90PLUS
·24. September 2026
Zidane beginnt dort, wo es am unangenehmsten ist – in İzmit, bei einem Gegner, der zu Hause seit einem Jahr nicht verliert

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·24. September 2026

İzmit. Es gibt angenehmere Orte für ein Trainerdebüt. Zinédine Zidane, 54, Weltmeister von 1998, dreimaliger Champions-League-Sieger als Coach von Real Madrid, beginnt seine Amtszeit als französischer Nationaltrainer am Freitagabend im Kocaeli-Stadion von İzmit – 34.829 Plätze, ausverkauft, gegen eine Türkei, die zu Hause seit einem Jahr kein Spiel mehr verloren hat. Es ist Zidanes allererstes Pflichtspiel als Nachfolger von Didier Deschamps. Anstoß: 20.45 Uhr.
Frankreich kam bei der WM in Nordamerika bis ins Halbfinale und verlor dort 0:2 gegen den späteren Weltmeister Spanien; Kylian Mbappé holte die Torjägerkanone. Danach trat Deschamps nach mehr als einem Jahrzehnt ab, Zidane übernahm. Es ist ein Wechsel, der in Frankreich seit Jahren erwartet worden war und nun in einem Moment kommt, in dem die Mannschaft keine Trümmer aufräumen muss.
Die Türkei erlebte das Gegenteil. Trotz eines Sieges gegen die USA schied Montellas Team in der Gruppenphase aus – am schlechteren Torverhältnis in einem engen Dreikampf. Immerhin: Der Aufstieg in Liga A war da längst geschafft. Es ist die erste Nations-League-Saison der Türkei auf höchster Ebene, und die Gruppe hat es in sich – nach Frankreich folgen Italien (zweimal) und Belgien.
Der Gastgeber geht mit einer Zentrale ins Spiel, die kaum Alternativen zulässt. Hakan Çalhanoğlu, langjähriger Kapitän und Inters Standardspezialist, fehlt – ob verletzt oder nicht nominiert, darüber gehen die türkischen Berichte auseinander. Kenan Yıldız fällt mit gebrochenem Fuß aus. Orkun Kökçü, Beşiktaş‘ Kapitän, konnte wegen anhaltender Zehenschmerzen bislang an keiner einzigen Trainingseinheit teilnehmen. Demir Ege Tıknaz verpasste aus Reisegründen die ersten beiden Einheiten.
Vier Spieler stehen erstmals im Kader: İlhan Fakılı (Beşiktaş), Adil Demirbağ (Konyaspor), Bartuğ Elmaz (Fenerbahçe) und Melih Kabasakal (Trabzonspor). Fakılı ist der interessanteste Name – der junge Flügelspieler traf vergangene Woche beim 4:1 gegen Olympique Marseille, als er für den verletzten Trossard in die Startelf gerückt war.
Zwei Gründe. Erstens die Heimbilanz: Seit dem 0:6 gegen Spanien im September 2025 hat die Türkei alle vier Heimspiele gewonnen. Zweitens Zidanes Ausgangslage. Der neue Trainer hatte nur wenige Trainingstage, und auch sein Kader hat Lücken: Aurélien Tchouaméni fehlt mit einer Leistenverletzung, N’Golo Kanté ebenfalls. Das Mittelfeld dürften Eduardo Camavinga und Manu Koné bilden, links verteidigt voraussichtlich Adrien Truffert – ein Spieler mit einem einzigen Länderspiel.
Die Offensive gleicht vieles aus: Mbappé als Kapitän, dazu Ousmane Dembélé, Michael Olise, Bradley Barcola, Désiré Doué und Rayan Cherki. Aus deutscher Sicht ist der Kader dünn besetzt – nur die Bayern-Profis Dayot Upamecano und Olise stehen in Zidanes Aufgebot.
Bei der Türkei richtet sich alles auf einen 21-Jährigen. Arda Güler soll das Spiel zwischen den Linien organisieren – jene Rolle, die er bei Real Madrid gerade neu verhandelt. Am vergangenen Samstag kam er beim 4:1 gegen Rayo Vallecano nur von der Bank, lieferte in 23 Minuten fünf Schlüsselpässe und die Vorlage zum 4:1. José Mourinho sagte danach: „Heute hat er den Unterschied gemacht.“ In İzmit wird er von Beginn an spielen.
Um ihn herum: Kerem Aktürkoğlu, Barış Alper Yılmaz und Ferdi Kadıoğlu in der Offensive, Merih Demiral und Ozan Kabak vor Torwart Uğurcan Çakır.
Eine Randnotiz mit Wiedererkennungswert: Die Partie leitet Felix Zwayer. Der Berliner pfeift damit das erste Pflichtspiel der Ära Zidane. Übertragen wird das Spiel in Deutschland bei DAZN.
Für beide Trainer gilt dasselbe wie am Donnerstag in Amsterdam für Jürgen Klopp: Ein Debüt sagt wenig über die nächsten zwei Jahre. Aber es sagt etwas darüber, wie eine Mannschaft aussehen soll. Zidane hat vier Spiele in elf Tagen, um es zu zeigen. Er beginnt mit dem schwersten.
90PLUS Redaktion







































