FC Bayern München
·11 February 2026
Das steckt hinter Bayerns Viertelfinal-Triumph

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·11 February 2026

Dass ganz am Ende wirklich alle glücklich waren, dafür sorgte Stephan Lehmann mit seiner Nachricht. Der Stadionsprecher verkündete kurz vor Abpfiff, dass für den Nachhauseweg ausreichend U-Bahnen zur Verfügung stehen. Das war diesmal nicht selbstredend, es war vielmehr das erleichternde Ende eines Tages, der mit einem Streik bei Bussen, U-Bahnen und Trambahnen in München begonnen hatte. Der mit einem 2:0-Heimsieg im Pokalkracher über RB Leipzig weiterging und mit dem ersten Einzug des FC Bayern in ein Pokal-Halbfinale seit sechs Jahren endete. Wieviel Erleichterung dieser 32. Halbfinaleinzug in der Geschichte des Rekordpokalsiegers bedeutete, konnte jeder der 75.000 in der Allianz Arena mitansehen, als der Sieg amtlich wurde.
Doch bevor Joshua Kimmich, Jonathan Tah, Leon Goretzka, Harry Kane oder Manuel Neuer die Fäuste ballen und die Freude herausschreien konnten, war zumindest die ersten 45 Minuten lang mit Leipzig ein sehr dickes Stück Holz zu bohren gewesen. Die Gäste, aufgestachelt mit reichlich Wut aus zwei hohen Niederlagen in der Bundesliga gegen die Münchner, legten los, als würden Treffer in den ersten 15 Minuten doppelt zählen. Immer wieder überrumpelte Leipzig die Bayern-Defensive. Als der auffällige Yan Diomande gleich drei Heimspieler austanzte und sein Zuspiel Christoph Baumgartner nach drei Minuten und neununddreißig Sekunden ins Bayerntor zur Gästeführung jagte, schien das nicht einmal unverdient. Zum Glück war Baumgartner jedoch haarscharf im Abseits gestanden, weshalb der Treffer zurecht nicht zählte.
Die Partie bestimmte dennoch weiter Leipzig: Die Gäste hatten mehr Ballbesitz (54 zu 46 Prozent), eine bessere Passquote (90 zu 80 Prozent), erfolgreichere Dribblings (sechs zu zwei), mehr Torversuche (fünf zu drei) sowie ein Hoch in der Zweikampfstatistik (54 zu 46 Prozent). Wie schon beim Ligaspiel in Sachsen zeigte RB enormen Mut und Handlungsschnelligkeit in den Aktionen sowie ausgeprägte Offensivstärke – allen voran über den spielfreudigen Diomande, der von Alphonso Davies nur mühsam in den Griff zu bekommen war. Glück hatten die Bayern, dass Josip Stanišićs Foul an Antonio Nusa noch vor der Strafraumgrenze stattgefunden hatte und somit nicht per VAR nachträglich geahndet werden konnte.
Und doch hatte sich der FC Bayern nach gut 20 Minuten in die Pokalnacht gebissen. Angeführt von den aggressiven Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlović, einem bärenstarken Jonathan Tah im Defensivverbund und einem engagierten Josip Stanišić rissen die Gastgeber die Begegnung an sich. Dass es noch nicht zur Führung reichte, lag daran, dass Leipzig mit Castello Lubeka Bayerns Torjäger Harry Kane einen mehr als unangenehmen Sonderbewacher auf die Füße gestellt hatte. Und doch hatte München schon bis zur Pause die Statistiken allesamt wieder gedreht: 70 Prozent Ballbesitz in der Viertelstunde vor der Pause sprachen Bände. „Uns hat vor allem gefehlt, in einer guten Phase selbst in Führung zu gehen“, ärgerte sich Ole Werner, der Gästetrainer: „Dann nimmt das Spiel vielleicht einen anderen Verlauf.“
So aber legte nach dem Seitentausch der FC Bayern in Sachen Dominanz noch einmal eine Schippe drauf. Die wenigen verlorenen Bälle wurden im Highspeed-Pressing umgehend zurückerobert, überall dort, wo Leipzig zuvor noch Räume gefunden hatte, schob die Bayerndefensive nun clever zu. RB beschränkte sich dadurch zunehmend aufs Verteidigen – tat dies aber mit hohem Aufwand im Kollektiv und in zwei engmaschigen Ketten, die Trainer Ole Werner wie eine Feuerschutzwand vor das Gästetor mauern ließ. Die Folge: Bayern spielte, Bayern kombinierte, Bayern passte sich die Bälle zu und lauerte geduldig auf die eine entscheidende Unachtsamkeit der Gäste.
Diese kam, als alle Leipziger noch den Torschrei auf den Lippen hatten: Rômulo köpfte vorn – allerdings aus Abseitsposition – an die Unterkante des Bayerntores. Dieses Unglück ließ Leipzig für den einen Moment in der Rückwärtsbewegung erstarren – was der FC Bayern eiskalt nutzte: Ein langer Ball auf den gestarteten Stanišić, ein Foul von Schlussmann Maarten Vandevoordt, ein Kane-Elfmeter: 1:0 (64.). „Leipzig hat das auf jeden Fall gut gemacht. Aber wir merken es immer wieder – wir haben jetzt dreimal gegen sie gespielt – es gibt im Spiel einen Moment, in dem wir es schaffen, sie zu brechen. Durch den Elfmeter kippt das Spiel“, fand Jonathan Tah, der seinen 30. Geburtstag feierte. Es war bereits der dritte Strafstoß für den FC Bayern in dieser Pokalsaison und Harry Kanes sechstes Pokaltor, sein 39. Pflichtspieltreffer im 34. Spiel. Damit überholte der Engländer Kylian Mbappe (38 Tore) und setzte sich in den Top-5-Ligen alleinig an die Spitze. „Heute sind wir ruhig und stabil geblieben, haben nichts Verrücktes gemacht und einfach weiter auf diesen Moment hingearbeitet. Dann kam er – und wir haben ihn genutzt“, analysierte Cheftrainer Vincent Kompany.
Und mitten hinein ins Hadern der Leipziger ließ der FC Bayern gleich noch den zweiten Streich folgen: Michael Olise bediente im Konter mit Feingefühl Luis Díaz, der Vandevoordt im Eins-gegen-Eins keine Chance ließ: 2:0. Für den großen Schritt ins Halbfinale benötigte der FC Bayern per Doppelschlag keine vier Minuten Spielzeit. „Wir hatten das Gefühl: Der Moment wird kommen – und dann dreht sich das Spiel komplett in unsere Richtung“, freute sich Tah.
Leipzigs Frust entlud sich wenig später in Schubsern und kleineren Fouls – auch im dritten Aufeinandertreffen in dieser Saison waren die Sachsen unterlegen. Letztmals hatte der FC Bayern drei Pflichtspiele in einer Spielzeit 2021/22 gegen eine Mannschaft gewonnen, damals gegen Borussia Dortmund (Supercup und Bundesliga). „Ich glaube, wir hatten einen klaren Plan, weil wir wussten, dass wir gerade auch in der zweiten Halbzeit, je später das Spiel wird und je länger wir Leipzig unter Druck setzen, dass wir weiterhin unsere Chancen bekommen werden und das Spiel für uns entscheiden können“, sagte Manuel Neuer. Beeindruckend auch die enorme Stabilität in der Defensive bei den Gastgebern: So ließen die Bayern allein in der ersten Hälfte nur vier Schüsse und einen Expected-Goals-Against-Wert von 0,3 zu. Im Bundesligaspiel in Leipzig waren es nach 45 Minuten noch neun Schüsse und ein EGA-Wert von 2,0 gewesen.
Nach Schlusspfiff dann feierte der FC Bayern das Ende der längsten Durststrecke in diesem Jahrtausend ohne ein Pokal-Halbfinale. „Wir haben den großen Traum, wieder nach Berlin zu fahren – wie 2020“, freute sich Präsident Herbert Hainer. „Das tat gut heute! Wir haben eine große Sehnsucht nach Berlin. Der ganze Club will in dieses Finale“, verriet Vorstandsvorsitzender Jan-Christian Dreesen. Und auch die Fans stimmten lautstark ein „Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin!“ an. Erst einmal aber ging es für sie alle an diesem besonderen Abend überglücklich wieder nach Hause.
Hier geht es zu allen Stimmen aus dem Pokal-Spiel gegen RB Leipzig:









































