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·26. Februar 2026

Zu Gast beim Fanprojekt 2 – Mit Fans sprechen statt Über

Artikelbild:Zu Gast beim Fanprojekt 2 – Mit Fans sprechen statt Über

Im Zweiten Teil unseres Interviews reden wir mit Daniel über Fans und was er darüber denkt und einiges mehr. Wir wünschen euch auch hier zum Abschluss des Interviews viel Spaß beim Lesen! (Foto: Köglmeier)

Im ersten Teil des Interviews hattest du gesagt, ihr seid parteiisch im Sinne von “pro Fans”. Was ist für dich Fankultur?


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Fankultur ist erst mal alles, was nicht irgendwie den Zweck hat, Geld im Stadion zu verdienen. Sei es der optische Aspekt im Stadion, sei es der Support, aber auch alles darüber hinaus, das Leben als Fan und jeglicher sichtbare Ausdruck, dass man Fan ist. Es geht nicht darum, Geld zu verdienen, nicht darum, Sponsoren zu haben und so weiter. Es ist alles, was man für den Verein tut, dazu gehören auch die Stadt zu repräsentieren, Vereinsleben, Fanclubs, Freundschaften und so weiter.

Was macht die Fankultur beim Jahn? Welche Werte gibt es einem jungen Menschen, Fan oder Jahnfan zu sein?

Du hast eben diese Identifikation mit deinem Umfeld und was das alles Positives mit sich bringt: Zusammenhalt, Loyalität gegenüber anderen, die auch Fan sind. Freundschaften, die gelebt werden, und auch einfach eine Begegnung, die vielleicht sonst nicht entsteht.

Normalerweise hat man ja seine Bubble, in der man unterwegs ist, Beruf, Schule, und hier treffen Menschen aufeinander, die sich vielleicht so nicht treffen würden, aber sich mit dem gemeinsamen Nenner anfreunden und gemeinsam für die gleiche Sache da sind.

Speziell Regensburg-Fans zeichnet einen starken Zusammenhalt aus und dass man gemeinsam Schritte gegangen ist, was zu einer krassen Entwicklung beigetragen hat.

Ich fand es schon gut, als ich angefangen habe, aber die Fanlandschaft, auswärts wie zuhause, hat sich über die Jahre hinweg richtig toll entwickelt. Das finde ich sehr spannend und ich freue mich, das miterleben zu dürfen. Alleine wenn man überlegt, was die Fans mit dem Stadionnamen bewegt haben.

Es gibt auch Vorurteile von – sagen wir mal – seltenen Stadiongängern gegenüber Leuten, die dauernd gehen und aktiv sind. Wie gehst du damit um und wie versuchst du, da zu vermitteln?

Im Grunde würde ich immer sagen: Wenn man sich über aktive Fans aufregt, empfehle ich einfach mal das Gespräch zu suchen. Ich denke, nahezu jeder wird dann seine Sicht der Dingen erklären, gerade in Regensburg. Ich würde schon sagen, dass medial, zumindest von einigen Medien, ein durchgehend schlechtes Bild von aktiven Fans gezeichnet wird, was ich auch sehr schade finde.Ich bin froh, dass es durch andere Formate differenziertere Blickweisen darauf gibt. Sowas wie Calcio Berlin hat auf jeden Fall einen wesentlich klügereren und differenziertereren Blick auf Fans als klassische Formate wie der Doppelpass. Gerade letzterer ist bei Fan-Themen ganz schrecklich. Das kann ich mir nicht anschauen. Aber ich finde es gut, wenn man differenziert auf das Thema schaut und ich habe das Gefühl, das wird mehr, weil es inzwischen eine viel größere Medienvielfalt gibt.

Würdest du sagen, man kann das auch hier in einem geschützten Raum diskutieren – wenn man mit einer normalen Stimmung herkommt, also nicht nur mit Vorwürfen, sondern wenn man sich damit ernsthaft auseinandersetzen möchte?

Wenn man irgendwo reingeht und beginnt mit, „ich finde euch scheiße“, ist es halt schwer, ein Gespräch zu führen, das einen positiven Verlauf nimmt. Deswegen würde ich immer sagen: Man sollte erst denken und dann reden. Und wenn man das beherzigt, glaube ich, kann man mit jedem Menschen sprechen.

Vor der letzten Innenministerkonferenz gab es viel Protest von Fanseite. Wie gehst du damit um?

Dazu gab es viele Statements, auch von den Fanprojekten. Man sollte da auf Menschen hören, die eine gewisse Expertise im Bereich Fans haben und ich würde sagen, wir Fanprojekte haben die. Das, kombiniert mit Zahlen, die Dinge belegen, sollte man einfach nutzen.Insgesamt gibt es weltweit eine Tendenz zum Populismus. Damit erreicht man aber wenig und ich würde appellieren, nicht darauf reinzufallen. Ohne das zu weit zu drehen: Wohin das führen kann, sieht man ja gerade in den USA. So eine reine Law-and-Order-Idee finde ich aus menschlicher und menschenrechtlicher Sicht einfach falsch.

Wo würdest du Populismus in der Diskussion ausmachen?

Ich habe das Beispiel schon sehr oft gebraucht, deswegen will ich es fast nicht mehr sagen. Aber wenn man die Straftaten bei einer Veranstaltung wie dem Oktoberfest, sei es in den Bereichen Belästigung oder Gewalt, vergleicht mit den Zahlen in Fußballstadien, ist das ein absurder Unterschied. DerVergleich kommt dauernd, den finde ich aber sehr passend, weil in der Gesamtbetrachtung wenig in den Stadien passiert, wenn man das mit den Besucherzahlen in Relation setzt. Das sollte man beachten.

Würdest du sagen, ohne euch in den Vordergrund stellen zu wollen, dass ihr euch in diesen Fragen manchmal zu wenig gehört fühlt? Sollte man euch fragen, bevor man einen Artikel veröffentlicht?

Man fragt uns ja teilweise schon, aber ignoriert halt das, was wir sagen. Es gibt Runden mit Fanprojekten mit am Tisch, an denen ich auch schon beteiligt war. Viele verstehen das dann auch, was wir sagen. Aber es ist vielleicht nicht das, was der Wähler XY hören will, und dann lässt man es halt unter den Tisch fallen.

Du hast vorhin populistische Aussagen kritisiert. Würdest du das auch für die sportliche Betrachtung beim Jahn sagen? Also dass man sich eine gute Diskussionskultur unter den Fans beibehält?

Ich verstehe natürlich die Idee eines Online-Forums, weil es angenehm ist, von zu Hause mit Leuten über ein Thema, das einen interessiert, zu diskutieren. Aber die ein oder andere Facebook-Gruppe ist schwer zu verfolgen, weil es oft einfach nur destruktiv ist. Wenn etwa der Jahn viel verliert und Menschen beim Spiel schon zur Halbzeit reinschreiben “ha ha ha, ihr Versager, ich kündige meine Mitgliedschaft”, dann sollte man sich fragen, ob das jetzt so sinnvoll ist.

Ich bin jetzt selbst keiner, der sich bei spielerischen oder taktischen Details sehr gut auskennt. Das ist auch nicht meine Stärke, da mitzureden. Aber gerade bei Themen, wo es um verdiente Persönlichkeiten geht, wie bei Mersad oder auch Oli Hein, sollte man immer berücksichtigen, was die Person schon für den Verein getan hat. Eventuell sollte man sich fragen, was man selbst schon für den Verein getan hat, und sich dann überlegen, ob man etwas schreiben soll oder nicht. Also man kann sagen: Ich bin nicht zufrieden mit dem Spielerischen. Aber jetzt jemanden Bestimmten persönlich anzugreifen, finde ich nicht cool. Das ist mir in manchen Foren zu viel, deswegen lese ich die eigentlich wenig. Aber ich bekomme natürlich auch Sachen geschickt. Manchmal rege ich mich darüber kurz auf, aber gehe nicht weiter darauf ein. Denn das ist nicht mein Thema, sondern nur meine private Meinung als Daniel und nicht die des Fanprojekts.

Artikelbild:Zu Gast beim Fanprojekt 2 – Mit Fans sprechen statt Über

Jetzt haben wir sehr viel über Negatives gesprochen. Aber du hast doch bestimmt schöne Erinnerungen aus den letzten zehn Jahren. Woran denkst du da?Das erste, was mir einfällt, ist die Eröffnung des Fanladens in der Malergasse. Es war nicht unbedingt einfach, eine Räumlichkeit zu finden. Regensburg ist jetzt keine Stadt, die mit Leerstand glänzt, zumindest nicht an den Orten, wo wir hinwollten. Als der Laden kam, war das sehr cool. Es war ja vorher ein Brautmodengeschäft und es wurde einiges umgebaut.

Dann die ersten Spieltage hier. Der erste Sonderzug, den wir mit der Fanszene organisiert haben. An diesem Tag war ich gefühlt 30 Stunden wach, weil wir morgens noch Geld wegbringen mussten. Das war wirklich ein total irrer Tag. Generell haben uns alle Zugfahrten immer sehr viel Spaß gemacht. Und was natürlich cool ist: Ab und an hört man, auch nur über mehrere Ecken vielleicht, dass man jemandem wirklich helfen konnte. Das ist natürlich ein sehr gutes Gefühl und bestätigt mich darin, was ich tue.

Ist dir denn auch ein bestimmtes Spiel in Erinnerung geblieben? Ich kann dir das Spiel verraten, wie es bei mir mit dem Jahn anfing: Da haben wir eine 3:1-Führung verspielt.

Welches meinst du?

Der Jahn hat das damals gegen Köln verspielt, vor über zehn Jahren noch im alten Jahnstadion.

Ach, da war ich damals auch! Mein coolstes Spiel war wahrscheinlich das 5:0 in Hamburg. Dann das Heimspiel gegen Düsseldorf, als wir erst 0:3 hinten lagen und dann 4:3 gewonnen haben. Und dann noch die Relegation gegen Wolfsburg, auch mit dem Hintergrund, dass die damals von unseren Spielern als unglaublich unsympathisch beschrieben worden sind.

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