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·30. Juni 2026
Zukunft der DFB-Elf: Warum ein echter Umbruch mehr als nur neue Namen bedeutet

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·30. Juni 2026

Das bittere Sechzehntelfinale-Aus gegen Paraguay hat schonungslos offengelegt, dass es dem DFB-Team an einer klaren Identität fehlt. Es reicht nicht mehr, einfach nur talentierte Einzelspieler auf den Platz zu werfen und auf das Beste zu hoffen. Doch wie könnte die DFB Elf der Zukunft aussehen? Der deutsche Fußball steht vor einer grundlegenden Konzeptfrage.
Die jüngsten Auftritte im Ballbesitz waren ernüchternd. Die Nationalmannschaft hatte massive Probleme im geordneten Spielaufbau und schaffte es viel zu selten, saubere Spielverbindungen in die Zwischenräume herzustellen. Extrem reaktiv zu agieren und das Heil in einer tiefen, fehlerfreien Defensivmauer zu suchen, ist allerdings keine Option. Dafür fehlt den nachrückenden Verteidigern schlicht die nötige Abgeklärtheit. Zudem ist die Fehlerquote zu hoch.
Da die Probleme auf den Außenverteidigerpositionen und bei der Rückraumbesetzung im Zentrum schon jetzt chronisch sind, hilft nur eines: Eine vernünftige spielerische Balance, die zwingend voraussetzt, dass wir im Ballbesitz deutlich zulegen. Nur so lässt sich auch die Integration junger Spieler stabil moderieren. Dabei müssen drei Kernprobleme gleichzeitig gelöst werden: die Besetzung der Breite, die Bedrohung der Tiefe und die konsequente Besetzung des Strafraums.

Foto: Getty Images
Betrachtet man einen realistischen Zwei-Jahres-Plan bis zur EM 2028, hängen taktische Lösungen stark davon ab, dass junge Spieler schnell reifen. Das größte Sorgenkind bleibt die Rechtsverteidiger-Position (RV). Es ist utopisch zu glauben, dass sich hier in den nächsten 12 bis 24 Monaten plötzlich ein klassischer Schienenspieler von internationalem Format festspielt.
Daher spricht viel für eine asymmetrische Viererkette. Ein System mit drei Innenverteidigern ist keine Option. Dem DFB fehlt auch hierfür der passende Spieler für die rechte Außenbahn. Um die Fehleranfälligkeit neben Nico Schlotterbeck zu minimieren, könnte ein physisch starker Innenverteidiger wie Malick Thiaw oder Toptalent Finn Jeltsch auf die rechte Abwehrseite rücken.

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Kurzfristig wird der radikale Umbruch in der Zentrale ohnehin ausbleiben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck vorerst das eingespielte Stamm-Duo bilden. Währenddessen machen Jeltsch, Thiaw und Yannik Bisseck Druck als Herausforderer. Auf links ist der Schwenk zu Nathaniel Brown ohnehin Pflicht. Vorausgesetzt, er setzt sich nachhaltig bei Bayern durch.
Aus einem defensiv orientierten Rechtsverteidiger resultiert eine klare taktische Kettenreaktion: Der rechte Außenstürmer (RA) muss zwingend als Breitengeber agieren. Das bedeutet jedoch im Umkehrschluss, dass diese Position kaum mit einem reinen Abschlussspieler besetzt werden kann. Es sei denn, man baut die linke Seite extrem spielstark auf und verlagert das Kreieren dorthin.
Wenn das Zentrum maximale Unterstützung liefert und den Ballvortrag sichert, kann man die linke Seite mit Brown und Florian Wirtz als kreativen Hotspot nutzen. Dadurch wird der rechte Flügel isoliert und für einen klassischen Tiefenläufer und Abschlussspieler freigezogen.
Hier kommen Spieler ins Feld, die genau dieses vertikale Element mitbringen:
Das Problem: Breite und Tiefe können von einer Person kaum gleichzeitig besetzt und attackiert werden. Da vom rechten Verteidiger keine Unterstützung im Vorwärtsgang kommt, muss die Tiefe folglich umso intensiver aus dem Zentrum belaufen werden.
Um die spielstarke linke Seite zu füttern, braucht es im Mittelfeldzentrum die perfekte Balance zwischen Absicherung und Vorwärtsdrang.
Obwohl Aleksandar Pavlović und Angelo Stiller häufig als zukünftige Schlüsselspieler im Spielaufbau angepriesen werden, offenbaren sie unter gegnerischem Pressing noch erhebliche Defizite im Durchsetzungsvermögen. Außerdem bieten sie defensiv zu viele Angriffsflächen. Eine ungeklärte Personalie bleibt zudem Joshua Kimmich. Hier steht der Verband in der Pflicht, sich endgültig festzulegen, ob er im defensiven Mittelfeld oder auf der Rechtsverteidiger-Position auflaufen soll.

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Die funktionalste Variante für die Kette und den Spielaufbau sieht derzeit anders aus:
Auf der Suche nach dem perfekten Kompromiss im Zentrum fällt auch immer wieder der Name von Kennet Eichhorn. Der Youngster bringt ein hochinteressantes Profil mit, das theoretisch genau die Lücke zwischen defensiver Absicherung und spielerischer Unterstützung der Offensive schließen könnte.

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Das Potenzial: Eichhorn bringt eine Dynamik und Aggressivität gegen den Ball mit, die der Mannschaft im Rückraum extrem guttun würde, ohne dabei im Spiel nach vorne komplett abzufallen. Er könnte der Typ Allrounder werden, den die Statik des deutschen Spiels so dringend benötigt.
Die Realität: So groß die Hoffnung ist, dass sich Eichhorn schneller als gedacht in diese strategische Rolle hineinentwickelt – als verlässliche Säule für den aktuellen Zwei-Jahres-Plan kommt er schlicht noch zu früh. Ihn jetzt schon mit der Verantwortung des Balance-Halters zu überladen, wäre riskant. Man sollte seine Entwicklung zwar intensiv fördern, aber beim anstehenden Umbruch keinesfalls fest auf dieses Szenario spekulieren. Er bleibt vorerst ein Versprechen für die mittelfristige Zukunft.
Wenn man auf RA einen Abschlussspieler parkt, der die Breite hält, steigen die Anforderungen an das Zentrum. Weder die spielmachenden Mittelstürmer noch Jamal Musiala (selbst wenn er zu alter Form zurückfindet) sind Akteure, die permanent die Tiefe im Strafraum attackieren.

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Da verlässliche Knipser vom Format eines Dzenan Pejcinovic oder des umworbenen Nicolò Tresoldi (bei dem zudem die Verbandszukunft Richtung Italien/Argentinien offen ist) eher mittelfristige Optionen sind, muss die Box kurzfristig über ein flexibles Duo besetzt werden.
Realistisch läuft es auf eine Rotation aus zwei der folgenden drei Spielertypen hinaus:
Diese müssen im fließenden Wechsel die Zehner-Position besetzen und als Zielspieler in vorderster Front agieren. Sollte dieses asymmetrische System (links überladen, rechts isolieren) nicht greifen, droht ein schmerzhafter Kompromiss.

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Man müsste womöglich auf die individuelle Qualität eines Musiala verzichten. Dies wäre nötig, um mit einem echten Breitengeber auf rechts wie Lennart Karl mehr Symmetrie und eine klassische Strafraumbesetzung zu erzwingen.
Der DFB hat in den kommenden zwei Jahren kein Qualitätsproblem, sondern ein Kompatibilitätsproblem. Ein fester Kern um Schlotterbeck, Tah, Brown, Nmecha und Wirtz muss zügig zueinander finden. Die Kunst des neuen Trainerteams wird darin liegen, die Profile im Angriff so auszubalancieren, dass sich Kreativität, Breite und Tiefenläufe nicht gegenseitig blockieren. Dies gilt erst recht, wenn von der Rechtsverteidiger-Position defensivbedingt kaum offensive Unterstützung zu erwarten ist.







































