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·27 March 2026
4:3! Wirtz Weltklasse, Schlotterbeck patzt doppelt – die DFB-Elf in der Einzelkritik

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·27 March 2026

Am Freitagabend bestritt die deutsche Nationalmannschaft zur Vorbereitung für die anstehende Weltmeisterschaft in Nordamerika in Basel ein Testspiel gegen die Schweiz. In einer sehr unterhaltsamen Partie konnte sich die DFB-Auswahl am Ende zwar knapp, aber unterm Strich verdient mit 4:3 durchsetzen. Wie gut sich dabei die einzelnen Spieler präsentierten und vor allem, wer sich für ein WM-Ticket empfahl, wer hingegen aber nicht, das erfahrt ihr in unserer Einzelkritik.
Oliver Baumann: Über die gesamten 90 Minuten schoss die Schweiz nur viermal aufs Tor, dreimal schlug der Ball ins Netz ein, einmal knallte das Leder an den Querbalken – bei all diesen Aktionen war Oliver Baumann schuld- und machtlos, dennoch war dies für ihn persönlich natürlich ein bitterer Abend, da er sich nicht einmal auszeichnen konnte. Lediglich beim herauskommen und beim aktiven Mitspielen durfte sich der Hoffenheimer zeigen, hatte aber keine herausragenden Szenen. (Note: 3,5)
David Raum: Auf links sehr fleißig, lief der Leipziger die gesamte Außenbahn immer wieder hoch und runter, bot sich immer wieder an und versuchte, bei Gelegenheit die Kugel in den gegnerischen Strafraum zu bringen, wo er aber nur selten einen Mitspieler fand. In den Zweikämpfen machte Raum seine Sache meistens gut, blieb robust, war aber das eine oder andere Mal nicht ganz wach. (Note: 2,5)
Jonathan Tah: Beim 1:1 der deutschen Mannschaft schlich sich der Münchner trotz seiner Größe im Rücken der gegnerischen Abwehr weg und erzielte per Kopf seinen ersten Länderspieltreffer, war dafür beim 1:2 durch Breel Embolo nicht ganz schuldlos, als er den ehemaligen Gladbacher sich trotz guter Positionierung losreißen und einschädeln ließ. Abseits von diesen Szenen machte Tah eine unaufgeregte Partie, bei der er zwar eine gute Präsenz ausstrahlte, sobald es aber mal schnell wurde, so seine Probleme hatte. (Note: 3)
Nico Schlotterbeck: Die ersten 55 Minuten im Spiel hatte der Dortmunder einen rabenschwarzen Abend, an dem ihm praktisch nichts gelingen wollte. Gleich zweimal verlor Schlotterbeck im Spielaufbau ohne Not den Ball, woraus jeweils ein Gegentor resultierte. Nach etwa zehn Minuten in der zweiten Hälfte wurde die Leistungen des 26-Jährigen deutlich stabiler, seine Pässe kamen an und in den Zweikämpfen war er präsent. (Note: 4,5)
Joshua Kimmich: In der ersten Halbzeit hatte die deutsche Mannschaft große Probleme, sobald man den Ball verlor und Kimmich weiter vorne oder im Zentrum war, da sich so an seiner Stammposition dem Gegner Räume boten, was auch zum 0:1 führte. Hiernach allerdings, vor allem dann in der zweiten Hälfte spielte der Münchner deutlich defensiver und machte seine Sache dann richtig gut, indem er sich in alle Zweikämpfe warf, die meisten davon gewann, und durch seinen Einsatz voranging. (Note: 2,5)
Leon Goretzka: Über lange Strecken der Partie eigentlich nicht zu sehen, hatte der Bayern-Profi allerdings wiederholt seine Szenen, wenn er in den Strafraum mit einrückte und dort den Abschluss suchte, dabei allerdings stets die nötige Entschlossenheit und Präzision vermissen ließ. Beim zwischenzeitlichen 3:3 ließ Goretzka Joël Monteiro gewähren, der so einfach mal abziehen und ein wunderschönes Tor aus der zweiten Reihe erzielen konnte. Direkt nach dieser Aktion wurde Goretzka dann in der 80. Spielminute für Anton Stach ausgewechselt. (Note: 4)
Angelo Stiller: Als Nachrücker überhaupt erst für die Nationalmannschaft berufen, konnte der Stuttgarter seinen Startelfeinsatz nur bedingt rechtfertigen, da er sehr zögerlich auftrat. Beim 0:1 durch Dan Ndoye in der 17. Spielminute ging Stiller nicht wirklich drauf, was dem Schweizer genug Zeit gab, den Ball auf den anderen Fuß zu legen und satt abzuschließen. Mit dem Ball am Fuß hatte Angelo Stiller hier und da dann einige ganz gute Ideen, aus denen dann aber meist nichts gemacht wurde. Nach 79 gespielten Minuten war für den 24-Jährigen dann Schluss und für ihn kam Pascal Groß in die Partie. (Note: 3)
Serge Gnabry: Praktisch überall auf dem Platz zu finden, zeichnete sich der Offensivspieler des FC Bayern vor allem durch seine Unberechenbarkeit aus, als er beispielsweise beim 2:2 kurz vor der Pause, plötzlich vorm gegnerischen Strafraum auftauchte und den Traumpass von Wirtz zu veredeln wusste. Vorm zwischenzeitlichen 3:2 machte Gnabry von der Eckfahne aus das Spiel schnell, wodurch die Schweizer noch nicht ganz geordnet waren, was Florian Wirtz die Gelegenheit gab, einen unfassbaren Treffer aus der Distanz aus dem Fußgelenk zu schütteln. Bis zum Schluss blieb Gnabry ein umtriebiger Aktivposten und belebte so das Offensivspiel der deutschen Mannschaft. (Note: 1,5)
Florian Wirtz: Es war wahrscheinlich der beste Auftritt des Liverpoolers im DFB-Dress; mit zwei Toren und zwei Assists – alle wunderschön anzusehen – war Florian Wirtz nicht nur an allen Toren der Deutschen direkt beteiligt, auch abseits davon war der 22-Jährige ein stetiger Aktivposten, hatte tolle Ideen im Passspiel, war auf dem Platz praktisch überall zu finden und versprühte Spielfreude. Beim 1:1 durch Jonathan Tah brachte er infolge einer Eckballvariante eine schöne Halbfeldflanke auf den zweiten Pfosten, beim 2:2 durch Serge Gnabry behielt Wirtz den Überblick und spielten einen wunderbaren langen Ball in die Spitze. Beim 3:2 der Deutschen ließ sich Wirtz nach einer Ecke von Gnabry freispielen, sah, dass Gregor Kobel etwas zu weit vorm Tor stand und legte den Ball aus knapp 25 Metern Torentfernung perfekt unter die Latte. Es war vielleicht das schönste Tor seiner (Nationalmannschafts-)Karriere. Der 4:3-Siegtreffer war ebenfalls traumhaft schön, als er von Pascal Groß am Strafraumrand angespielt wurde, den Ball in einer flüssigen Bewegung erst annahm und dann aus dem Stand in den Winkel schlug. (Note: 1+)
Leroy Sané: Der Galatasaray-Profi hatte wieder einen seiner sehr unauffälligen Tage im Deutschlandtrikot, indem er nur wenig belebende Elemente ins deutsche Offensivspiel brachte und oftmals nur hinterhertrabte. Gegen den Ball jedoch zeigte Sané durchaus hier und da eine bemerkenswerte Giftigkeit und versuchte so die quirligen Schweizer zu stören. In der 63. Spielminute wurde der Flügelstürmer dann für den Debütanten Lennart Karl ausgewechselt. (Note: 3,5)
Kai Havertz: In seinem ersten Länderspiel seit knapp eineinhalb Jahren zeigte der Arsenal-Spieler, welche Qualitäten er mitbringen kann, hatte aber auf der anderen Seite wieder eines seiner "typischen Havertz-Spiele", in denen er zwar sehr für seine fleißige Arbeit, seine klugen Bewegungen – vor allem abseits des Balls – und seine Fähigkeiten im Kombinationsspiel gelobt werden dürfte, im Abschluss aber einfach nicht die Kaltschnäuzigkeit zeigen konnte, die man sich von ihm wünscht. Dennoch war der Rückkehrer vor allem in der ersten Halbzeit einer der auffälligsten Deutschen und zeigte speziell mit Florian Wirtz und Serge Gnabry eine gute Chemie. Nach 62 gespielten Minuten hatte Havertz dann Feierabend und wurde für Nick Woltemade ausgewechselt. (Note: 2,5)
Lennart Karl (ab Spielminute 63): Der 18-Jährige durfte sein Debüt für die deutsche A-Nationalmannschaft feiern und war sogleich ein belebendes Element. Auf seiner rechten Seite ging der Münchner immer wieder ins Dribbling, leitete Kombinationen ein und versuchte wiederholt seine Mitspieler im Zentrum einzusetzen. Eine solche Aktion führte letztlich über Umwege zum 4:3-Siegtreffer. Insgesamt dürfte sich Karl mit seiner vielversprechenden Leistung beim Bundestrainer für ein WM-Ticket empfohlen haben. (Note: 2)
Nick Woltemade (ab Spielminute 63): Der lange Mittelstürmer, der im Verein bei Newcastle gerade eine sportlich schwere Zeit erlebt, hatte nur wenige gute Aktionen, die er an diesem Abend zeigen konnte. Nur einmal versprühte der fast zwei Meter große Angreifer per Kopf ein wenig Gefahr, hatte ansonsten im gegnerischen Strafraum aber keine wirklichen Momente. Wenn sich der ehemalige Bundesliga-Profi aber mal fallen ließ und ins Kombinationsspiel ging, konnte man sehen, was für ein vielfältiges Profil ein Woltemade mit sich bringt. (Note: 3,5)
Pascal Groß (ab Spielminute 80): Der ehemalige Dortmunder hatte zwar nur wenige Minuten, um Einfluss aufs Spiel zu nehmen, nutzte diese Zeit aber, indem er sehr überlegte Bälle spielte und Übersicht bewies. So bereitete Groß auch den Siegtreffer durch Florian Wirtz vor. (Note: 2)
Anton Stach (ab Spielminute 80): Der Mann von Leeds United hatte ebenfalls nur wenig Zeit, sich für ein WM-Ticket zu empfehlen, war aber weniger am Aufbauspiel der Deutschen beteiligt als Groß. Dennoch war es das hartnäckige Nachsetzen und der Ballgewinn des 27-Jährigen, der letztlich zum 4:3-Siegtreffer führte. (Note: 2,5)
Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images









































