REAL TOTAL
·2 February 2026
Ein Spiel als weitere Blaupause: K(r)ampf auf so vielen Ebenen

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Es läuft weiter holprig bei den Königlichen – Foto: Denis Doyle/Getty Images
Fußball ist und bleibt in erster Linie ein Ergebnissport. Und blickt man auf die nackten Ergebnisse Real Madrids in den jüngsten Partien, ist – mit Ausnahme des Wahnsinns von Lissabon in der Königsklasse unter der Woche – seit dem Ausscheiden aus der Copa gegen Albacete (2:3) rein von den Resultaten ein positiver Trend erkennbar: Sieg gegen Levante (2:0), ein überzeugendes 6:1 gegen Monaco, ein 2:0-Auswärtserfolg beim Drittplatzierten Villarreal und nun ein, wenngleich in der Entstehung glückliches, 2:1 über Rayo Vallecano. Auch deshalb reagierte Álvaro Arbeloa auf der Pressekonferenz nach dem Last-Minute-Erfolg über den Stadtrivalen wohl etwas dünnhäutig, als er auf die erneut sehr uninspirierte und spielerisch wenig überzeugende Vorstellung seiner Mannen angesprochen wurde.
„Wir haben zuletzt in Lissabon nicht gewonnen, hatten aber beim Tabellendritten gewonnen, hier gegen Monaco ein großartiges Spiel gemacht, ebenso wie in der zweiten Halbzeit gegen Levante, das kein so schlechter Gegner ist. Ich verstehe die Erwartungen bei diesem Klub, weiß aber auch, woher wir kommen. Man will immer besser werden, diese Steigerung soll dann konstant sein. Aber im Leben gibt es diese Steigerung auch nicht ohne Phasen, in denen es nicht so klappt“, versuchte der 43-Jährige seine Mannschaft merklich in Schutz zu nehmen, um die Presserunde fast schon trotzig abzuschließen: „Ihr habt das Glück, einen Trainer vor euch zu haben, dem ihr nicht erklären müsst, wie es bei Real Madrid ist.“
Wer gewinnt, hat Recht, heißt es im Fußball-Volksmund ja so schön. Die aktuell doch arg schwankenden Leistungen der Blancos jedoch lediglich mit den einigermaßen passenden Ergebnissen herunterzuspielen, würde der aktuellen Situation rund um das Bernabéu nicht ansatzweise gerecht werden. Denn manchmal ist im Fußball eben nicht nur der Blick auf die Ergebnisse entscheidend. Und legt man den Auftritt der Königlichen gegen Rayo zugrunde, dürfte eines klar sein: Den Madrilenen und seinen Fans stehen extrem harte Wochen bevor.
Vier dieser nächsten Wochen müssen die Blancos dabei ohne Jude Bellingham auskommen. Der Engländer zog sich bei einem Sprint in der 9. Minute eine Muskelverletzung am linken hinteren Oberschenkel zu und soll gemäß Medienberichten rund einen Monat nicht zur Verfügung stehen. Nicht die erste langwierige Verletzung in dieser Spielzeit – und in gewisser Weise auch eine mit Ansage (mal davon abgesehen, dass sich Bellingham schon bei der Platzbegehung genau an diese Stelle gefasst hatte): Während in den vergangenen Wochen immer mal wieder die mangelnde Rotation und mögliche Überlastungserscheinungen angeprangert wurden, sprach Arbeloa vor der Partie manchen Akteuren mehr oder weniger eine Einsatzgarantie aus – namentlich Thibaut Courtois, Fede Valverde, Kylian Mbappé, Vinícius Júnior und eben Bellingham: „Ich verstehe die Diskussionen, aber ich will immer die Besten auf dem Platz haben. Je mehr Minuten sie dem Team zur Verfügung stehen können, desto besser. Die fünf genannten Spieler gehören zu den zehn besten der Welt, weshalb sie mein vollstes Vertrauen genießen und nicht nur deshalb – es geht einfach um ihre Leistung auf dem Platz.“
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Doch auch spätestens jetzt dürfte auch Arbeloa klar sein: Ohne ein entsprechendes Minuten-Management – Reals letzte 17 Partien in Liga, CL und Supercopa hatte Bellingham immer durchgespielt – wird es in den nächsten Wochen nicht funktionieren, zumal man durch die Playoffs in der Champions League zwei (vermeidbare) zusätzliche englische Wochen hinzubekommen hat und man dem Kader weiterhin die fehlende Sommer-Vorbereitung aufgrund der Klub-WM anmerkt. Und ob sich Reals Cheftrainer, der sichtlich darum bemüht ist, die Schwergewichte in der Kabine ruhig zu stellen, mit den quasi ausgesprochenen Stammplatzgarantien mittelfristig einen Gefallen getan hat, darf ebenfalls bezweifelt werden.
Dass dies zu großen Teilen auch in der fehlerhaften Kaderplanung begründet liegt (zu wenig Innenverteidiger, fehlender spielerischer Sechser, nur ein echter Mittelstürmer), wurde mittlerweile ebenfalls zu Genüge diskutiert. Hinzu kommen eben auch einige Akteure, die immer wieder positionsfremd aushelfen müssen (Valverde, Camavinga, Tchouaméni) oder auf Positionen eingesetzt werden, die nicht zwangsläufig ihrem Profil entsprechen (Gonzalo, Arda Güler). Dazu gesellt sich ein äußerst statisches Auftreten im Ballbesitz und ein allzu oft alles andere als sattelfettes Defensivverhalten, das lediglich durch individuelle Glanzleistungen, insbesondere durch Courtois, irgendwie kaschiert wird. Zwar schafft es die Mannschaft immer wieder, positive Ausreißer einfließen zu lassen (Bilbao, Betis, Monaco), doch insgesamt wirkt es so, dass die Blancos spielerisch stagnieren – ohne großartige Aussicht auf Besserung.
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So wirkte die Partie gegen Rayo nahezu wie eine Blaupause der letzten Monate, in der alle Problemfelder kumuliert zu Tage traten: Ein gellendes Pfeifkonzert zu Beginn, das das aktuell zerrüttete Verhältnis zu den Fans deutlich widerspiegelt. Bellinghams Verletzung, stellvertretend für das seit Saisonbeginn (beziehungsweise seit Jahren) üppig besetzte Lazarett der Königlichen. Eine Startelf mit einigen Akteuren, die positionsfremd agieren mussten und ein spielerischer Auftritt, der arg zu wünschen übrig ließ, von individuellen Glanzmomenten einzelner Spieler lebte und lediglich durch das Endergebnis zumindest eine leichte positive Note erhielt. Die entscheidende Frage ist jedoch: Ist mit diesem Mix eine erfolgreiche Saison überhaupt möglich?
Es wirkt ohnehin nahezu wie ein Wunder, dass die Madrilenen trotz ihrer derart schwankenden Leistungen in der Meisterschaft noch am Leben sind. Und auch in der Champions League stehen die ganz dicken Brocken erst bevor (gegen Liverpool und ManCity hat man in der Ligaphase bereits verloren) – unter der Voraussetzung, man nimmt die Hürde Benfica. Dass die Königlichen bis zum Ende um beide Titel konkurrieren, scheint in Anbetracht der aktuellen Situation und Umstände eher unwahrscheinlich. Insbesondere das angespannte Verhältnis zu der Anhängerschaft und die angespannte Stimmung an der Concha Espina sorgen für permanenten Zündstoff. Selbst in der Kabine scheint es immernoch eher angespannt als harmonisch herzugehen, so hat auch REAL TOTAL erfahren: Kaum noch jemand traut sich etwas zu sagen, Kritik zu üben, ehrlich zu sein, Druck zu machen.
Auch hier wollte Arbeloa nicht weiter Öl ins Feuer gießen, ließ aber durchblicken, dass eine Besserung der Situation und ein etwaiger Titelgewinnen nur im Schulterschluss mit den Fans möglich ist: „Ich respektiere das Publikum im Bernabéu sehr und werde es immer um Unterstützung bitten. Ich respektiere alle Meinungen und habe ein Publikum gesehen, das uns am Ende zum Sieg verholfen hat. Ohne sie wäre dieses Tor sicherlich nicht zustande gekommen. Ich sage immer, dass die Spieler das enorm spüren und brauchen. Sie sind besser, wenn das Publikum hinter ihnen steht.“
Dahingehend nahm Reals Cheftrainer auch seine Spieler nochmals in die Pflicht: „Was ich von meinen Spielern sehen wollte, ist das, was ich sehe: Einsatz, Einstellung, Mentalität, das Wissen, dass Qualität allein nicht reicht, wenn wir jedes Spiel gewinnen wollen. Anstrengung und Lust müssen immer da sein. Wir werden an der Konstanz arbeiten, denn wir brauchen sie.“ Ob das für die kommenden Wochen jedoch ausreichend sein wird, darf aktuell stark bezweifelt werden.
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