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·12 March 2026

Als vor Saarbrücken der Captain von Bord ging

Article image:Als vor Saarbrücken der Captain von Bord ging

Unser Titelbild diese Woche spiegelt nicht nur das anstrengende Spiel gegen Osnabrück wider, nein, es zeigt vermutlich auch unseren aktuellen Gemütszustand. Nach einem Spiel, in dem man gegen eine klar bessere Mannschaft ordentlich mithalten konnte, hatte man eigentlich gehofft, sich in Ruhe auf den nächsten Gegner vorzubereiten. Doch dann kam der Knall: Michael Wimmer ist weg. Auf eigenen Wunsch. Was sollen wir davon halten? Haben wir Favoriten? Tom, Flo und Joshi lassen euch an ihren Gedanken teilhaben.

Der Blick auf das Sportliche

Um die sehr anstrengende englische Woche – an dieser Stelle nochmal größten Respekt an alle Auswärtsfahrer – abzuschließen, baten wir den VfL Osnabrück von Timo Schultz zum Tanz. Dass wir diesen Tanz führen sollten, dachte keiner und so richtig taten wir das am Ende auch nicht. Leider finde ich gerade keine Statistiken, aber so eindeutig, wie ein 0:2 eben wirkt, war das Spiel nicht.


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Man sah durchaus einen engagierten Auftritt unserer Mannen in Weiß und Rot. Man sah ein System und eine Spielidee. Leider war es, wie so oft in dieser Saison, dass genau das eine Mittel des Gegners, wofür er bekannt ist, zum Torerfolg führte. Michael Wimmer warnte im Jahntalk vor der Partie vor langen Bällen und dem Lauf in die Tiefe. Passieren sollte es genau so. Vorne war kein Durchkommen. Unsere Offensivreihe war stets bemüht, wobei man das ohne Beiklang verstehen darf. Sie waren es wirklich. Aber wer noch nie Beton im Sinne des Fußballs gesehen hatte, durfte bei diesem Spiel nun davon Zeuge werden. Osnabrück hat wirklich alles verteidigt, was es gab.So kann man alles in allem mit einer zufriedenen Ausbeute gen Saarbrücken in den Ludwigspark reisen. Dass man gegen Osnabrück leer ausgeht, war auch etwas erwartbar. Aber die zwei nun kommenden Spiele sind immens wichtig. Sie könnten durchaus entscheiden, ob man in dieser Saison nochmal Gefahr läuft, gen Regionalliga zu taumeln.Taumeln ist vermutlich die passende Bezeichnung für den FCS. In den letzten Jahren so gut und so oft knapp gescheitert, gab es seit längerer Zeit Unruhe. Und vor Kurzem einen Kahlschlag mit neuem Trainer und Sportchef. Giannikis heißt der neue Mann an der Seitenlinie. Vorher bei 1859+1 aktiv. Seit seinem Antritt: 2 Siege, 1 Niederlage und zwei Unentschieden. Gerade gegen Schweinfurt und Ulm. So richtig aufatmen kann man nicht, aber man kann durchaus etwas Stabilität erkennen. Da wir ja aktuell selbst von Unruhe geplagt sind, wird es eine gute Frage sein, wie man gegen diesen Gegner auftritt. Klar ist: Der Anspruch muss der Sieg sein. Wir sind Absteiger, wir haben Qualität, auch wenn uns Osnabrück sicherlich gezeigt hat, wo unser Maximum liegt.

Es bleibt abzuwarten, was passieren wird.

Der Fall Wimmer

Es war Dienstag und Joshi schrieb nur: “?????”Und natürlich fragten wir uns: Was ist los? Daraufhin sagte er nur: Wimmer. Und nach kurzem Nachsehen war es auch schon da:

Unser Cheftrainer wechselt. Jetzt, mittendrin in der Saison, nachdem er am Samstag noch von Saarbrücken sprach. WTF? Was ist denn da passiert? Ich versuche in diesem Teil, das Ganze mal nüchtern einzuordnen.

Vor 2–3 Wochen wurde Tim Walter Cheftrainer in Kiel. Tim Walter, der ehemalige HSV- und jetzt wieder Störche-Coach, wollte unbedingt Michael Wimmer als Co-Trainer, da er ihn sehr schätzt und ihn von der gemeinsamen Zeit in Bad Cannstatt kennt. Wimmer sei, laut Aussagen des SSV Jahn Regensburg, in der Rückrunde wiederholt auf die Verantwortlichen zugekommen mit der Bitte, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Laut Interview mit der Mittelbayerischen war die Mannschaft um Christian Kühlwetter sehr überrascht, Michael Wimmer war sehr emotional.

Bei vielen stellt sich nun natürlich die Frage: Warum genau wird man Co-Trainer, wenn man Cheftrainer ist? Wieso geht man heimatfern, wenn man eigentlich zurückwollte?Wenn man bei dem Ganzen eine Summe bildet, fühlte sich Wimmer bei uns nicht mehr durch die sportliche Führung ausreichend rückgedeckt und wollte sich daraufhin vorab verändern. Ob es einen größeren Zwist oder Ähnliches gab, ist nicht bekannt. Sicherlich gibt es auch fachliche Gründe (2. Liga, mehr Geld, andere Bedingungen, andere Mannschaft u. v. m.), aber am Ende wird Wimmer sich frühzeitig neu aufgestellt haben wollen und ergriff die Chance mit Walter. Der SSV Jahn wird erstmal auf Raychouni setzen und sucht einen neuen Chefcoach.

Alles in allem: Danke, Michi, für deine Arbeit.

Unsere persönlichen Meinungen

Tom

Hätte man mich vor der Saison gefragt, wäre ich unentschlossen gewesen, ob ich das Abenteuer mit Michael Wimmer hätte starten wollen. Er wirkte nett und fachlich visiert.Der Umstieg von Enochs/Patz zu Wimmer war nicht ohne. Während Enochs und auch Patz charakterlich wirklich top waren, war das Michi auch, aber anders. Enochs und Patz waren nahbarer und bei Michi hatte man ein bisschen das Gefühl, dass er schon eher in der Fußballbubble ist.Im Nachhinein war ich etwas müde von dem Wort intensiv. Ich verstehe seine Ansicht, seinen Ansatz und seine Idee, aber intensiv und das immer wieder erschien mir nicht als die Lösung. Auch konnte ich seine Analysen nur bedingt nachvollziehen. Das Spiel gegen Essen z. B. war in meinen Augen sicherlich nicht so, wie er es sah, und auch danach war für mich noch nicht alles gut. Und nur der Sieg gegen Wiesbaden zeigte für mich trotz der Probleme, die unsere Mannschaft immer noch hat, keine dauerhafte Verbesserung.Dennoch möchte ich ihm nicht absprechen, dass er ein visierter Fachmann ist, der seinen Weg geht. Dass er, trotz der Vorzeichen, nun so seinen Hut nimmt, hat einen komischen Beigeschmack.Am Ende möchte ich aber dennoch sagen das Wimmer stets respektvoll war und er auch durchaus eine angenehme Art hatte. Es war nicht alles schwarz. Leider kann ich mit ihm nun doch nicht auf Spanisch eine PK führen (wir haben beide den selben Duolingo Score).S

Joshi

Als am Dienstagmorgen in meiner ersten Raucherpause meine Smartwatch vibrierte, hätte ich fast mein Iqos verschluckt. Michael ‚der Heimatnahe‘ Wimmer wechselt ans andere Ende Deutschlands, um Co-Trainer seines Ex-Kollegen Tim Walter zu werden, und schließt sich somit Holstein Kiel an. Die haben immerhin mal die Bayern geschlagen. Viel mehr unterscheidet uns dann aber auch nicht; der ehemalige Bundesligist steht derzeit auf einem direkten Abstiegsplatz in Liga 2.

Sportlich ist dieser Wechsel also kaum nachzuvollziehen, auch die Portokasse der Kieler dürfte einen Umzug quer durch Deutschland nicht zwingend rechtfertigen. Am meisten enttäuscht aber der Zeitpunkt. Natürlich sind wir aufgrund der aktuellen Tabellensituation und der fast schon ‚K.O.‘ wirkenden Abstiegskandidaten halbwegs sicher, aber zehn Spiele vor Schluss einen Verein zu verlassen, dem man sportlich absolut nichts an die Hand gegeben hat, zeugt entweder von Charakterschwäche oder im Verein muss es ordentlich geknallt haben.

An der Mannschaft, die wohl auch erst kurz vor der offiziellen Mitteilung von Herrn Zwarts – äh, Wimmer (die Heimatgeschichten ähneln sich aber auch einfach) – informiert wurde, wird es wohl nicht gelegen haben, denn diese war ebenfalls recht überrascht. Dass er sich der MZ gegenüber bisher nicht mal mit einem typischen Pressestatement äußert, trägt sein Übriges dazu bei. Ich durfte Herrn Wimmer ein paar Mal nach den Spielen in den Nachbesprechungen treffen; dort wirkte er immer recht distanziert und kühl. Gerade zu Beginn betete er die Phrasen förmlich herunter. An sich war er aber nie unsympathisch, weswegen ich auch persönlich enttäuscht von unserem Ex-Trainer bin. Dass er wohl schon mehrfach mit dem Wunsch auf die Führungsebene zugegangen ist, lässt mich den Eindruck gewinnen, dass er vielleicht ab einem gewissen Zeitpunkt auch nicht mehr zu 100% dabei war.

Rein sportlich wirkte er immer ambitioniert und hatte sicher eine Idee von dem Fußball, den er gern mit der Mannschaft spielen würde – auf dem Platz sah man diese jedoch äußerst selten. Eine sportlich wirklich sichtbare Veränderung vermisst man bis heute, die Mannschaft wusste sich allerdings stets durch Kampf und Willen zu beweisen. Dass das auf dem Papier aber trotzdem weitaus stärkere Team durchaus Verbesserungspotenzial hat, wussten wohl alle Beteiligten. Nachdem man aber den Sportchef geschasst hatte und Wimmer weiterhin eine Chance gab, änderte sich im großen und ganzen trotzdem nichts.

Man kann jetzt natürlich noch tagelang nach Gründen für diese Entscheidung suchen, am Ende ist sie aber trotzdem enttäuschend. Aber mal sehen, auch ich kann gut Phrasen dreschen: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue.

Flo

Vor nicht einmal zehn Monaten wurde Michael Wimmer als neuer Cheftrainer beim SSV Jahn vorgestellt. Und was wurden nicht alles für Vokabeln aufgefahren: Beim Jahn etwas aufbauen wollte Wimmer, er identifiziere sich mit der Herausforderung voll und ganz. Noch dazu kommt er aus Dingolfing, wollte nach seiner Station beim FC Motherwell in Schottland wieder näher bei seiner Familie sein.

Es schien alles zu passen. Der Beginn einer sportlich stabileren Periode sollte es sein beim Jahn nach zuletzt dramatischen Saisons, im positiven wie im negativen. Umso unverständlicher muten die aktuellen Geschehnisse an. Im März 2026 sind die warmen Worte vom vergangenen Mai schon wieder Geschichte. Wimmer will lieber Co-Trainer in Kiel sein, und das mutmaßlich schon seit Wochen. Der alte Freund Tim Walter ruft, mit dem er schon in Stuttgart zusammengearbeitet hatte.

Der Wunsch, sich verändern zu wollen, ist legitim. Und wir wissen alle, dass das Fußballgeschäft schnelllebig ist. Aber der Zeitpunkt und die Umstände erscheinen mindestens grenzwertig. Ist der Posten als Co bei einem Zweitligisten im Abstiegskampf so viel spannender als Drittliga-Cheftrainer in der Heimat? Der Schluss liegt nahe, dass in den letzten Monaten ein Entfremdungsprozess eingesetzt hat, der Wimmers anfängliche Begeisterung rasch hat erkalten lassen. So ähnlich wird es auch in Medienberichten kolportiert, freilich ohne Details zu nennen. Liegt es am Wechsel auf der Sportdirektorenposition mit Alexander Schmalhofer, die beim Jahn im November für eine Neuausrichtung sorgte? Uns vom Blog, die ja auch ab und an mal näher an Team und Trainer dran sind, wäre das nicht aufgefallen.

Der Abschied wirkt sprunghaft. Als Jahnfan kann man nicht nachvollziehen, warum man sein Team in einer zwar komfortablen, aber nicht gesicherten Tabellensituation im Stich lässt. Gemeinsam hatte man sich ja nach einem schwierigen Saisonbeginn stabilisiert und es waren Früchte der Arbeit Wimmers erkennbar. Die sind jetzt hoffentlich nicht für die Katz und Munier Raychouni, der einmal mehr in die Bresche springen muss, kann das Team stabilisieren. Wir im Süden werden indes gespannt beobachten, wie lange Wimmer im Norden bleiben wird.

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