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Lennard Bacher·21 March 2026

"Derby des toten Kindes": Dieses Spiel veränderte den Fußball komplett

Article image:"Derby des toten Kindes": Dieses Spiel veränderte den Fußball komplett

Wann ist ein Spiel legendär? Wenn sich jeder daran erinnern kann, wo er zum Zeitpunkt des Spiels gewesen ist? Wenn das Spiel einen eigenen Wikipedia-Artikel hat? Wenn das Spiel für eine Zäsur im Fußball sorgt?

Genau heute vor 22 Jahren war ein Spiel, das für römische oder gar italienische Fußballfans diese drei Kriterien erfüllt. Das "Derby del bambino morto" (dt. "Derby des toten Kindes"), um genau zu sein. 


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Die Vorzeichen vor dem Römer Derby waren suboptimal. Beide Klubs waren finanziell massiv angeschlagen. Außerdem war die Lage zwischen Polizei und Fans bereits seit längerer Zeit mehr als angespannt. Auch vor diesem Derby am 21. März 2004 kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Fans. 

Nachdem die Partie ganz normal angepfiffen wurde und die erste Halbzeit gespielt war, wurde es im Stadio Olympico rund um die Halbzeit immer unruhiger. Binnen weniger Minuten verbreitete sich das Gerücht, dass die Polizei ein Kind vor dem Stadion überfahren habe und dieses womöglich verstorben sei. Zuvor hätten Fans ein Kind unter einer weißen Plane liegen gesehen, wurde später in verschiedenen Medien berichtet.

Nachdem sich das Gerücht wie ein Lauffeuer verbreitete, reagierten führende Personen der Rom-Fans und kletterten in der 47. Minute auf den Platz, wie der 'Spiegel' zwei Tage nach dem Derby berichtete. Die Anhänger des Hauptstadtklubs gingen zu Roma-Legende Francesco Totti und forderten die Spieler und die Verantwortlichen mit aller Deutlichkeit dazu auf, die Partie sofort abzubrechen. Totti ging später zu seinem damaligen Trainer Fabio Capello und sagte den legendären Satz: "Wenn wir jetzt weiterspielen, bringen sie uns um." 

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📸 AFP - 2004 AFP

Nach langen Überlegungen und einem Telefonat zwischen Schiedsrichter Roberto Rosetti und dem damaligen Vizepräsident der italienischen Liga, Adriano Galliani, wurde das Spiel 20 Minuten später offiziell abgebrochen. Das richtige Chaos sollte hier aber erst starten. 

So packten sowohl die Roma-Fans als auch die rivalisierenden Lazio-Anhänger ihre Sachen zusammen und setzten, trotz der Feindschaft, zum gemeinsam Angriff auf die Polizei an. Die Kämpfe zwischen den Fans und der Polizei, die von Augenzeugen als bürgerkriegsähnlich beschrieben wurden, gingen dabei bis spät in die Nacht. Trotz mehrfacher Durchsagen im Stadion, dass kein Kind zu Schaden gekommen sei, war die Gewaltspirale nicht mehr aufzuhalten. 

Am Ende wurden bis zu 174 Polizisten und 21 Fans verletzt. Durch die massiven Tränengas-Einsätze und die Angst, in nahegelegenen Krankenhäusern polizeilich erfasst zu werden, geht man bei den verletzten Fans allerdings von einer höheren Dunkelziffer aus. 

Und was war mit dem Kind unter der weißen Plane? Verschiedenen Medienberichten und Überlieferungen zufolge, war der Junge unter der Plane zuvor von dem eingesetzten Tränengas verletzt worden und befand sich unter dem weißen Tuch, um vor dem in der Luft stehenden Tränengas geschützt zu werden. Ein totes Kind, so kam es später raus, gab es nie.

Im Anschluss witterten einige Beobachter, inklusive der Polizei, eine handfeste Verschwörung, die sich allerdings nicht belegen ließ. So wurde den Roma- und den Lazio-Fans vorgeworfen, alles geplant zu haben, um die eigene Macht gegenüber des Staatsapparates zu demonstrieren. Die Anklagen wegen einer Verschwörung wurden drei Jahre später, nach langer juristischer Prüfung, allerdings vor Gericht fallen gelassen. 

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📸 STR - 2004 AFP

Dennoch sollte dieses Spiel eine Zäsur darstellen. So wurden im Anschluss die Sicherheitsmaßnahmen in den italienischen Stadien massiv verschärft, was das Verhältnis zwischen Fans und Polizei weiter auf Spannung hielt. Videoüberwachung in den Stadien, mehrfache Kontrollen sowie personalisierte und nicht übertragbare Tickets waren einige der getroffenen Maßnahmen, die das Fanleben in Italien beeinträchtigten.

Über das Spiel wurden im Nachhinein Bücher geschrieben. Es ist eine dieser Partien, an die sich alle Anwesenden bis heute erinnern - der Wikipedia-Eintrag ist dabei natürlich obligatorisch. Obwohl an diesem Tag vieles schief gelaufen war, wurde es zur Legende. Einer Legende, die wohl gleichzeitig ein Mahnmal darstellt.


📸 PATRICK HERTZOG - 2004 AFP

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