Frühes-Tor.de
·3 August 2026
Ausverkauf verständlich – aber warum stärkt Hertha die Konkurrenz?

In partnership with
Yahoo sportsFrühes-Tor.de
·3 August 2026

Bild: Christof Koepsel/Getty Images
Hertha BSC muss seine Personalkosten senken und Transfererlöse erzielen. Dass dafür Leistungsträger und Talente gehen, ist nachvollziehbar
Weniger verständlich erscheint jedoch, dass ausgerechnet direkte Konkurrenten davon profitieren. Die schwierige finanzielle Situation lässt Hertha nur wenig Spielraum. Geschäftsführer Peter Görlich räumte zuletzt ein, dass der Verein über seine Verhältnisse gelebt habe und beim Kader bewusst Qualität verliere. Trotzdem sollte neben der Ablösesumme auch das Ziel eines Spielers eine Rolle spielen. Das prominenteste Beispiel ist Fabian Reese.
Der Kapitän wechselt dem Vernehmen nach für rund acht Millionen Euro zum VfL Wolfsburg. Die Ablösesumme hilft Hertha zweifellos, sportlich wiegt der Verlust dennoch schwer. Reese war nicht nur Führungsspieler, sondern einer der wichtigsten Unterschiedsspieler der Berliner.
Mit Wolfsburg erhält nun ein direkter Konkurrent um den Aufstieg einen Profi, der die 2. Bundesliga kennt und Spiele entscheiden kann. Hertha verliert damit doppelt: Der eigene Kader wird schwächer, während ein Rivale unmittelbar an Qualität gewinnt.
Auch der Wechsel von Yunus Ünal zu Hannover 96 ist zumindest diskussionswürdig. Der 18 Jahre alte Juniorennationalspieler verlässt Hertha ablösefrei und unterschreibt beim Ligakonkurrenten einen langfristigen Vertrag bis 2030.
Ünal ist als Schienenspieler flexibel einsetzbar und besitzt noch erhebliches Entwicklungspotenzial. Ob er Hannover sofort weiterhilft, bleibt abzuwarten. Dennoch verliert Hertha ein selbst ausgebildetes Talent ohne Ablöse an einen Verein, der ebenfalls Ambitionen in Richtung Bundesliga besitzt.
Etwas anders ist die Situation bei Lukas Michelbrink. Hertha verlängerte den Vertrag des Mittelfeldspielers bis 2029 und verlieh ihn anschließend für eine weitere Saison an Energie Cottbus. Aus Sicht der individuellen Entwicklung ist diese Entscheidung plausibel.
Michelbrink war in Cottbus bereits Stammspieler und gehörte zur Aufstiegsmannschaft. Gleichzeitig hilft er nun einem weiteren Zweitligakonkurrenten, während Hertha selbst an einer noch nicht vollständig ausbalancierten Kaderzusammenstellung arbeitet. Immerhin behalten die Berliner bei ihm langfristig die Kontrolle.
Dass Klubs bei Transfers auch die Auswirkungen auf die Konkurrenz berücksichtigen, zeigt Bayer Leverkusen. Nach dem Wechsel von Florian Wirtz zum FC Liverpool erklärte Geschäftsführer Fernando Carro offen, er sei froh darüber, dass der Nationalspieler nicht zum FC Bayern gegangen sei. Ein Wechsel nach München hätte den direkten Konkurrenten schließlich erheblich gestärkt.
Die Voraussetzungen sind natürlich nicht eins zu eins mit Hertha vergleichbar. Leverkusen verfügte bei Wirtz über eine wesentlich bessere Verhandlungsposition und der Spieler entschied sich selbst für Liverpool. Trotzdem verdeutlicht das Beispiel, dass bei einem Transfer nicht nur die Ablösesumme zählt.
Hertha kann sich seine Abnehmer angesichts der finanziellen Zwänge nicht immer aussuchen. Liegen vergleichbare Angebote vor, sollte ein Wechsel außerhalb der Liga jedoch Vorrang haben. Andernfalls lösen die Berliner zwar kurzfristig finanzielle Probleme, erschweren sich aber gleichzeitig die sportliche Rückkehr in die Bundesliga.







































