FC Red Bull Salzburg
·7 July 2026
Danny Röhl im großen Trainingslager-Interview

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·7 July 2026

Seit rund drei Wochen waltet Danny Röhl nun als Cheftrainer unserer Roten Bullen. Im Trainingslager in Flachau nimmt sich der 37-Jährige zwischen den Einheiten nicht nur Zeit für jede Menge Spielergespräche, sondern gibt uns im exklusiven Interview auch Einblicke in seinen Wechsel nach Salzburg, wer aus unserem Trainerteam einst sein Kindheitsidol war und worauf er bei der Kapitänsfrage besonderen Wert legt.

Für die letzten zwei Cheftrainer-Posten bei Sheffield bzw. den Rangers musste der Familienurlaub abgebrochen werden, stimmt das? Und wie war es dieses Mal?
Danny: „Das ist richtig. Sowohl bei Sheffield als auch bei Glasgow war es jeweils im Oktober, und es war vorher nicht wirklich abzusehen, dass es so kommt. Diesmal musste ich den Urlaub zwar nicht abbrechen, aber es ist tatsächlich auch rund um den Urlaub passiert. Ich sage es im übertragenen Sinne ganz gern so: Als Rangers-Manager bin ich abgeflogen, als Salzburg-Trainer gelandet. So kann man diesen Urlaub ganz gut beschreiben. Es scheint auf jeden Fall immer ein spannendes Omen zu sein, wenn ich in den Urlaub fliege.“
Er ist mein engster Vertrauter, gerade auch neben dem Platz.
Du hast Assistenztrainer Sascha Lense und Spielanalyst Tristan Steiner aus Glasgow mit nach Salzburg gebracht. Was macht die Zusammenarbeit mit ihnen so besonders?
Danny: „Sascha kenne ich schon seit meiner Leipziger Zeit. Kurioserweise war er früher selbst mein Vorbild. Als ich acht oder neun Jahre alt war, hat er für den FSV Zwickau auf dem Flügel gespielt. Ich hatte damals mein allererstes Trikot von ihm. Jahre später steht er dann plötzlich vor einem, und man ist im selben Trainerteam. Seitdem tauschen wir uns extrem viel aus. Er ist mein engster Vertrauter, gerade auch neben dem Platz. Das ist eine etwas neuere Rolle, die ich da geschaffen habe. Er agiert dabei nicht als klassischer Co-Trainer, der auf dem Platz die taktischen Übungen leitet. Er ist für mich in anderen Bereichen extrem wichtig: Mannschaftspflege, Organisation des Staffs, das Beziehungsmanagement und der emotionale Matchplan. Da ist Sascha eine riesige Hilfe.

Die Geschichte mit Tristan ist ebenfalls sehr interessant. Er hat sich vor zwei Jahren einfach über LinkedIn bei mir beworben. Damals war er noch Jura-Student im Auslandssemester – also eigentlich kein klassischer Trainer, der mal hospitieren wollte. Darüber haben wir eine sehr gute Beziehung aufgebaut. Er war quasi rund um die Uhr für mich verfügbar, und dieser Einsatz hat mir imponiert. Bei allen fachlichen Qualitäten, die ich mir wünsche, ist mir die Zwischenmenschlichkeit extrem wichtig. Das versuche ich selbst jeden Tag vorzuleben.“
Und mit Co-Trainer Sebastian Heidinger haben sich die Wege ebenfalls schon in Leipzig gekreuzt. Blieb da der Kontakt immer bestehen oder kam das jetzt neu auf?
Danny: „Wir haben noch nicht als Trainer zusammengearbeitet, aber ich kenne ihn aus meiner Zeit in Leipzig, als ich Analyst und Co-Trainer war und er dort noch als Spieler auf dem Platz stand. Man hat sich über die Jahre immer mal wieder getroffen und unterhalten. Wir haben gemerkt, dass da ein guter ‚Vibe‘ herrscht, und sind seitdem in Kontakt geblieben.“
In deinem alten Büro hing eine Dartscheibe. Gibt’s die in Taxham auch schon?
Danny: „Noch nicht. Aber das war immer ein richtig guter Ausgleich für mich. Wir haben nicht erst in Glasgow damit angefangen, sondern schon in Sheffield. Wir haben dort mit Sascha immer die Aufstellung ausgeworfen, je nachdem, welche Nummer wir getroffen haben. Nein, Spaß beiseite!“
Es ist ein Privileg, diesen Job ausüben und eine Mannschaft durch ein Spiel begleiten zu dürfen.
Das Thema Aberglauben hat dabei aber schon eine Rolle gespielt, richtig?
Danny: „Ja, ich musste das letzte Dart-Duell vor dem nächsten Spiel immer gewinnen. Sascha behauptet zwar bis heute, er hätte mich absichtlich gewinnen lassen. Im Großen und Ganzen habe ich diese Momente am Board einfach genutzt, um noch einmal kurz durchzuatmen. Ich bin ohnehin ein Trainer, der mit einer enormen Vorfreude in die Spiele geht. Es ist ein Privileg, diesen Job ausüben und eine Mannschaft durch ein Spiel begleiten zu dürfen.“

Gib uns einen persönlichen Einblick: Womit schaltest du sonst gerne ab, wenn Fußball mal nicht auf der Tagesordnung steht? Danny: „Ich gehe ganz gerne laufen, auch wenn ich ehrlicherweise meistens selbst beim Laufen telefoniere. Ein weiteres großes Hobby ist das Reisen, was sich zeitlich natürlich nur in den Pausen umsetzen lässt. Ich liebe es einfach, die Welt zu sehen und zu erkunden.“ Grundsätzlich scheinst du mit deiner Art einerseits sehr viel Ruhe auszustrahlen, am Fußballplatz an der Seitenlinie dafür andererseits mit maximaler Energie dabei zu sein – unterschreibst du das so oder trügt der Schein? Danny: „Nein, das ist genau das. Ich versuche, meiner Mannschaft viel Ruhe, Gelassenheit und Selbstvertrauen zu geben. Die vielen verschiedenen Stationen, an denen ich als Trainer wachsen durfte, helfen mir enorm dabei, dieses Vertrauen auch einer so jungen Mannschaft zu geben. Im Fußball läuft alles über Selbstvertrauen. Trotzdem bin ich an der Seitenlinie ein sehr positiv emotionaler Typ. Mir ist es wichtig, die Mannschaft mitzureißen. Bei meinen letzten beiden Stationen konnte ich außerdem immer eine sehr enge Bindung zu den Fans aufbauen. Das wird mir auch hier in Salzburg wichtig sein, dass wir ein echtes Miteinander leben. Das gilt genauso für meinen Staff und mein Trainerteam. Wir wollen uns hier alle wohlfühlen, was aber nicht bedeutet, dass wir schnell zufrieden sind. Wir wollen jeden Tag ans Maximum gehen, uns stetig verbessern und bei all der harten Arbeit immer versuchen, das Lächeln zu behalten.“
Es macht einfach Spaß, Spiele und Titel zu gewinnen. Das ist die Mentalität, die ich hier jeden Tag sehen möchte.
In deiner Antritts-PK hast du die Tugenden angesprochen, die du beim FC Bayern erlebt hast und die auch hier relevant sind. Welche sind das und wie willst du diese hier bestmöglich einbringen?
Danny: „In München war es faszinierend, zu sehen, dass absolut jeder in jedem einzelnen Moment das nächste Spiel gewinnen wollte – völlig egal, ob es ein 5-gegen-5 oder ein 11-gegen-11 im Training war. Dieses Sieger-Gen ist dort tief verankert. Und genau darum geht es: Es macht einfach Spaß, Spiele und Titel zu gewinnen. Das ist die Mentalität, die ich hier jeden Tag sehen möchte.
Du kannst nicht von heute auf morgen alles umkrempeln. Aber wenn du dich jeden Tag um ein Prozent verbesserst, wird das Endergebnis am Ende ein sehr gutes sein.“

Du bist erst seit wenigen Wochen hier am Werk. Wie viel konntest du in dieser Zeit schon von dem schaffen, was du dir vorgenommen hast? Danny: „Es ist für mich das erste Mal seit drei Jahren, dass ich eine Mannschaft direkt zur Saisonvorbereitung übernehmen kann. Das ist ein gutes Gefühl. Meine letzten beiden Stationen habe ich jeweils mitten in der Saison mit großem Punkterückstand angetreten, wo wir das Feld von hinten aufrollen mussten. Jetzt haben wir die Zeit für persönliche Gespräche und um auf dem Platz zu arbeiten. Natürlich geht es in einer Vorbereitung immer auch um den athletischen Bereich, aber mir ist es wichtig, dass wir das mit viel Ballarbeit und taktischen Inhalten verknüpfen. Das Testspiel gegen Gornik hat gezeigt, dass es schon in die richtige Richtung geht. Dennoch müssen wir uns tagtäglich steigern. In den ersten zwei Wochen haben wir viel über unser Spiel in Ballbesitz gesprochen. Hier müssen wir uns verbessern, um spielerische Lösungen gegen tief stehende Gegner parat zu haben. Auf der anderen Seite wollen wir die traditionellen Stärken, die den FC Red Bull Salzburg von jeher auszeichnen – das pfeilschnelle Umschaltspiel und das aggressive Pressing –, natürlich bewahren. Wenn uns diese Kombination aus beiden Welten gelingt, bin ich davon überzeugt, dass wir mit diesen Jungs eine sehr gute Saison spielen werden. Aber das passiert nicht von alleine. Das ist harte Arbeit, die an Disziplin, Struktur und absolute Überzeugung gekoppelt ist.“
Gerade bei so einer jungen Mannschaft ist es entscheidend, dass wir alle gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Wie gehst du die Kapitänsfrage an, die nach dem Abgang von Mads Bidstrup nun offen ist?
Danny: „Der Kapitän ist mir generell sehr wichtig. Er muss eine Vertrauensperson für mich sein, mit der ich über alle Themen offen sprechen und den ich auch mal zu Rate ziehen kann. Aktuell befinden wir uns noch mitten im Prozess. Das bedeutet: Ich beobachte viel und entwickle ein Gefühl für die Mannschaft. Zudem geht es mir darum, nicht nur einen einzelnen Anführer, sondern eine ganze Gruppe von Leadern zu entwickeln.
Gerade bei so einer jungen Mannschaft ist es entscheidend, dass wir alle gemeinsam Verantwortung übernehmen – auf dem Platz genauso wie daneben. Es kann immer mal passieren, dass ein Teamkollege einen schlechten Tag erwischt. Genau dann stehen wir alle in der Pflicht, die Verantwortung zu übernehmen und ihn wieder aufzubauen. Wir dürfen keine reinen ‚Follower‘ sein, sondern müssen aktiv Leadership entwickeln. Das funktioniert nur als Team.“

Zum Abschluss noch ein Blick auf deine Ankunft in Salzburg. Wie läuft das Einleben? Konntest du dir mit der Familie die Stadt schon ein bisschen anschauen und habt ihr bereits eine Wohnung gefunden?
Danny: „Die ersten zwei, drei Wochen waren extrem intensiv, da alles Schlag auf Schlag ging. Das Trainingszentrum ist top, der Ausblick vom Gelände auf die umliegenden Berge ist einfach fantastisch und ich habe glücklicherweise schon eine Wohnung gefunden – das fühlt sich dann direkt nach Zuhause an, das ist mir wichtig! Übernächste Woche kommt meine Familie her, und dann werden wir uns auch gemeinsam die Stadt ansehen. Um Salzburg herum gibt es ja traumhafte Seen, generell eine wunderschöne Gegend und hervorragendes Essen – vielleicht nicht immer ganz gesund, aber sehr gut! All diese schönen Dinge werden uns hier begleiten.
Aber das Wichtigste für mich ist und bleibt der sportliche Erfolg, denn am meisten Spaß macht es an einem Ort, wenn man gemeinsam Siege einfährt, und genau dafür sind wir hier.“







































