come-on-fc.com
·1 March 2026
Die DFL plant Einführung einer U21-Liga – Lukas Berg im Interview über die Bedeutung für den 1. FC Köln

In partnership with
Yahoo sportscome-on-fc.com
·1 March 2026


Daniel Mertens
1 März, 2026
Lukas Berg, technischer Direktor beim 1. FC Köln, sprach im Interview mit come-on-fc.com über die Gedanken, die sich der FC zur möglichen U21-Liga macht und äußerte seine Wünsche zur Verbesserung der Talent-Förderung.

Lukas Berg vom 1. FC Köln
Wir wollen weiter wachsen. Folgt uns auf Instagram und Facebook. Unter den jeweils ersten 5000 Instagram und 5000 Facebook Followern verlost come-on-fc.com je einen Gutschein im Wert von 50 Euro für den FC Fanshop. ** Zu den Teilnahmebedingungen und come-on-fc.com.
Ihr wollt immer aktuell informiert sein? Folgt unserem WhatsApp-Kanal



Lukas Berg: Wir begrüßen es, dass man sich im gesamten Land Gedanken darüber macht, wie wir den Übergang von Spielern aus dem Nachwuchs- in den Profifußball meistern. Wenn ich für uns hier am Geißbockheim spreche, investieren wir bereits unheimlich viel auf und neben dem Platz in der Akademie – insbesondere im Übergangsbereich – um das zu schaffen. Das ist an anderen Standorten auch so, weil es eine Lizenzierungsvorgabe ist. Aber wie viele selbst ausgebildete Talente schaffen wirklich den Sprung in die Profiligen? Im europäischen Vergleich sind das gemessen an dem Aufwand, der in Deutschland betrieben wird, zu wenig. Deswegen ist es gut, dass sich in Deutschland Gedanken gemacht werden und auch ins Ausland geschaut wird, um sich erfolgreiche Maßnahmen abzuschauen. Wir begrüßen das sehr.
Lukas Berg: Wir müssen natürlich schauen, wie der Vorschlag in unsere Welt beim FC passt. Wir haben etwa vor knapp drei Jahren das Konzept der U21 komplett verändert. Wir haben uns damals Gedanken gemacht, wie wir den Übergang aus dem Nachwuchsbereich zu unseren Profis durchlässiger gestalten können. Wir sind, anders als andere Vereine, wirklich darauf angewiesen, dass wir hervorragende Jugendarbeit machen und diese auch Früchte trägt. Titel im NLZ-Bereich sind relativ wenig wert, wenn wir keinen der Jungs in der Profimannschaft sehen.
Wir müssen beim FC unsere Eigengewächse in den Profifußball bringen, weil wir uns nicht so auf dem Transfermarkt bewegen können wie andere Clubs, die für hohe Geldsummen am Ende der Ausbildungszeit junge Spieler aus dem Ausland transferieren. Das ist nicht unser Ansatz. Nicht nur, weil wir das nicht in diesem Maße können, sondern auch, weil wir es nicht wollen. Dementsprechend ist unsere Struktur im Übergangsbereich seit drei Jahren schon darauf ausgelegt, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass möglichst viele selbst ausgebildete Nachwuchsspieler durchkommen.
Lukas Berg: Früher hatten wir eine U23-Mannschaft. Das war eine Art Klub im Klub, wo es eher darum ging, die Klasse zu halten. Dementsprechend wurden auch viele Spieler von außen dazugeholt, die bereits Seniorenerfahrung hatten. Heute haben wir auf eine U21 umgestellt – also quasi unsere letzte Juniorenmannschaft, die aber unter Vollprofibedingungen arbeitet. Die Mannschaft ist so zusammengestellt, dass die Spieler, die für diese Mannschaft spielen, anschließend eine Profi-Perspektive besitzen. Es geht darum, in der U21 so viele Jungs so früh wie möglich aufs Feld zu bekommen, denen wir den Sprung in den Profi-Fußball zutrauen, ob nun bei uns oder in einem anderen Verein, das wird sich zeigen. Aber wir übernehmen oder verpflichten in der Regel keine Spieler mehr, bei denen wir annehmen, dass die Regionalliga schon das höchste der Gefühle ist. Das gilt natürlich nicht für unsere erfahrenen Spieler, die eine andere Rolle im Kader einnehmen. Natürlich wissen wir, dass die Mannschaft dadurch sehr jung wird und wir sportliche Ausschläge nach oben und nach unten in Kauf nehmen müssen.
Lukas Berg: Aktuell sind in der Regionalliga West sieben Zweitvertretungen vertreten. Damit haben wir schon einmal zwölf Spiele nur unter U-Mannschaften über die gesamte Saison auf sehr hohem Niveau. Dazu kommen die Spiele gegen gestandene Seniorenteams. Die Regionalliga West bietet für uns aktuell in dieser Konstellation sehr gute Voraussetzungen, um unsere jungen Spieler frühzeitig an den Seniorenbereich heranzuführen. Wir haben für uns also schon viele Probleme gelöst, die an anderer Stelle jetzt unter anderem mit der U21-Liga angegangen werden. Diese ist natürlich für jene Vereine hoch interessant, die derzeit keine eigene U21 haben und ihre Top-Talente auf Spielzeit bringen müssen. Für uns geht es vielmehr darum, was wir noch zusätzlich benötigen.

Lukas Berg: Da sprechen wir von vielleicht zehn Spielen, die noch einmal dazukommen. Das führt zu einer deutlich höheren Belastung und dazu, dass man die Kader vielleicht noch einmal anders aufstellen muss. Der Vorschlag sieht ja vor, dass Spieler im Alter zwischen 16 und 21 Jahren zum Einsatz kommen dürfen. Was nicht passieren darf, ist, dass wir auf einmal zu viele Spiele haben und dann die Vereine in der neuen Spielrunde vermehrt Ergänzungsspieler einsetzen. Wir wägen daher aktuell noch ab, wie dieser Vorschlag zu unserer Ausrichtung passt, weil wir eben in dieser Stoßrichtung bereits einiges unternommen haben.
Lukas Berg: Nein, wir wurden mitten in der Transferphase erst im Detail über die Pläne informiert. Wir wissen also noch gar nicht so lange, wie der detaillierte Modus aussieht, wer zum Einsatz kommen darf, wie viele Spiele es geben wird und wie die Organisation konkret ausgestaltet ist.
Lukas Berg: Das ist die Frage, die wir uns stellen: Wie kriegen wir das überhaupt mit unseren Platzkapazitäten am Geißbockheim hin? Da kommt wieder die altbekannte Problematik ins Spiel. Wenn man an der neuen Liga teilnimmt, verpflichtet man sich eben auch dazu, seine Plätze zur Verfügung zu stellen, sodass beispielsweise ein Spiel zwischen Hamburg und Mainz in der Mitte ausgetragen werden kann. Das ist für uns faktisch nicht möglich, weil wir bei den Platzkapazitäten jetzt schon an unsere Grenzen stoßen.
Lukas Berg: Wir sind dabei, eine interne Haltung zu entwickeln. Wir schließen noch gar nichts aus oder ein, weil wir es aus verschiedenen Perspektiven betrachten müssen. Was gewinnen wir dadurch und was ist sowieso schon über unsere eigene Struktur abgedeckt? Aktuell sind wir aber noch ergebnisoffen und es gibt keine Tendenz in eine Richtung. Ich sehe aber andere Probleme viel akuter.
Lukas Berg: Das sind die Parallelansetzungen der Spiele unserer Lizenzmannschaft und den U21-Junioren. Ich habe einmal mit Frank Schaefer über diese Thematik gesprochen. Und er sagte, dass man sich selbst zu seiner Zeit als Akademieleiter zwischen 2013 und 2015 die Zähne an diesem Thema ausgebissen habe. Er sagte: Das kannst du vergessen, da wird sich keiner bewegen. Aber das ist ein Thema, bei dem unsere Ausbildung ad absurdum geführt wird.
Lukas Berg: Was passiert denn mit den Spielern im Übergangsbereich, die vielleicht fünf, sechs Wochen am Stück im Kader der Profis sind, weil sie gut trainieren, dadurch eine Kaderoption sind, aber dann in der Bundesliga kaum Einsatzzeiten bekommen? Es wäre perfekt, wenn die Jungs einen Tag danach 90 Minuten in der Regionalliga spielen könnten. Das lassen die parallelen Ansetzungen der Spiele aber nicht zu und behindern dadurch die Entwicklung der Spieler im Übergangsbereich massiv. Hinzu kommen zahlreiche Aspekte, die verloren gehen, wenn die Spiele parallel stattfinden. Es macht für die Entwicklung eines Spielers einen Unterschied, ob er vor 2000 oder 300 Zuschauern spielt.
Natürlich gibt es Sicherheitsaspekte, die bei den U21-Spielen beachtet werden müssen. Die möchten wir nicht wegdiskutieren – ganz im Gegenteil. Das Spiel muss sicher ablaufen können. Aber eine pauschale Parallelansetzung, um allen organisatorischen Herausforderungen aus dem Weg zu gehen, kann und darf nicht die Lösung sein. Hierdurch greift eine Drittpartei natürlich massiv in den Wettbewerb und in unsere tägliche Arbeit ein. Hier macht man sich das Leben durchaus einfach und uns ungleich schwerer.
Lukas Berg: Und ob! Wir haben vor einiger Zeit ein seitenlanges Positionspapier mit unserer Haltung an den Westdeutschen Fußballverband, den Deutschen Fußball-Bund und die ZIS (Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze bei der Polizei, Anm. d. Red.) geschickt, leider ohne Erfolg. Wir waren als FC die treibende Kraft und alle anderen Lizenz-Vereine mit U21-Mannschaften in der Regionalliga West haben mitunterzeichnet. Wir haben detailliert argumentiert, warum wir in der Talente-Entwicklung behindert werden. Leider kam hier monatelang keine Reaktion, was schon sehr verwunderlich war. Nach mehrmaligen Nachfragen ist das Thema dann aber mehr oder weniger abgebügelt worden – sehr schade.
Der 1. FC Köln strebt mittelfristig den Sprung mit der U21 in die 3. Liga an. Lässt sich der Zeitplan genauer skizzieren?
Natürlich sind wir extrem ambitioniert und wollen perspektivisch aufsteigen. Die 3. Liga wäre noch einmal eine andere Umgebung mit anderen Stadien und anderen Gegnern, auf die unsere Jungs treffen würden. Wir gehen aber nicht hin und rufen den Aufstieg als Ziel aus. Wenn wir auf den aktuellen Kader schauen und alle Jungs nächstes Jahr noch einmal zusammenhätten, würden wir vielleicht direkt von Beginn an eine gute Rolle spielen . Aber wir haben einige Jungs dabei, denen wir den nächsten Schritt zutrauen und bei denen wir über den nächsten Schritt nachdenken, um den nächsten Impuls zu geben – entweder durch den Sprung in unseren Profikader oder über eine Leihe in eine höhere Liga. Wir wehren uns nicht gegen den Aufstieg, weil es die höchstmögliche Ausbildungsplattform wäre. Aber die individuelle Entwicklung der Spieler steht immer im Vordergrund. Da nehmen wir größere Umbrüche zu Beginn einer Spielzeit gerne in Kauf.
Lukas Berg: Genau, die Sicherheitsaspekte würden auch in der neuen U21-Liga zum Thema, wenn es dann nochmals einen Wettbewerb gegen Borussia Mönchengladbach zum Beispiel gäbe. Da bin ich mal gespannt, ob die ZIS dann wieder sagt, dass wir aber morgens um 11 Uhr ohne Zuschauer spielen müssen. Dann erfüllst du wieder nicht den Auftrag, einen 17-Jährigen mal mit Zuschauern und der aktiven Fanszene in Kontakt zu bringen und mal zu erleben, wie gejubelt wird, wenn ein Tor fällt.
Lukas Berg: Natürlich sind wir extrem ambitioniert und wollen perspektivisch raus aus der Liga. Die Dritte Liga wäre noch einmal eine andere Umgebung mit anderen Stadien und anderen Gegnern, auf die unsere Jungs treffen würden. Wir gehen aber nicht hin und rufen den Aufstieg als Ziel aus. Wenn wir auf den aktuellen Kader schauen und alle Jungs nächstes Jahr noch einmal zusammen haben, steigert sich die Wahrscheinlichkeit natürlich. Aber wir haben Jungs dabei, denen wir den nächsten Schritt zutrauen und bei denen wir über eine Leihe nachdenken, um den nächsten Impuls zu geben.
Dadurch leidet dann natürlich wieder die Kader-Qualität. Wir wehren uns nicht gegen den Aufstieg, weil es die höchstmögliche Ausbildungsplattform wäre. Aber die individuelle Entwicklung steht absolut im Vordergrund. Und natürlich ist da auch Druck drauf, weil die Akademie Teil des Profi-Bereichs ist und auch liefern muss.
Lukas Berg: Wir würden nichts verändern.
Live









































