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·29. Juli 2026
Zinédine Zidane bei Les Bleus: Der große Name ist keine Titelgarantie für Frankreich

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·29. Juli 2026

Er erbt eine Weltmeister-Ära und eine Elf mit Lücken. Nach fünf Jahren Pause muss er beweisen, dass Ruhm an der Seitenlinie trägt.
Es gibt personelle Entscheidungen, die keine Überraschung mehr sind, wenn sie endlich fallen. Zinédine Zidane als französischer Nationaltrainer gehört dazu: Der frühere Welt- und Europameister galt seit langer Zeit als Topfavorit auf die Deschamps-Nachfolge, und am Dienstag wurde das offene Geheimnis am FFF-Hauptsitz in Paris nur noch offiziell bestätigt. Der Vertrag läuft bis 2030, die Premiere steht am 25. September in der Türkei an, das erste große Ziel ist die EM 2028 in Großbritannien und Irland. Ein lang gehegter persönlicher Traum, wie es heißt. Die Frage ist nicht, ob Frankreich einen berühmten Namen bekommt. Die Frage ist, ob dieser Name auch als Bundestrainer trägt.
Denn Ruhm allein hat noch keine Nationalmannschaft durch ein Turnier gebracht. Zidanes Referenzen als Spieler sind unbestritten: Weltmeister 1998, Europameister 2000. Aber ein Idol auf dem Rasen wird nicht automatisch zum Idol an der Seitenlinie. Das Erbe, das er antritt, ist überdies gewaltig. Deschamps hat Les Bleus 14 Jahre lang geführt, 2018 zum Weltmeistertitel und in eine Konstanz, die kaum ein anderer Verband vorweisen kann. Wer auf eine solche Ära folgt, wird nicht an seinem eigenen Anfang gemessen, sondern am Maßstab des Vorgängers.
Was für Zidane spricht, ist seine Trainerbilanz bei Real Madrid – und die ist außergewöhnlich. Dreimal in Folge die Champions League, von 2016 bis 2018, dazu zwei spanische Meisterschaften und zwei Titel bei der damaligen Klub-WM. Kein Zufallsprodukt, sondern der Beweis, dass er große Kabinen führen und in K.-o.-Spielen bestehen kann. Genau diese Erfahrung braucht ein Nationaltrainer, dessen Erfolg sich in wenigen Turnierwochen entscheidet. Wer dreimal hintereinander das schwerste Klubturnier Europas gewinnt, hat mehr vorzuweisen als einen klangvollen Namen.
Und doch gehört zur Ehrlichkeit auch der zweite Teil der Geschichte. Zidanes zweite Amtszeit bei Real von 2019 bis 2021 verlief weniger erfolgreich, die Meisterschaft 2020 blieb der einzige große Titel. Seither, also seit fünf Jahren, war er kein Coach mehr, sondern Wartender – bis der Platz bei Les Bleus frei wurde. Fünf Jahre Pause sind für einen Trainer eine lange Zeit, in der sich der Fußball verändert und Spielergenerationen wechseln. Zidane kehrt nicht als amtierender Erfolgstrainer zurück, sondern als jemand, der beweisen muss, dass er dort anknüpfen kann, wo er in Madrid einmal stand.
Bezeichnend ist der Rahmen, in dem der Übergang stattfindet. Deschamps' letzter großer Auftritt war das Spiel um Platz drei bei der WM, das Frankreich mit 4:6 gegen England verlor. Kein Triumph zum Abschied, sondern ein Spiel, das offenlegt, dass auch diese Mannschaft ihre Lücken hat. Zidane erbt also keine perfekte Elf, sondern eine, die zuletzt in der Defensive sechs Gegentore kassierte. Der Neuanfang beginnt mit einer Aufgabe, nicht mit einem Selbstläufer.
Die Berufung ist nachvollziehbar, die Trainerbilanz stark, die Erwartung riesig. Aber ein Nationaltrainer wird nicht an dem gemessen, was er als Spieler war, sondern an dem, was er ab September aus dieser Mannschaft macht. Zidane bringt den größten Namen mit, den Frankreich vergeben konnte. Ob das reicht, entscheidet sich nicht in Paris auf der Pressekonferenz, sondern in der Türkei, bei der EM 2028 und in jedem Turnier dazwischen. Der Erbe tritt an: Jetzt muss er das Erbe auch verdienen.
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