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·27 January 2026

Der Mann, der Real veränderte: Wiedersehen mit Mourinho

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José Mourinho blieb der CL-Titel in Madrid verwehrt, ohne ihn wären aber die späteren Erfolge kaum möglich gewesen – Foto: Warren Little/Getty Images

Der große Reformer

Lissabon ist für José Mourinho kein gewöhnlicher Ort. Es ist Heimat, Bühne und Erinnerung zugleich. Und wenn in der portugiesischen Hauptstadt auf Real Madrid trifft (Mittwoch, 21 Uhr, im REAL TOTAL-Liveticker, im Watchalong und bei DAZN), ist dieses Spiel mehr als ein weiteres Champions-League-Duell. Es ist ein Wiedersehen mit einem Klub, den er geprägt hat wie kaum ein anderer Trainer seiner Generation und mit einer Zeit, die schmerzhaft, konfliktreich und zugleich wegweisend war. Wenn im Estádio da Luz der Anpfiff ertönt, steht Mourinho nicht nur einem Gegner gegenüber, sondern seiner eigenen Vergangenheit. Zwischen Trainerbank und Seitenlinie liegen Jahre, in denen er Real Madrid nachhaltig veränderte, indem er Entscheidungen traf, die viele für untragbar hielten und die den Klub dennoch auf einen neuen Kurs brachten.


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Als Mourinho 2010 nach Madrid kam, war Real Madrid ein Gigant mit europäischem und nationalem Minderwertigkeitskomplex. Acht Jahre in Folge war im Achtelfinale der Champions League Schluss gewesen, während der FC Barcelona national den Ton angab. Nicht nur spielerisch und sportlich, sondern vor allem mental war in den Jahren zuvor eine aus Real-Sicht gefährliche Eigendynamik entstanden. Mourinho kam daher nicht, um zu verwalten. Er kam, um Real Madrid  auf der großen Fußballbühne – national und international – wieder konkurrenzfähig zu machen. Er kam auch, um verkrustete Hierarchien zu brechen. Und das tat er auf seine Weise.

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Eine Zeit voller Brüche und Wirkung

Der Portugiese machte  sofort deutlich, dass Vergangenheit und Status keinen Schutz boten – Vereinslegenden wie Raúl González spielten plötzlich keine Rolle mehr. Der langjährige Kapitän verkörperte alles, was Real war, aber nicht mehr das, was Mourinho wollte: Tempo, Intensität, bedingungsloser Wettbewerb. Raúls Abgang schmerzte die Fans, war aber ein klares Signal – Vergangenheit schützte niemanden. Ähnlich erging es Kaká. Der einstige Weltfußballer verkam unter Mourinho zum Nebendarsteller. Verletzungsanfällig, defensiv zu wenig eingebunden, taktisch nicht passend – Mourinho machte keinen Hehl daraus. Ein 65-Millionen-Transfer wurde zur Randfigur, der Marktwert verfiel, der Abschied war nur eine Frage der Zeit.

Am härtesten traf es jedoch Iker Casillas. Der Kapitän, Welt- und Europameister, das Gesicht des Klubs. Mourinho entzog ihm den Stammplatz und ersetzte ihn durch Diego López – offiziell aus sportlichen Gründen, in Wahrheit aber Ausdruck eines tiefen Vertrauensbruchs. Die Entscheidung spaltete die Kabine und das Umfeld, sie vergiftete die letzte Saison und beschädigte Mourinhos Verhältnis zum Klub nachhaltig. Doch sie zeigte erneut auch, dass selbst Ikonen nicht unantastbar waren, wenn es um Erfolg ging.

Mourinhos Führungsstil war kompromisslos, oft auch öffentlich. Karim Benzema, Mesut Özil, Gonzalo Higuaín – sie alle wurden kritisiert, in Frage gestellt, unter Druck gesetzt. Nicht jeder hielt dem stand. Benzema jedoch wuchs daran, entwickelte jene Widerstandsfähigkeit, die ihn später zu einer der prägenden Figuren der erfolgreichsten Real-Phase machte. Auch sportlich scheute Mourinho keine Konflikte. Sergio Ramos, Sinnbild der neuen Generation, wurde zeitweise ins defensive Mittelfeld versetzt – eine riskante Entscheidung, die für Diskussionen sorgte. Doch gerade Ramos entwickelte sich unter Mourinho mental enorm weiter. Aus Talent wurde Führungsfigur, aus Aggression Kontrolle. Nicht zuletzt wurde Cristiano Ronaldo unter seinem Landsmann, der ihn bewusst vom fast reinen Flügelspieler mehr in Richtung Tor positionierte, zu jener Tormaschine, dessen Quote bei Real Madrid trotz eines Kylian Mbappé immer noch unerreichbar scheint.

Mourinho legte den Grundstein

Viele von Mourinhos Entscheidungen taten weh, sie erzeugten teilweise großen Widerstand, Unruhe, Ablehnung. Doch sie veränderten Real Madrid grundlegend. In der Saison 2011/12 gewann der Klub mit historischen 100 Punkten und 121 Toren die Meisterschaft, durchbrach Barcelonas nationale Dominanz und kehrte in der Champions League zurück in die europäische Elite. Drei Halbfinal-Teilnahmen in Folge beendeten die jahrelange Blockade. Mourinho machte Real Madrid wieder kampffähig. Er schuf eine Mannschaft, die große Spiele nicht mehr fürchtete, sondern suchte. Diese Mentalität , das Vertrauen, in den entscheidenden Momenten bestehen zu können, wurde zum Fundament der späteren Champions-League-Triumphe unter Carlo Ancelotti und Zinédine Zidane.

Dass Mourinhos Abschied 2013 von Spannungen begleitet war, gehört zur Wahrheit, doch ebenso wahr ist: Ohne ihn hätte Real Madrid den Weg zurück zur europäischen Vormachtstellung wahrscheinlich nicht gefunden. Er bereitete den Boden, auch wenn andere die Titel holten. So schließt sich am Mittwochabend in Lissabon ein Kreis: Mourinho steht Real Madrid wieder gegenüber, gereift, vielleicht leiser als früher, aber noch immer getrieben. Für ihn ist es ein Duell mit einer unvollendeten Geschichte, für die Königlichen selbst die Begegnung mit einem Mann, der dem Klub Schmerzen zufügte, um ihn stärker zu machen. Und vielleicht liegt genau darin die größte Ironie dieses Spiels: Dass ein Trainer, der nie die Champions League mit Real gewann, entscheidend dazu beitrug, dass sie später wieder zur Gewohnheit wurde.

Mourinho bei Real (2010 - 2013)

  • Spiele: 178
  • Siege: 128
  • Unentschieden: 28
  • Niederlagen: 22
  • Siegquote: 71,9 % (128 von 178, nur Manuel Pellegrini ist besser)
  • Titel: 1 x LaLiga (2011/12), 1 x Copa del Rey (2010/11), Supercopa de España (2012/13)

Spitze gegen einstigen Musterschüler?

Vor wenigen Wochen war es kaum vorstellbar, aber nach dem Aus von Xabi Alonso als Real-Trainer wird auch das Trainerduell in Lissabon ein ganz Besonderes. Eine Schlüsselfigur jeder Madrider Zeit ist heute Mourinhos Gegenüber auf der anderen Trainerbank: Álvaro Arbeloa. Der frühere Außenverteidiger war einer von Mourinhos loyalsten Spielern, ein verlängerter Arm auf dem Platz. Der Spanier verkörperte genau jene Tugenden, die sein damaliger Coach schätzte: Disziplin, Opferbereitschaft, bedingungslose Identifikation mit dem Plan des Trainers. Dass ausgerechnet er nun Real Madrid als Trainer repräsentiert, verleiht dem Wiedersehen eine zusätzliche Ebene. Hier treffen nicht nur zwei Karrieren aufeinander, sondern auch zwei Generationen mit einer gemeinsamen Vergangenheit.

Während Arbeloa seit seiner Präsentation als neuer Trainer der Blancos mehrfach betonte, wie gut sein Verhältnis mit dem ehemaligen Trainer immer noch ist und wie sehr ihn dieser als Spieler, Persönlichkeit und auch als Trainer geprägt hat, kommt Mourinho auch beim einstigen Musterschüler nicht ohne verbale Spitzen aus. Vor Benficas CL-Gastspiel bei Juventus Turin zeigte sich der 63-Jährige gegenüber Medien verwundert: „Es überrascht mich nicht, wenn Klubs wie Juventus, Milan oder Roma erfahrene Trainer wie Luciano Spalletti, Max Allegri und Gian Piero Gasperini holen. Mich wundert es vielmehr, wenn völlig unerfahrene Trainer, die noch nichts geleistet haben, die Chance bekommen, die größten Klubs der Welt zu trainieren.“ Ein Satz, der wenig Raum für Interpretationen ließ, der Adressat war klar. Ein rhetorischer Nadelstich – Mourinho bleibt eben Mourinho.

Arbeloa antwortete mit Respekt, aber auch mit Selbstbewusstsein. Er betonte, dass er Mourinhos Worte „analysiert und gehört“ habe und machte klar, dass er seinen eigenen Weg gehe, ohne in die Fußstapfen des Portugiesen treten zu wollen. „Was Mourinho für mich bedeutet, wissen alle, aber ich werde Álvaro Arbeloa sein“, erklärte der Real-Coach und unterstrich seinen Anspruch, sich nicht hinter dem Erbe seines ehemaligen Trainers zu verstecken.

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