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·30 March 2026
Baumanns stille Macht: Warum 73,6 Prozent der Fans den Anti-Neuer als WM-Torwart wollen

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·30 March 2026

Laut Bundesliga-Barometer (6.145 Fans) lehnen 91,1 Prozent eine Neuer-Reaktivierung ab. Nagelsmann bestätigte Baumann als Nummer 1, Nübel als Nummer 2.
91,1 Prozent. So viele Fußballfans lehnen eine Reaktivierung von Manuel Neuer für die WM 2026 ab. Das Bundesliga-Barometer hat 6.145 Fans befragt, und das Ergebnis ist so eindeutig, dass man es als Volksabstimmung lesen kann: Die Neuer-Ära beim DFB ist vorbei. Endgültig. Ohne Wehmut.
Die spannendere Zahl steht eine Zeile tiefer: 73,6 Prozent sehen Oliver Baumann als aktuelle Nummer 1 im deutschen Tor. Das ist eine Dreiviertelmehrheit für einen Torhüter, den vor zwei Jahren kaum jemand auf dem Zettel hatte. Neuer kommt auf 7,8 Prozent, Marc-André ter Stegen auf 7,4 Prozent. Die beiden Giganten des deutschen Torwartspiels – praktisch gleichauf im einstelligen Bereich. Hinter einem Mann von der TSG Hoffenheim.
Man muss sich diese Karriere einmal vergegenwärtigen, um zu verstehen, warum Baumann der richtige Torwart für diese Mannschaft ist. Seit Oktober 2024 steht er im DFB-Tor, weil ter Stegen sich schwer verletzte und Neuer zurücktrat. Zehn Länderspiele, sieben Gegentore, acht Siege. Kein spektakulärer Fehlgriff, keine Aussetzer, kein Drama. Genau das ist seine Stärke.
Bundestrainer Nagelsmann hat vor dem Schweiz-Spiel gesagt: „Auf der Torhüterposition haben wir gar keine Bauchschmerzen." Das klingt unspektakulär. Aber in einer Mannschaft, deren Abwehr beim 4:3 gegen die Schweiz dreimal patzte, deren offensiver Glanz von Florian Wirtz abhängt und deren Mittelfeld ohne Pavlovic und Musiala improvisieren muss – in so einer Mannschaft ist ein Torwart ohne Bauchschmerzen Gold wert.
Baumann selbst formuliert das mit der Nüchternheit, die ihn auszeichnet. In der Süddeutschen Zeitung sagte er: „Wenn andere Teams bei der WM eine Gegneranalyse machen, werden sie feststellen, dass dieser Baumann kein ganz Schlechter ist." Das ist keine Angeberei. Das ist das Selbstbewusstsein eines 35-Jährigen, der weiß, dass er nicht der Lauteste sein muss, um der Zuverlässigste zu sein.
Noch aufschlussreicher ist die Frage nach dem WM-Kader im Tor. Die Fans wählen: Baumann (93,3 Prozent), Nübel (69,6 Prozent), Atubolu (40,2 Prozent). Ter Stegen kommt auf 29,1 Prozent – verständlich bei nur drei Pflichtspielen in dieser Saison nach der nächsten schweren Verletzung. Und Neuer? 10,2 Prozent. Weniger als Bernd Leno.
Nagelsmann hat diese Rangfolge am Sonntag auf der Pressekonferenz vor dem Ghana-Spiel bestätigt: Baumann Nummer 1, Nübel Nummer 2. Dass Nübel heute Abend in seinem Heimstadion Stuttgart spielen darf, sei „kein Casting, sondern eine Belohnung". Auch dieser Satz ist typisch für den Umgang, den Nagelsmann im Torwart-Team pflegt: keine öffentlichen Konkurrenzkämpfe, keine Hierarchie-Debatten, keine Unruhe. Das Gegenteil der Neuer-ter-Stegen-Dauerfehde, die den DFB über ein Jahrzehnt beschäftigte.
Es gibt einen Satz von Baumann, der alles sagt. Auf die ständigen Comeback-Forderungen für Neuer antwortete er einmal: „Dadurch, dass es von außen kommt, bleibt es für mich auch außen. Intern ist das ganz klar." Die Gelassenheit ist echt. Sie ist auch nötig – denn in einer Mannschaft, die von Wirtz, Musiala und Kimmich geprägt wird, braucht der Torwart kein Ego, das um Aufmerksamkeit konkurriert.
Manuel Neuer war der beste Torwart seiner Generation. Oliver Baumann wird nie in dieser Kategorie spielen. Aber er ist etwas, das Nagelsmann gerade dringender braucht als Genie im Tor: ein Ruhepol in einer Mannschaft, die vorne brilliert und hinten noch wackelt. Die Fans haben das verstanden. Jetzt muss nur noch die Medien-Dauerschleife aufhören, nach einem Comeback zu fragen, das niemand mehr will.









































