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·10. Juni 2026

Zurück der 3. Liga: Würzburg will endlich das Mittelmaß lernen

Artikelbild:Zurück der 3. Liga: Würzburg will endlich das Mittelmaß lernen

Profiteure und Opfer des eigenen Erfolgs: Die Würzburger Kickers haben ein ziemlich turbulentes Jahrzehnt hinter sich. Nun sind sie – unter anderem dank eines Meister-Verzichts – unverhofft zurück in der 3. Liga. Eine Spielklasse, in der der FWK bis dato kein Mittelmaß kannte. Und doch genau dies anstrebt, um endlich einmal geordnet wachsen zu können.

Aufstiegsmodus und ein mutiger Griff spielen in die Karten

Vier Jahre haben die Würzburger Kickers für die Drittliga-Rückkehr gebraucht. Erreicht wurde das große Ziel zu einem eigentlich äußerst ungünstigen Zeitpunkt: 2024/25 hatte der FWK nur 57 Punkte geholt, vier davon wurden aufgrund von Fan-Verstößen im Derby in Schweinfurt anschließend noch abgezogen. Das waren 25 Zähler weniger als im Jahr zuvor, als man unglücklich in den Aufstiegsspielen an Hannover 96 II gescheitert war. Doch unter dem gebürtigen Würzburger Marc Reitmaier, der am 1. Juli 2025 den Trainerposten übernommen hatte, entwickelte auch die Mannschaft wieder die Basistugenden, auf denen jeder Erfolg fußt.


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Doch im März dieses Jahres entschieden sich die Verantwortlichen um Sportdirektor Sebastian Neumann zu einem sehr ungewöhnlichen Schritt: Sie entließen Reitmaier trotz eines Zwei-Punkte-Schnitts, trotz eines 1:0-Auswärtssiegs wenige Tage zuvor. "Neue Impulse setzen", so hieß es damals, und ein offenes Geheimnis war, dass die offensiven Darbietungen den Chefs zu mau waren. Mit Michael Schiele, unter dem Würzburg einst in die 2. Liga aufgestiegen war, stand zudem die wohl perfekte Option parat – und sie lieferte:

Schiele holte 29 von 33 möglichen Punkten, gewann das Bayernpokal-Finale gegen (Ex-)Drittligist 1860 München und beide Aufstiegsspiele. Ja, die Würzburger Kickers hatten mit dem Aufstiegs-Verzicht von Meister Nürnberg II Glück. Doch die Form des Frühsommers war absolut aufstiegswürdig. Was übrigens auch Ex-Trainer Reitmaier, welch bemerkenswerte Geste, gegen Lok Leipzig auf den VIP-Tribünen feierte.

Neuer Geldgeber, aber kein Investor

Seit 2017 stand das Unternehmen "flyeralarm" an der Spitze der Würzburger Sponsorenlandschaft und war überdies mit 49 Prozent an der ausgegliederten Aktiengesellschaft der Profifußball-Sparte beteiligt. Eine Zusammenarbeit, die lange für Erfolg stand, arbeiteten sich die Rothosen nach zwei 5. Plätzen (2017/18 und 2018/19) im Folgejahr endlich zurück in die 2. Bundesliga. Doch im von der Corona-Pandemie geprägten Sportjahr sorgte allen voran Felix Magath als "Head of Global Soccer" des unterfränkischen Mittelständlers für Schlagzeilen. Wirre Bundesliga-Phantasien vermischte der ehemalige Erfolgstrainer mit vielen umstrittenen Personalentscheidungen: Erfolgscoach Schiele musste kurz nach dem Saisonstart gehen, Nachfolger Marco Antwerpen durfte keine sechs Wochen den Umbruch einleiten.

Heute ist Schiele als Trainer zurück, doch "flyeralarm" schon seit Ende 2022 Geschichte. Zum Glück für die Würzburger Kickers fand sich damals schnell ein Käufer: Aus Thorsten Fischers Onlinedruckerei wurden Dominik Möhler und "Akon" – kein amerikanischer Rapper, sondern ein Anbieter von Gesundheitsreisen. Möhler gilt als stiller, zurückhaltender Vertreter seiner Zunft, was für einen Fußballverein grundsätzlich ein eher gutes Zeichen ist. Mit "Akon" wurde damals zunächst die Insolvenz abgewendet und in der Folge eine solide Basis gelegt.

"Ich sehe mich als Förderer. Ich mache das für die Kickers, die Region und weil ich den Fußball mag“, sagte Möhler in einem seiner wenigen Interviews kürzlich gegenüber der "Main-Post". Entsprechend rücken als kurzfristige Ziele weder Etat-Erhöhungen nach dem Gießkannenprinzip noch große Versprechungen in den Fokus, vielmehr soll das Umfeld Stück für Stück aufgewertet werden. Etwa mithilfe eines neuen profitauglichen Trainingszentrums, das im Stadtgebiet bis dato fehlt.

Wird der Dallenberg wieder voll?

Vom neuen Miteigentümer beeinflusst ist auch das Stadion am Dallenberg, das seit 2023 offiziell auf den Namen "AKON-Arena" hört. Weniger verändert hat sich in den vier Jahren Drittliga-Abstinenz die Bausubstanz der 1967 eröffneten Spielstätte: Mag es mancher als charmante Adresse fernab der modernen Einheitsbauten bezeichnen, so wird anderer Komfort und stimmungsfördernde Elemente – sprich Dächer – vermissen. Gut 10.000 der insgesamt 13.000 Plätze im Rund sind nicht überdacht, die aktive Fanszene findet sich am Rande der mit Dach versehenen Haupttribüne.

Sicherlich eine Besonderheit ist die große Stehplatz-Gegentribüne, die aber in den vergangenen Jahren eher verwaist war: Nach dem Abstieg in die Regionalliga Bayern pendelte sich der Besucherzuspruch relativ unabhängig vom sportlichen Erfolg bei 2.000 bis 2.500 Fans ein. Zielmarke für die neue Saison dürften die Werte der Jahre 2017 bis 2020 sein, wo der FWK im Drittliga-Alltag zuverlässige 5.500 Besucher pro Partie besuchen durfte. Mit dem Zwangsabstieg von 1860 München fehlt allerdings ein bayrisches Zugpferd, das für ausverkaufte Ränge garantiert hätte. Und auch das Derby mit Schweinfurt 05 wurde aufgrund des Schnüdel-Abstiegs verpasst.

Einfach mal eine ruhige Drittliga-Saison spielen

Wie wird sie nun verlaufen, die Rückkehr in die 3. Liga? Zunächst einmal werden die Fans der Würzburger Kickers froh sein, dass als ihr bis heute letztes Spiel im deutschen Profifußball bald nicht mehr ein 0:7 beim FSV Zwickau in den Geschichtsbüchern stehen wird. Im nächsten Schritt benötigen Klub und Umfeld aber jede Menge Realitätssinn, denn nach vier Jahren in der Regionalliga und einer Fast-Insolvenz sind Luftschlösser – etwa ein erneuter Durchmarsch in die Zweitklassigkeit wie zwischen 2014 und 2016 – verboten.

Viel zu viele mahnende Beispiele aus dem regionalen Umfeld haben sich angesammelt. Rivale Schweinfurt scheiterte mit dem Versuch, eine Einheit lokaler Fußballer auf Drittliga-Niveau zu hieven, und das kläglich. Auch die SpVgg Bayreuth holte sich zwei Spielzeiten zuvor nicht mehr als eine blutige Nase, und zwischendrin stieß auch die SpVgg Unterhaching an ihre wirtschaftlichen Grenzen. Den Würzburger Kickers darf eine bessere Überlebenschance im harten Drittliga-Zirkus eingeräumt werden, erst recht nach der Nachricht, dass wohl der kleine TSV Havelse den Startplatz vom großen TSV 1860 einnehmen wird. Einfach mal eine ruhige Saison in der 3. Liga spielen wird zur Devise. Wie realistisch das am Dallenberg ist, darauf werden die Transfer-Aktivitäten der kommenden Wochen erste Hinweise geben.

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