nie eine Herbstmeisterschaft geholt. Aber die Frage ist nicht, ob Freiburg Meister wird. Die Frage ist, ob ein Klub, der 60 Millionen Euro einnimmt und trotzdem besser wird, das Modell ist, das die Liga gerade braucht. Nach drei Spieltagen lautet die Antwort: Er steht zurecht da, wo er steht.
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