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Philipp Overhoff·6. April 2026
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Philipp Overhoff·6. April 2026
Der Kontrast könnte kaum größer sein. Erst vor wenigen Tagen verpasste die italienische Nationalmannschaft nach einer Niederlage im Elfmeterschießen gegen Bosnien und Herzegowina zum dritten Mal in Folge die WM-Teilnahme. Es ist zweifelsohne ein historischer Tiefpunkt, der die strukturellen Probleme des Landes gnadenlos offenlegt. Dazu zählen nicht zuletzt die schwache Nachwuchsarbeit, wenig bis kein Vertrauen in junge Spieler und eine Liga, die ihrem Ruf als "Rentnerliga" nur schwer entkommen kann.
Und dann ist da Como. Am wunderschönen Comer See ist unter Trainer Cesc Fabregas ein hochinteressantes Fußballprojekt entstanden. Mit einem mutigem und offensiven Stil ("Ich liebe es, anzugreifen und ich liebe es, den Ball zu haben") hat der Spanier aus einem einstigen Zweit- oder auch Drittliga-Klub einen Champions-League-Anwärter geformt. Aktuell ist man Vierter und hat drei Punkte Vorsprung auf den früheren Serienmeister Juventus.
Zur weniger romantischen Wahrheit gehört: Möglich gemacht wurde dieser rasante Aufstieg vor allem durch massive Investitionen. Seit dem Einstieg der indonesischen Hartono-Brüder ist Como finanziell bestens aufgestellt, allein in dieser Saison flossen rund 127 Millionen Euro in neue Spieler. Namen wie Álvaro Morata oder Top-Talent Nico Paz stehen sinnbildlich für diese Qualität.

Doch genau hier beginnt das eigentliche Problem – zumindest aus italienischer Sicht. Denn während Como sportlich begeistert, ist der Einfluss einheimischer Spieler quasi nicht existent. Gerade einmal zwei Italiener stehen überhaupt im Kader, ihre Einsatzzeit ist mit insgesamt 14 Minuten verschwindend gering. Stattdessen setzt Fabregas auf einen internationalen Mix, auffällig viele ältere Spieler inklusive.
Eine bittere Erkenntnis lautet also: Der vielleicht aufregendste Klub dieser Serie-A-Saison hat mit der Entwicklung italienischer Spieler – und damit indirekt auch der italienischen Nationalmannschaft – also rein gar nichts zu tun.
📸 Marco Luzzani - 2026 Getty Images
Dabei verkörpert Como genau das, was dem italienischen Fußball fehlt. Die Mannschaft spielt mutig, facettenreich und besitzt eine klare offensive Spielidee. Fabregas orientiert sich dabei an Trainern wie Arsène Wenger, den er als "zweiten Vater" bezeichnet, und setzt konsequent auf moderne Prinzipen wie Raumspiel und schnelles Umschalten. "Ich habe viel von ihm gelernt und möchte, dass mein Team das auch umsetzt", erklärt der Welt- und Europameister.
Doch während ein international zusammengekaufter Klub die Liga aufmischt, bleibt die eigene Talentförderung auf der Strecke. Länder wie England, Spanien oder Frankreich bringen Jahr für Jahr massenhaft Top-Spieler heraus. Italien dagegen schaut nur zu – nicht zuletzt bei der anstehenden WM.
Ironischerweise ist Como also Hoffnungsträger und Mahnung zugleich. Der Erfolg des lombardischen Klubs zeigt, was mit einem klaren Plan, dem richtig eingesetzten Geld und jeder Menge Mut möglich ist. Doch er legt auch schonungslos offen, warum die einst gefürchtete Squadra Azzurra aktuell den Anschluss verloren hat.
📸 Marco Luzzani - 2026 Getty Images









































