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·15 January 2026

Bewegende Kindheit & Vorbild Ronaldinho: Das ist Edna Imade

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Edna Imade sitzt entspannt auf einer Hantelbank, die Hände auf den Oberschenkeln, die Joggingschuhe fest im Boden verankert. Durch die Fenster des Fitnessstudios fällt das weiche Licht der spanischen Januarsonne, taucht den Raum in ein warmes Leuchten. Draußen, hinter Palmen und flimmernder Luft, liegt das Spielfeld. Drinnen herrscht konzentrierte Stille, nur durchbrochen vom leisen Klirren der Gewichte. Dann ihre ersten Worte. „Hallo, ich bin Edna“, sagt sie. Auf Deutsch. Mutig und entschlossen. Einen Moment später lacht sie laut, überrascht von sich selbst. Ein herzliches Lachen, das den Raum füllt. Die 25-Jährige besitzt eine Präsenz, die nicht drängt, sondern einlädt. Deutsch spricht sie bislang kaum, ein paar Brocken, ein paar Höflichkeitsfloskeln wie Danke und Bitte. Aber dieser Satz sitzt. Vier Worte, hinter denen sich ein ganzes Leben verbirgt.

📸 Die schönsten Bilder von Edna Imades ersten Einheiten mit den FCB-Frauen: 


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Servus Edna! Imades erste Einheiten mit den FCB-Frauen

Winter-Neuzugang Edna Imade ist in dieser Woche zu den FC Bayern Frauen gestoßen. Hier gibt es die ersten Eindrücke der spanischen Nationalspielerin aus dem Trainingslager in Spanien.

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Früher zurück, als geplant

Seit wenigen Tagen ist Edna Teil der FC Bayern Frauen. Ein halbes Jahr vor dem ursprünglichen Ende ihrer Leihe kehrt sie zurück zu ihrem neuen Verein, dorthin, wo sie im Sommer ihren Vertrag unterschrieben hatte. Noch am Wochenende zuvor hatte sie in Spanien ein weiteres Mal ihre Klasse gezeigt. Beim furiosen 5:5 ihres Leihvereins Real Sociedad San Sebastián gegen Atlético Madrid traf sie dreimal. Ein Abgang aus dem Baskenland nach Maß. „Drei Tore, und jetzt bin ich schon hier“, sagt sie und grinst. „Es ist ein großer Wechsel, ein neues Kapitel, wieder eine Veränderung. Die Mannschaft hat mich sehr herzlich aufgenommen. Ich freue mich auf die Zeit hier.“ Das Grinsen bleibt.

Für die Stürmerin beginnt nun ein neues Kapitel, eines, das sie auf die großen Bühnen der Bundesliga, des DFB-Pokals und der Champions League führen wird. Der Auftakt ihrer Reise findet jedoch nicht in München statt, sondern im Trainingslager im Süden Spaniens, unweit der Heimat ihrer Familie. Aufgewachsen ist Edna in Carmona, einer kleinen Stadt nordöstlich von Sevilla, idyllisch gelegen am Ufer des Río Guadalquivir. „Hier habe ich meine Kindheit verbracht“, erzählt sie. „Hier bin ich mit meiner Familie und meinen Freunden groß geworden. Und es ist auch der Ort, an dem meine Liebe für den Fußball ihren Anfang nahm.“

Die Entscheidung einer Mutter

Doch Ednas Geschichte beginnt nicht vollends hier, nicht mit dem Ball am Fuß. Sie nimmt ihren Anfang an einem Ort, an den sie sich wohl kaum erinnern kann und der doch alles bestimmt. Am 5. Oktober 2000 kommt sie zur Welt, gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder Paul. Auf der Flucht nach Spanien.

Ednas Mutter stammt aus Nigeria, lebte in Benin City. Eine Stadt, in der das Leben irgendwann zu eng wurde, die Zukunft zu schmal. Gewalt, Perspektivlosigkeit, Unsicherheit. Begriffe, die in der Distanz nüchtern wirken, bis sie zur eigenen Wirklichkeit werden. Ednas Mutter entscheidet sich. Sie geht. „Meine Mama wollte nach Spanien kommen, weil sie Zwillinge bekommen sollte und uns ein besseres Leben ermöglichen wollte.“ Es ist der Beginn einer Odyssee, einer Flucht durch die Sahara, durch Hitze, Sand, Erschöpfung. Wer diese Wüste durchquert, lässt vieles zurück: Zeit, Kraft. Ednas Mutter geht diesen Weg. 

„Nach der Geburt, als wir drei oder vier Monate alt waren – wir sind in Marokko geboren – sind wir nach Spanien.“ Doch zunächst folgte noch das Meer, diese trügerische Grenze zwischen Hoffnung und Verlust. Die Überfahrt geschieht in einer Patera, einem Holzboot. Kurz vor der spanischen Küste geschieht das beinah Unvorstellbare: Eine Welle, ein Ruck, der kleine Körper ihres Bruders Paul gleitet plötzlich ins Wasser. Schreie. Panik. Ein Mann springt hinterher, zieht ihn zurück ins Boot. Edna ist ein Säugling, sie hat keine eigenen Bilder davon. Doch sie trägt diese Geschichte in sich, wie etwas Vererbtes, das in jeder Geste, in jedem Blick mitschwingt. Auch heute, 25 Jahre später.

Schutz hinter Klostermauern

Algeciras im Süden Spaniens. Ankunft im Hafen. Ein Kloster wird zur Zuflucht und zum Neubeginn. Hilfe, die nicht fragt, woher man kommt, sondern was man braucht. Im Kloster finden ihre Mutter, ihr Bruder und Edna zu Beginn Unterschlupf. „Wir haben Hilfe von der Kirche und vielen Organisationen erhalten. Ich bin sehr dankbar, denn vom ersten Moment an wurden wir herzlich aufgenommen. Dank all dieser Menschen bin ich heute hier, bin ich der Mensch, der ich bin“, sagt sie.

Der Ball als Zuhause

In der Folge geht es weiter nach Sevilla, dann nach Carmona, ihrer Heimatstadt. Dort beginnt, so, wie sie selbst sagt, ihre Kindheit, aus Überleben wurde Alltag. Edna wächst in Spanien auf, lernt die Sprache, lebt und fühlt die Mentalität des Landes. Mit sechs Jahren entdeckt sie den Fußball. In der Schule, mit den Jungs. „Der Sportlehrer sagte zu meiner Mutter, ich sei nicht allzu schlecht und solle es im Verein versuchen. So fing ich an. Meine Mama hätte mich lieber tanzen sehen, aber Fußball hat mir von Anfang an gefallen.“ Sie blieb beim runden Leder. Und fand darin ihr Zuhause. 

Der Weg nach oben

Edna wächst in Jungenmannschaften auf. Sie lernt früh, sich durchzusetzen. Mit dem Körper, mit dem Kopf, mit Entschlossenheit. Schon im Kindesalter entdeckt sie den Hallenfußball: enge Räume, schnelle Entscheidungen, Technik unter Hochdruck. „Damals habe ich viel gelernt, sei es die die Technik, die Finten“, sagt die 25-Jährige heute. Nach ihren Vorbildern gefragt, muss sie nicht lange überlegen. „Seit ich klein war, haben mir Messi und Ronaldinho immer sehr gefallen“, erzählt sie. „Man hat mir immer gesagt, ich sei ein bisschen wie Ronaldinho, weil ich wie er die Haare offen trug.“ Sie erinnert sich an unzählige Stunden, in denen sie mit Freunden die Videos ihrer Idole studierte, um sich zu verbessern, um zu lernen. Damals wie heute immer an ihrer Seite steht ihr Zwillingsbruder Paul, der mittlerweile als Trainer in einem Fitnessstudio tätig ist. Mit ihm spielt sie zu Beginn auf den Straßen, mit ihm entdeckt sie die Liebe für ihre Passion. „Er ist für mich eine der wichtigsten Personen in meinem Leben. Nicht nur auf den Sport, sondern vielmehr auf alle Lebensbereiche bezogen.“ 

📸 Edna Imade gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder: 

Dieser Inhalt kann hier leider nicht dargestellt werden. Zum Anschauen kannst du die Website des FC Bayern München besuchen: Artikel auf fcbayern.com

Ednas Weg erschöpft sich nicht in gängigen Erzählmustern. Mit fast stoischer Zielstrebigkeit verfolgte sie seit frühester Kindheit ihren Traum vom Profifußball. „Ich hatte dieses Ziel immer vor Augen, seitdem ich klein war.“ Es ist ein Weg, der sie über die Stationen CD Santa Ana Femenino, CD AD Nervión, FC Málaga und CP Cacereño Femenino 2023 nach Granada führt. In die Primera División. Dort feiert sie ihr Erstligadebüt, erzielt in ihrer ersten Saison fünf Tore. Was zunächst nach einem zarten Aufblühen klingt, wird in der nächsten Spielzeit zur Eruption: 16 Treffer, Platz zwei in der Torjägerliste. Nur Barcelonas Ewa Pajor übertrifft sie.

Zwischen Disziplin und Leidenschaft

Doch ihre Geschichte ist mehr als eine bloße Aneinanderreihung sportlicher Triumphe. Sie erzählt auch von harter Arbeit - auf dem Platz, aber ebenso abseits davon. Auf dem Weg nach oben greift sie in ihrer Freizeit zur Pfeife, leitet Spiele, arbeitet als Schiedsrichterin um sich das nötige Kleingeld zu verdienen. Und dann, bei ihrem ersten Einsatz für die FC Bayern Frauen im Zuge des Tests gegen Gotham, wird die Partie ausgerechnet von jenen geleitet, mit denen sie einst Spiele leitete. Ein Kreis, der sich auf leise, schöne Weise schließt. Es ist diese besondere Mischung aus Disziplin, Leidenschaft und Pragmatismus, die Ednas Weg so bemerkenswert macht. Und die sie zu einer der interessantesten Persönlichkeiten des Frauenfußballs macht. 

Im Sommer 2025 folgt dann der Wechsel zum FC Bayern. Zunächst wird sie an Real Sociedad San Sebastián verliehen und hinterlässt dort ihre Spuren. In 13 Spielen trifft sie 13 Mal. Gegen den Branchenprimus Barcelona markiert Edna den Siegtreffer zum 1:0. Es ist das erste Mal seit Mai 2019, dass die Katalaninnen in einem Ligaspiel ohne eigenen Treffer blieben. Imade prägte diesen Sieg maßgeblich. Der Lohn für all jene Entbehrungen? Im November debütiert sie für die spanische Nationalmannschaft, ausgerechnet im Endspiel der Nations League gegen Deutschland, dass die spanische Selección am Ende für sich entscheiden soll. Nach der Partie, bei der Dopingkontrolle, trifft sie zufällig ihre zukünftige Teamkollegin Alara, wie sie beiläufig erzählt. „Wir haben uns unterhalten, sie spricht auch Spanisch. Ich freue mich auf die Zeit mit ihr“, erzählt Edna später. Eine schöne Geschichte abseits ihres bislang größten Erfolgs, der den Charakter der 25-Jährigen untermalt.

Vier Worte, ein ganzes Leben

Edna Imade ist keine klassische Fußballgeschichte. Der Fußball ist ihr Werkzeug, nicht ihr Ursprung. Ihre Geschichte handelt von einer Mutter, die alles für das Leben ihrer Kinder gab. Von Dankbarkeit als Haltung. Wenn Edna heute sagt: „Hallo, ich bin Edna“, dann stellt sie nicht nur sich vor. Sie zeigt eine Geschichte, die größer ist als ein Spiel. Eine Geschichte, die zeigt, dass alles möglich ist. 

👋 Neben Edna Imade verstärkt auch Bernadette Amani die FC Bayern Frauen in Zukunft: 

👀 Lernt unsere Neuzugäge Edna Imade & Bernadette Amani hier noch besser kennen: 

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