Rund um den Brustring
·6 January 2026
Derzeit nicht im Brustring: Die Leihspieler des VfB

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·6 January 2026

Es ist (noch) Winterpause und damit mal wieder Zeit. sich die Hinrundenbilanz der vom VfB verliehenen Spieler genauer anzuschauen. Dabei gibt es dieses Jahr ein Novum.
Denn seit wir auf diesem Blog halbjährlich auf die Halbserien unserer Leihspieler schauen, mussten wir uns meistens mit Spielern beschäftigten, die beim VfB nach einer — meist teuren — Verpflichtung auf dem Abstellgleis gelandet waren, für die sich aber zunächst kein permanenter Abnehmer fand:
Sicherlich findet sich auch hier das ein oder andere Talent, das durch die Leihe den entscheidenden Karrieresprung, auch beim VfB, machte, wie zum Beispiel Orel Mangala, Niko Nartey (mit viel Anlauf) oder aktuell Jovan Milosevic. Meist aber dienten Leihen den verschiedenen sportlichen Verantwortlichen in Bad Cannstatt zur Kaderbereinigung. Gerade zwischen 2022 und 2024 verlieh der VfB im Laufe der beiden Saisons jeweils insgesamt zehn Spieler, von denen kaum jemand behaupten kann, sich beim VfB oder einem Verein vergleichbarer Stärke durchgesetzt zu haben. Natürlich kann es immer passieren, dass Transfers nicht so wie gewünscht funktionieren und man nur über den Umweg der Leihe einen neuen Verein für einen Spieler findet, der mangels Einsatzzeiten beim VfB auch keinen großen Markt hat. In der Summe muss man allerdings in der Retrospektive teilweise von einer Kaderfehlplanung sprechen.
Ganz anders, als zum Ende des sommerlichen Transferfensters die verliehenen Spieler für diese Saison feststanden: Jarzinho Malanga, der nach Einsätzen in der dritten Liga und der Champions League ebenso in der zweiten Liga den nächsten Schritt machen wollte wie Dennis Seimen, außerdem Jovan Milosevic, der für das ganze Kalenderjahr 2025 an Partizan Belgrad verliehen war sowie Laurin Ulrich, der nach einer nicht sehr erfolgreichen Leihe nach Ulm ebenfalls endlich den Durchbruch schaffen will, aber noch weit davon entfernt ist, schon in in die Kategorie ewiges Talent einsortiert zu werden. Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass in der Rückrunde der laufenden Saison mit Yannik Keitel ein Spieler ohne Perspektive an den FC Augsburg verliehen wird und dass mit Silas ein ehemaliger Leihspieler mangels sportlicher Perspektive und angesichts des auslaufenden Vertrags jetzt einfach ein halbes Jahr lang ohne Perspektive auf der Tribüne saß. Und natürlich brauchte der VfB in dieser und der vergangenen Spielzeit auch einen breiteren Kader, wodurch weniger Spieler auf dem Abstellgleis landeten — vor allem nicht jene selbst ausgebildeten Spieler, mit denen man die Vorgaben der UEFA erfüllen musste. Dennoch: Die Entwicklung — im mehrfachen Wortsinn — geht in die richtige Richtung.
Wie sich unsere vier Perspektivspieler in der Hinrunde geschlagen haben und ob ihnen wirklich eine Zukunft beim VfB oder auf vergleichbarem Niveau blüht, wollen wir uns jetzt anschauen und beginnen mit

Malanga für die SV Elversberg am Ball. © Christof Koepsel/Getty Images
Geboren im Jahr 2006 in Mannheim, pendelte Jarzinho Ataide Adriano de Nascimento Malanga zwischen dem 12. und dem 18. Lebensjahr zwischen dem Waldhof aus seiner Geburtsstadt und dem häßlichen Nachbarn von der A6. 2022 wechselte er dann in die B‑Jugend des VfB, erzielte für die U17 in 16 Spielen sieben Tore und legte zehn weitere auf und kam teilweise auch schon in der A‑Jugend zum Einsatz. Im Sommer 2023 holte er unter anderem mit Finn Jeltsch und Noah Darvich den Europameister-Titel. In der Folgesaison rückte er in die U19 auf, und erzielte als fester Bestandteil der Mannschaft drei Tore und steuerte vier Vorlagen bei — mit 17 Jahren. Im Sommer 2024 18 geworden, wechselte er zu gerade in die 3. Liga zurückgekehrte zweite Mannschaft und absolvierte dort 30 Einsätze, 26 davon in der Startelf. Zum Klassenerhalt der “Amateure” steuerte er zwei Tore und vier Vorlagen bei, außerdem wurde er von Sebastian Hoeneß mit einer Bundesliga-Minute im Hinspiel gegen St. Pauli sowie mit Kurzeinsätzen gegen Atalanta, in Belgrad und gegen Bern in der Champions League belohnt. Bei der U19-Europameisterschaft im vergangenen Sommer scheiterte er mit Max Herwerth und Kölns aktuellem Überflieger Said El Mala im Halbfinale im Elfmeterschießen an Spanien. Es war also Zeit für den nächsten Schritt.
Und der war gar nicht so klein, schließlich ging es zum ambitionierten Zweitligisten aus dem saarländischen Elversberg, der schon seit Jahren mit klugen Leihgeschäften und Transfers auf sich aufmerksam macht — siehe Nick Woltemade — und im vergangenen Mai in zwei Relegationsspielen gar an die Tür zur Bundesliga klopfte. Nachdem man sich dort nicht gegen Heidenheim durchsetzen konnte, verließ Horst Steffen den Verein gen Bremen. gleichzeitig musste Sportvorstand Nils-Ole Book wieder einige Abgänge kompensieren. Unser SVE-Experte Daniel wäre angesichts des großen Umbruchs schon mit dem Klassenerhalt zufrieden gewesen — aktuell überwintert Elversberg auf einem komfortablen zweiten Tabellenplatz. Die Abgänge konnten gut ersetzt werden und Trainer Vincent Wagner ähnelt in seinem Spielstil sehr dem von Steffen, so dass sich die schon im letzten Jahr für den Verein erfolgreich aktiven Spieler nicht allzu sehr umstellen mussten. Selbst auf den Abgang von Torjäger Younes Ebnoutalib nach Frankfurt im Winter reagierte man kurzfristig.
Daniels Erwartung an Malanga war, dass er vor allem als Einwechselspieler für frischen Wind sorgen und sich spielerisch und körperlich weiterentwickeln sollte, so dass er in der Rückrunde mehr Druck auf Tom Zimmerschied auf der Außenbahn machen kann, der in allen 17 Hinrunden-Spielen in der Startelf stand. Dementsprechend kam Malanga bei seinen 13 Einsätzen in der Liga und dem 0:3 in der zweiten Pokalrunde gegen Hertha immer von der Bank. Vier Pflichtspiele verpasste er verletzt, sein längster Einsatz war eine halbe Stunde Spielzeit gegen Arminia Bielefeld — erfüllte also genau die Erwartung, die Daniel an ihn hatte. In manchen Szenen sei Malanga noch zu verspielt, so unser Experte. was aber auch seine Spielweise ausmache. Da Vincent Wagner selten seine Stammspieler auswechselt müsse Malanga in der Rückrunde seine technischen Fähigkeiten und sein Tempo noch besser zur Geltung bringen, um sich einen Platz in der Startelf zu erkämpfen und Zimmerschied zu verdrängen.
Wenn Malanga spielte, dann meist als Linksaußen, seltener auch mal in der Mitte oder rechts. Daniel traut ihm eine stärkere Rückrunde nach den Erfahrungen in der ersten Halbserie und der Gewöhnung an das höhere Niveau aber auch zu. Was die Perspektiven beim VfB angeht, ist er aber noch zurückhaltend — mehr Spielzeit von Beginn an in der zweiten Liga oder bei einem möglichen Aufsteiger Elversberg würden dem VfB-Talent seiner Ansicht nach gut tun. Für die SVE sieht er einen Platz in den Top 6 realistisch — bei dem könnte übrigens auch Ex-VfBler und mehrfacher Leihspieler Luca Pfeiffer mithelfen, der in Elversberg bisher verletzt ausfiel. Angesichts von bisher lediglich knapp 250 Einsatzminuten in sechs Monaten, bin ich aktuell geneigt, Daniel zuzustimmen, was Malangas Perspektive angeht. Das ist auch gar nicht verwerflich, denn anders als früher sind die Ansprüche an Spieler beim VfB gewachsen, gleichzeitig ist es völlig normal, dass junge Spieler — Malanga wird im Sommer erst 20 — nach einem steilen Aufstieg in den Nachwuchsmannschaften auch mal auf Hürden stoßen. Zumal Elversberg zumindest in der Winterpause mit einem Bein der Bundesliga steht. Vielleicht erleben wir aber auch in der Rückrunde einen steilen Aufstieg Malangas. So oder so hat sich die Leihe für die persönliche Entwicklung des Spielers und damit hoffentlich in Zukunft auch für den VfB, jetzt schon gelohnt.
Etwas steiniger war der bisherige Karriereweg für

Jovan Milosevic trägt aktuell wieder das VfB-Trikot, wenn auch nicht dieses. © Christian Kaspar-Bartke/Getty Images
Der kam bekanntlich im Sommer 2023 von Vojvodina Novi Sad zum VfB, nachdem der Transfer als eine der letzten Amtshandlungen von Sven Mislintat schon im vorherigen Winter vereinbar worden war. nach einem halben Jahr in Stuttgart, in dem er unter Sebastian Hoeneß nur auf Kurzeinsätze kam, wurde er Anfang 2024 nach St. Gallen verliehen. Dort erzielte er nach sechs Spielminuten im grünen Trikot direkt den Führungstreffer, musste aber nach einer guten halben Stunde verletzt ausgewechselt werden. Er erzielte noch zwei weitere Treffer, zum Stammspieler wurde aber in der Schweiz nicht. Im Sommer 2024 wurde die Leihe verlängert, nach einem Tor in fünf Spielen in der Hinrunde verletzte er sich aber Mitte Oktober erneut und fiel bis Mitte März des vergangenen Jahres aus. Da lief er mittlerweile für Partizan Belgrad, neben Crvena zvezda der zweite große Club seines Heimatlandes auf. Im letzten Spiel der Hauptrunde erzielte er beim 2:0 gegen Radnicki beide Tore, in der Meisterschaftsrunde erzielte er ein weiteres.
Die vergangene Saison verlief für Partizan angesichts der Dominanz von Roter Stern und Silas recht enttäuschend, der Titel war im Grunde schon vor der Meisterschaftsrunde vergeben. Ganz anders diese Saison, in der Partizan während der in Serbien bis Ende Januar andauernden Winter von Platz 1 grüßt. Luka Trbović, den wir schon im Sommer zu Milosevics erstem Halbjahr in Belgrad befragt hatten, führt das auf die erfolgreiche Arbeit von Sdrjan Blagojevic zurück, der mit einer sehr jungen Mannschaft — mit dem Spitznamen Partizan Babies — gut in die Saison startete, nach zwei Niederlagen in Folge inklusive Ausscheiden aus dem Pokal aber entlassen wurde. Zuvor war Partizan bereits aus der Qualifikation für die Europa League und die Conference League geflogen.
Nichts davon konnte aber Jovan Milosevic aufhalten, der Luka zufolge nach den ersten Toren in den Europapokal-Spielen richtig Fahrt aufnahm. Vier mal traf er international, bevor er in 17 Ligaspielen zwölf weitere Treffer folgen ließ. Hinzu kamen insgesamt fünf Vorlagen. Luka zufolge wusste man in Serbien bereits, was für ein Talent Milosevic ist, jetzt konnte er es endlich zur Entfaltung bringen. Davon habe natürlich auch die Mannschaft profitiert. Luka führt an, dass ihm teilweise immer noch etwas die körperliche Stabilität fehle: Als er Anfang November zwei Spiele wegen einer Oberschenkelverletzung verpasste, verlor Partizan prompt gegen Cukaricki mit 1:4, was wie bereits erwähnt den Trainer den Job kostete. Das unterstreicht Luka zufolge die Wichtigkeit, die Milosevic für die Mannschaft hat. Milosevic beschreibt er als sehr vielseitig und bescheinigt ihm eine gute Technik im Abschluss, die seine fehlende Geschwindigkeit wettmache. Milosevic agiere zwar als Mittelstürmer in einem 4–2‑3–1, beteilige sich aber schon in der eigenen Hälfte am Spielaufbau, setze die Flügelstürmer gut ein und schaffe Räume für sie.
Das klingt alles sehr vielversprechend, auch wenn Luka einräumt, dass es schwierig wird, Crvena zvezda den Titel zu entreißen. Umso wichtiger wäre es aus seiner Sicht, dass Milosevic auch in der Rückrunde im schwarz-weißen Trikot auflaufe. Aktuell jedoch trainiert Milosevic wieder in Bad Cannstatt, aber daran kann sich bis Ende des Monats natürlich viel ändern. Im kicker war zu lesen, dass der Spieler ohnehin aktuell keine Perspektive beim VfB sieht und deshalb gerne in Belgrad bleiben würde. Aber auch das ist nicht in Stein gemeißelt, wenn ihm Sebastian Hoeneß und Fabian Wohlgemuth eine gewisse Spielzeit als Herausforderer einräumen, ähnlich wie bei Jeremy Arévalo. Die serbische Nationalmannschaft, für die Milosevic im Herbst debütierte, ist allerdings anders als Ecuador nicht für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Ich bin da zwiegespalten. Eine erneute Leihe bis Sommer würde Milosevic sicherlich gut tun, auf der anderen Seite sähe ich ihn auch gerne bei uns in der Bundesliga, gerade in Spielen wie gegen Hoffenheim, wo wir wenig zentrale Torgefahr einwechseln konnten. Aber vielleicht geben ja schon die ersten Spiele im Januar einen Hinweis darauf, wie es mir Milosevic weitergeht. Sollte er partout nicht beim VfB bleiben wollen, dann hätte er immerhin durch den Erfolg in Belgrad jetzt einen gewissen Markt.
Fest eingeplant beim VfB ist hingegen an kommendem Sommer

Dennis Seimen im Tor des SC Paderborn. © Christof Koepsel/Getty Images
Der gebürtige Heilbronner kam als Zehnjähriger vom KSC zum VfB und durchlief seitdem alle Jugendmannschaften bei uns, inklusive der zweiten Mannschaft in der Regionalliga und der 3. Liga, auch wenn er in der Aufstiegssaison zeitweise verletzungsbedingt pausieren musste. Vergangene Saison stand er dann wie Malanga auch im Champions League-Kader, kam jedoch positionsbedingt nicht zum Einsatz. Erst vor gut einem Monat wurde Seimen 20 Jahre alt — und hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon bei seinem Leibverein, dem SC Paderborn als Stammtorwart etabliert. Der SCP steht in der zweiten Liga nur zwei Punkte hinter Jarzinho Malangas Elversberg auf Platz 4.
Dort beendete die Mannschaft auch die Vorsaison, setze aber im Verlauf der Spielzeit mit Markus Schubert, Pelle Boevink und in der Rückrunde Manuel Riemann drei verschiedene Torhüter ein. Übrig war vor der Leihe von Seimen nur noch Schubert, der aber laut SCP-Podcaster Kevin vom Padercast nicht als Nummer 1 eingeplant war. Man erhoffte sich also von Seimen, dass er sich als Stammtorwart etabliere und war angesichts des guten Rufs Seimens auch optimistisch war das anging. Nach 17 Saisonspielen, in denen der junge Keeper durchgängig auf dem Platz stand und dabei sechs Mal zu Null spielte — darunter zu Saisonbeginn vier Mal in Folge — kommt man nicht umhin zu konstatieren, dass sich die Erwartungen bestätigt haben und dass Dennis Seimen zurecht als unser größtes Torwarttalent seit Bernd Leno zu bezeichnen ist. Für den SCP hat das natürlich den Nachteil, dass er sich damit definitiv für eine Rückkehr zum VfB und die Nachfolge von Alex Nübel empfiehlt, andererseits könne der Verein sich so weiterhin für andere Talente attraktiv machen: “Wir sind eben ein sogenannter Ausbildungsverein, was ich aber nicht negativ sehe.”
Seimen sei in der Hinrunde, wie schon die Zahlen zeigen, eine Bank für den SCP gewesen, so Kevin — gerade angesichts seines Alters. Er habe starke Reflex, ein gutes Stellungsspiel, und mit Ruhe am Ball auch ein gutes Aufbauspiel, selbst im Eins-gegen-Eins und auf der Linie sei gut. In den 17 Spielen kassierte er nur 18 Gegentore, was natürlich nicht nur an Seimen liege, er habe aber laut Kevin einen großen Anteil daran. Gelegentliche Wackler, wie zum Beispiel auch in der U21-Nationalmannschaft, in der er sich neben Bremens Mio Backhaus als Stammkeeper etabliert hat, würden ihn dabei nicht aus der Bahn werfen, sondern gehören nunmal zur Entwicklung junger Spieler. Kevins Urteil: “Seimen hat uns auf der Torhüterposition auf ein neues Level gebracht, ohne ihn in den Himmel loben zu wollen.” Und auch allgemein agiert der SCP auf einem hohen Niveau, reihte in der Hinrunde ganze acht Siege aneinander und das mit einer sehr jungen Mannschaft — die diese Konstanz jetzt auch in der Rückrunde zeigen muss. Nachdem die Serie mit einer Heimniederlage gegen Hannover endete, sei es der Mannchaft schwergefallen, wieder Siege einzufahren, denn nach zwei weiteren Niederlagen in Folge kam bis Weihnachten bei einem Unentschieden nur ein weiterer Sieg hinzu. Zwischen Platz 1 und Platz 7 sei alles drin, wobei die gute Defensive am Ende den Ausschag geben könnte. Ganz nach dem Motto: Offense wins games, defense wins championships. Womit wir wieder bei Dennis Seimen wären.
Wie sich Seimen dann in der kommenden Saison beim VfB präsentiert, hängt natürlich auch mit unserer Erwartungshaltung an einen jungen Torwart zusammen. Bekanntermaßen führen Fehler auf dieser Position schneller zu Gegentoren und Niederlagen und eine Torwart wechselt man auch nicht mal so eben aus wie einen jungen Feldspieler. Freiburg hat mit Noah Atobolu vorgemacht, wie man einen jungen Torhüter trotz Fehlgriffen kontinuierlich aufbaut. Die selbe Geisteshaltung wünsche ich mir auch in Stuttgart, sowohl in der sportlichen Führung, als auch von den Rängen. Wir können es uns nicht erlauben, ein solches Talent zu vergraulen. Denn wenn Seimen so weitermacht, steht ihm eine große Zukunft bevor, abgesehen davon, dass damit endlich wieder ein selbst ausgebildeter Spieler den Sprung in die Bundesliga-Mannschaft schaffen würde. Unabhängig davon braucht der VfB im Sommer auch einen neuen Torwart, denn allem billigen Clickbait und der taktischen Zurückhaltung von Fabian Wohlgemuth zum Trotz ist eine Weiterbeschäftigung von Alex Nübel angesichts dessen Gehaltswünschen und einer möglichen Ablöse völlig utopisch. Drücken wir also Dennis die Daumen, dass er in Paderborn bis Mai noch viele wertvolle Erfahrungen sammelt und geben ihm dann die Zeit, auch bei uns im Tor zu reifen.
Tabellarisch weniger positiv sieht für

Laurin Ulrich bei 1. FC Magdeburg. © Maja Hitij/Getty Images
aus, der mit dem 1. FC Magdeburg lange auf den Abstiegsplätzen der 2. Bundesliga stand und sich erst zuletzt etwas nach oben arbeiten konnte. In der vergangenen Saison landete der FCM nur einen Platz hinter Paderborn auf Platz 5 und musste angesichts seines Erfolgs, genauso wie die zwei Positionen besser platzierte SV Elversberg, seinen Trainer ziehen lassen: Christian Titz wechselte nach Hannover und wurde durch Christian Fiedler, Aufstiegstrainer unserer U21 ersetzt. Für Laurin Ulrich änderte sich also erstmal nicht so viel, als er im Sommer vom VfB nach Sachsen-Anhalt verliehen wurde. Ulrich, wie Seimen Jahrgang 2005, galt lange als das größte Feldspieler-Talent in unserem NLZ. Geboren in Heidenheim wechsele er mit 11 Jahren aus Nattheim nach Bad Cannstatt und debütierte im Oktober 2019 in der U17 — mit damals 14 Jahren. Als die Nachwuchsligen des DFB nach Corona wieder regulär gespielt wurden, führte er die B‑Jugend mit acht Treffern und fünf Vorlagen zur Staffelmeisterschaft im Südwesten und mit zwei Toren im Halbfinal-Rückspiel gegen Hertha ins Finale um die Deutsche Meisterschaft, wo der VfB im Elfmeterschießen an Schalke scheiterte. 2022/2023 machte er für die U19 drei Tore in 16 Spielen und feierte unter Michael Wimmer im November in Leverkusen sogar sein Bundesliga-Debüt — ein ähnlich steiler Aufstieg also wie der ein Jahr jüngere Jarzinho Malanga. Erstmals verpasste er in dieser Saison jedoch auch Spiele wegen Problemen im Hüftbeuger und auch in der Folgesaison sollte er Spiele verpassen, weil er an den Mandeln operiert wurde. Bundesliga-Einsätze kamen unter Sebastian Hoeneß nicht hinzu, stattdessen trug er, mit dann 18 Jahren, drei Tore und zehn Vorlagen zum Drittliga-Aufstieg des VfB II bei und etablierte sich in der Mannschaft als Stammspieler. Es folgte eine Leihe nach Ulm, die wie an dieser Stelle schon berichtet, wenig erfolgreich verlief, so dass der VfB die Leihe zum Winter abbrach und Ulrich in der 3. Liga auflaufen ließ, wo er in der Rückrunde mit drei Toren und sieben Vorlagen seinen Anteil am Klassenerhalt der zweiten Mannschaft hatte. Nun also erneut der Schritt in die zweite Liga, und erneut, wie in Ulm, der Schritt in den Abstiegskampf.
Denn die aktuelle Saison begann für den FCM mit einem Fehlstart, der Mitte Oktober nach nur einem Sieg aus acht Spielen in der Entlassung von Markus Fiedler gipfelte. Die Schuld für den Fehlstart sieht Alex Schnarr vom Podcast Nur der FCM! vor allem beim Geschäftsführer Sport, Otmar Schork, aber auch in der Mannschaft. Die Erwartungen seien durch den Erfolg unter Titz gestiegen, zudem sei der Kader sehr groß und umfasse derzeit 36 Spieler — keine leichten Startbedingungen für Fiedlers erste Trainerstation im Profibereich. Gleichzeitig sei er aber auch geholt worden, um einen ähnlichen Stil wie den von Titz mit viel Ballbesitz zu implementieren, zumal auch die Mannschaft darauf eingestellt war. Wie sich unter Fiedlers Nachfolger Petrik Sander herausstellte, wollte sich aber die Mannschaft und insbesondere die Führungsspieler zu wenig auf Fiedler einstellen und spielte schließlich geradezu gegen ihn, dem dann auch die Rückendeckung von Schork in dieser Situation fehlte. Der habe auch zu lange gebraucht, um einen Nachfolger für Titz zu finden und konnte auch für Martijn Kaars, der zu St. Pauli wechselte, keinen Ersatz finden. Unabhängig davon seien die Erwartungen an Ulrich trotz seiner Bilanz im VfB-Nachwuchs vor der Saison nicht besonders groß gewesen, so Alex, auch wenn die Verbindung zu Fiedler natürlich in der ursprünglichen Konstellation natürlich auch für ihn sprach.
Im Laufe der Hinrunde sollte sich Ulrich zu einem “unumstrittenen Leistungsträger” entwickeln, so Alex, dem man auch in Bezug auf den Trainerwechsel keinen Vorwurf machen konnte. Gerade in Phasen, in denen es besonders schlecht lief, sei Ulrich einer der wenigen Lichtblicke gewesen, auch wenn er aufgrund seines Alters nicht der klassische Führungsspieler sein konnte. Das belegen auch die Zahlen: In 16 von 17 Spielen stand er in der Startelf und spielte auch häufig über 90 Minuten. Unter Petrik Sander und seinem Trainerkollegen Pascal Ibold scheint zudem der Erfolg zurückgekehrt zu sein, der FCM gewann drei der letzten vier Spiele vor der Winterpause. Alex lässt durchblicken, dass die beiden gar nicht so viel ändern mussten und dass auch Fiedler mit ein wenig mehr Ergebnis- und Spielglück noch im Amt sein könnte, weil die Mannschaft auch bei Niederlagen nie chancenlos war, sondern sich vorne und hinten nur sehr unglücklich anstellte. Nach dem 3:2 in Kaiserslautern vor Weihnachten schaffte die Mannschaft den Sprung auf Platz 15 und Sander und Ibold wurden von der Interims- zur Dauerlösung.
Ulrich agierte in Augsburg primär im offensiven Mittelfeld, unter Fiedler im in Stuttgart wohlbekannten 4–2‑3–1, unter Sander und Ibold in einem offensiven 4–3‑3, was wir von Sebastian Hoeneß auch schon gesehen haben. Alex bekennt sich als Fan von Laurin Ulrich und lobt vor allem sein Positionsspiel und seine Übersicht. Ulrich sei immer anspielbar und bewege sich nach der Ballabgabe sofort in die richtigen Räume. Zudem sei er auch im Passspiel sehr offensiv orientiert — eine Fähigkeit, die seinen ehemaligen und hoffentlich zukünftigen Mannschaftskollegen im Brustring mitunter auch abgeht, wenn statt dem mutigen Pass ins gegnerische Pressing lieber der Sicherheitspass gewählt wird. Was ihm lediglich noch fehle, sei die Torgefahr, obwohl er in gute Abschlusspositionen komme. Sich in dieser schwierigen Hinrunde auf einem höheren Niveau nicht nur unter dem ihn bekannten, sondern auch unter einem neuen Trainer behauptet zu haben, dürfte Ulrichs Entwicklung zudem weiter stärken. Alex’ Urteil nach einer Halbserie: “ür mich ist Laurin Ulrich ganz klar ein Bundesligaspieler und wenn er jetzt noch eine gewisse Torgefahr entwickelt, dürften ihm sehr viele Türen offen stehen.”
Wie schon bei seinen drei Kollegen klingt auch der Rückblick auf Laurin Ulrichs Hinrunde sehr vielversprechend. Auch wenn er nicht wie Malanga und Seimen um den Bundesliga-Aufstieg oder wie Milosevic um die serbische Meisterschaft mitspielen, kann eine wichtige Rolle in einem schwierigen Umfeld, wie Alex schon sagt, einen wichtigen Schritt in seinem Reifeprozess darstellen. Und das ist es ja letztlich, worauf Leihen die Spieler vorbereiten sollen: Höhere sportliche Ansprüche, denen sie auch die Gelegenheit haben, sich zu stellen, aber auch eine aber auch ein anspruchsvolleres Umfeld, als es das in der zweiten Mannschaft oder den Nachwuchsmannschaften gibt. Sollte Laurin so weiter machen, dann hat es sich auf lange Sicht durchaus gelohnt, dass man ihm von einem Verbleib überzeugen und von einem Wechsel zu den Bayern abbringen konnte. Welche Position er dann bekleidet und wen er dann herausfordert, wird sich im Sommer zeigen.
Als ich vor acht Jahren zum ersten Mal auf die Hinrunde der Leihspieler (siehe oben) zurückblickte, stellte ich mir die Frage: “Wie sinnvoll sind Leihgeschäfte?” und beantwortete sie auch direkt: “Sechs Spieler hat der VfB also verliehen, nur einer von ihnen hat realistische Chancen, beim VfB noch einmal Fuß zu fassen. (…) Die Gründe, warum sich die Spieler beim VfB nicht durchgesetzt haben, sind dabei ganz unterschiedlich. Pauschal lässt sich also nicht wirklich eine Aussage über die Sinnhaftigkeit von Leihgeschäften treffen.” Nach dieser Hinrunde habe ich zum ersten Mal das Gefühl, dass alle Leihen nicht nur dem Spieler und dem Leihverein, sondern auch dem VfB geholfen haben. Ich lege mich mal fest, dass wir Dennis Seimen ab kommender Saison im VfB-Tor sehen werden. Wenn dann auch noch Jarzinho Malanga und Laurin Ulrich in die Mannschaft hineinwachsen und Jovan Milosevic uns entweder eine passable Ablöse einbringt oder eine gute Alternative im Sturm darstellt, kann man wirklich sagen: Leihgeschäfte sind sinnvoll. Ich bin gespannt auf die Rückrunde.
Titelbild-Collage: © siehe Bildunterschriften









































