VfL Osnabrück
·26 April 2026
Ein langer Weg zum großen Moment: Riesselmann vollendet seine Geschichte

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·26 April 2026

Mit dem entscheidenden Treffer in der Nachspielzeit erfüllte sich Bernd Riesselmann am gestrigen Samstagnachmittag einen lang ersehnten Traum und schloss zeitgleich gewissermaßen einen Kreis. Der Nachbrenner.
Es gibt wohl keinen besseren Zeitpunkt, um seinen ersten Treffer für den VfL an der Bremer Brücke zu erzielen. In der fünften Minute der Nachspielzeit nahm der wenige Augenblicke zuvor erst in die Partie gekommene Bernd Riesselmann den langen Pass von Kai Pröger zunächst per Brustannahme mit und setzte dann zum Sprint auf den Kasten von Philipp Schulze an. Auf dem langen Weg hatte der 20-Jährige dabei auch viel Zeit, um nachzudenken, wie er im Interview bei VfL-TV verriet: „Da waren sehr, sehr viele Gedanken da. Ich habe schon an Chancen gedacht, die ich vergeben hatte, und wollte es dieses Mal anders machen. Im Training habe ich es auch schon mal ein-, zweimal probiert, den Ball vorbeizulegen. Und so habe ich gesehen, dass der Torwart einen Schritt gemacht hat, habe den Ball vorbeigelegt und den Ball zum Glück eingeschoben.“ Anschließend gab es für alle Beteiligten kein Halten mehr, sodass die gesamte Auswechselbank, inklusive Cheftrainer Timo Schultz, quer über den Rasen zum Siegtorschützen lief. Dabei hatte der 48-Jährige mit seinen Einwechslungen einmal mehr den richtigen Riecher. „Ich habe immer davon geträumt, die Brücke einmal zum Beben zu bringen. Der Trainer meinte auch bei der Einwechslung: Heute ist es so weit. Und ich bin froh, dass ich es jetzt endlich geschafft habe“, erklärte Riesselmann nach der Partie.
Dabei war die Halbzeitstimmung an der Bremer Brücke noch eine ganz andere. Schließlich geriet der VfL in der 27. Minute durch ein Eigentor von Jannik Müller in Rückstand. Zuvor unterlief Fridolin Wagner im Aufbauspiel ein folgenschwerer Fehlpass. „Bis dahin haben wir eigentlich alles richtig gemacht. Und das ist einfach ein kapitaler Fehler von mir. Ich sehe ihn nicht und muss ihn einfach nach vorne wegspielen. Ich bringe meine Mannschaft damit in Bedrängnis. Aber wir haben so ein Teamgefüge, dass wir einander aufbauen, egal, wer da einen Fehler macht. Und dass wir heute das Spiel drehen konnten, fühlt sich für mich nochmal dreimal besser an, weil hätte der Fehler uns drei Punkte gekostet, hätte mich das sehr, sehr doll geärgert. Deswegen großen Dank an die Mannschaft“, zog Fridolin Wagner bei MagentaSport am Ende ein positives Tagesfazit. Abgesehen von der Situation vor dem 0:1 zeigte auch der Mittelfeldakteur eine gewohnt souveräne Leistung und legte mit einer Passquote von 80 Prozent den zweitbesten Wert unter allen VfL-Spielern an den Tag. Noch passsicherer war nur Yigit Karademir, der 90 Prozent seiner Zuspiele an seine Mitspieler brachte. Der Innenverteidiger zeigte nach seiner abgesessenen Gelbsperre ebenfalls eine blitzsaubere Leistung und gewann in den Defensivduellen 71,4 Prozent seiner Zweikämpfe. Insgesamt weist die komplette Osnabrücker Mannschaft mit einer Zweikampfquote von 53,4 Prozent den zweitbesten Wert des bisherigen Spieltags auf. An der Spitze steht dabei Patrick Kammerbauer, der 77,3 Prozent seiner Duelle für sich entschied. Nur Leopold Wurm vom SSV Jahn Regensburg war an diesem Spieltag noch erfolgreicher.
Auf der linken Außenbahn rückte Frederik Christensen gestern wieder in die Startelf und zahlte das Vertrauen in der 47. Minute mit seiner fünften Saisonvorlage zurück. Mit 51 Ballaktionen – und damit den meisten des Spiels – wusste der Däne zu überzeugen und bereitete mit seiner Flanke den Treffer zum 1:1 vor, den niemand Geringerer als Bjarke Jacobsen erzielte. Bereits zum dritten Mal blühte beim VfL in dieser Saison das „Danish Dynamite“ auf. „Der Sieg heute war besonders, weil es ein Endspiel war. Es gibt zwar noch ein paar Spiele, aber wir kennen unsere Situation und wir wissen, wie viel der Sieg heute für uns bedeutet. Deswegen hat es heute eine extra Bedeutung“, zeigte sich der Torschütze bei VfL-TV überglücklich. Mit 23 Zweikämpfen führte Jacobsen erneut die meisten beim VfL. Zwar gewann der 32-Jährige gegen die Verler nur 40 Prozent seiner Luftzweikämpfe, entschied dafür aber den entscheidenden im gegnerischen Strafraum für sich.
„Für uns war es natürlich ein überragender Zeitpunkt zum Ausgleich. Ich denke, hinten raus war es klar, dass Verl da nochmal das Risiko erhöhen wird. Das haben wir einkalkuliert. […] Natürlich wussten wir, dass da nochmal ein, zwei Situationen kommen, in denen der Torwart nach vorne geht und die letzte Kette hochsteht. Und dass Bernd den dann so eiskalt reinhaut, freut mich für uns alle, aber vor allem auch für ihn persönlich“, erklärte Timo Schultz auf der Pressekonferenz nach der Partie. In den 94 Minuten vor dem erlösenden Siegtreffer sah der Chefcoach allerdings auf beiden Seiten kaum Torschussszenen. So ließ die lila-weiße Defensivkette mit acht zugelassenen Abschlüssen die zweitwenigsten des bisherigen Spieltags zu, kam selbst aber ebenfalls nur auf acht Torschüsse. „Wir haben alle drei Tore selber geschossen. Das sagt auch schon einiges aus. Verl hatte Anfang der zweiten Halbzeit noch eine Chance, ansonsten hat die offensivstärkste Mannschaft der Liga sehr, sehr wenig gehabt“, lobte Schultz bei MagentaSport die engagierte Defensivleistung seiner Mannschaft.
Trotz des enorm wichtigen Sieges und seines Jubellaufs nach dem 2:1 pflegte Schultz in seinen Aussagen nach der Partie Gelassenheit. Schließlich ist der Aufstieg für den VfL noch nicht perfekt. So richten sich alle lila-weißen Augen am heutigen Sonntag nach Köln, wo der FC Energie Cottbus beim FC Viktoria Köln antritt. Sollten die Brandenburger gegen die Domstädter verlieren, wären die Osnabrücker offiziell aufgestiegen. Grund zum Feiern gab es aber auch schon gestern: Schließlich sicherte sich der VfL dank der drei Punkte nicht nur mindestens den dritten Relegationsplatz, sondern auch die Teilnahme am DFB-Pokal in der kommenden Saison. Dass dafür ausgerechnet Bernd Riesselmann verantwortlich war, der im Mai des vergangenen Jahres im Dress von Blau-Weiß Lohne noch im NFV-Pokalfinale mit seinem Treffer dafür sorgte, dass die Lila-Weißen mit 2:4 verloren und die Teilnahme am DFB-Pokal verpassten, macht den gestrigen Tag zu einem runden Abschluss. So durfte sich das VfL-Eigengewächs völlig zurecht nach Abpfiff der Partie vor der Ostkurve feiern lassen und durfte auf dem Zaun zum Humba-Tanz bitten (Zum Jubelvideo). Dieser soll dann spätestens in zwei Wochen, im Heimspiel gegen den SSV Ulm, aber sicherlich auch am kommenden Sonntag beim Gastspiel in Wiesbaden (Anpfiff: 16:30 Uhr) wiederholt werden.
Text: Jendrik Greiwe Fotos: Marc Niemeyer & Jonas Jürgens
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