Miasanrot
·8 May 2026
FC Bayern nach dem Aus: Fünf Erkenntnisse aus der Champions-League-Saison

In partnership with
Yahoo sportsMiasanrot
·8 May 2026

Der FC Bayern präsentierte sich in der Champions League einmal mehr in der Vorrunde erfolgreicher als in der K.-o.-Phase. Diese Saison bietet dennoch Grund für Optimismus.
Das Halbfinale ist vorbei. Die Champions-League-Saison ist für den FC Bayern beendet. Ein langes und ereignisreiches Jahr liegt hinter den Münchnern. Die diesjährige Spielzeit bot einiges an Gesprächsstoff, und mehrheitlich wurde dabei der Hype-Train angefeuert. Heldengeschichten wurden geschrieben – und trotzdem fühlt es sich nun an, als wäre alles viel zu schnell vorbei gegangen.
Der sechsmalige Turniersieger wurde von Paris Saint-Germain abrupt aus einem Rausch der gefühlten Unbesiegbarkeit geholt – und das zumindest spielerisch relativ deutlich. Vielen wurde gestern bewusst, dass auch diese Bayern-Mannschaft noch Grenzen hat.
Und das ist nichts Schlechtes. Aus Fehlern lernt man. Deshalb stößt Miasanrot das Ganze einmal an und gibt fünf Erkenntnisse, die man aus der 25/26-Ausgabe des Henkelpotts ziehen kann.
Die dominanteste Zeit des Rekordmeisters fand mal wieder im Herbst statt. Bezeichnend dafür: das Aus gegen eine Mannschaft, die im besagten Herbst noch in Unterzahl geschlagen werden konnte. – mit einem Kampfeswillen und einer Klasse, die im Halbfinal-Rückspiel schmerzlich gefehlt haben. Die Rückrunde war dagegen deutlich wechselhafter. Selbst die restlichen Ligapartien wurden weniger zwingend gewonnen als noch in der Frühphase der Saison.
Ein Muster, das in den letzten Jahren häufiger auftrat. Im aktuellen Jahrzehnt stehen erst vier (!) Gruppen-/Ligaphasen-Niederlagen auf dem Konto der Münchner – drei davon in der schwachen Vorrunde im letzten Jahr. Ein Titel sprang dabei trotzdem nicht heraus. Eine Statistik, die Fragen aufwirft. Priorisiert man diese Spiele mehr als andere? Ist der Kader zu klein, sodass am Ende Kräfte fehlen?
Fest steht: Auch dieses Mal steht eine sehr gute Ligaphase einer keineswegs schlechten K.-o.-Phase gegenüber – aber eben keiner annähernd so dominanten.
Der FC Bayern spielte dieses Jahr wohl sechs internationale Topspiele. Die Bilanz: drei Siege, ein Unentschieden und zwei Niederlagen. Erst einmal nicht schlecht – aber eben auch nicht überragend. Spiele auf aller höchstem Niveau zeigten meist einen anderen FC Bayern als den, den man aus der Bundesliga kennt.
Zwei der drei Siege kamen gegen das wohl schwächste Real Madrid der letzten Jahre. Doch selbst diese Spiele wurden bei Weitem nicht so souverän bewältigt, wie es der Qualitätsunterschied eigentlich hätte erwarten lassen. Immer wieder ließen sich die Bayern von der Zwei-Mann-Armee aus Kylian Mbappé und Vinícius Júnior erwischen und mussten im Rückspiel sogar ein Comeback starten, um die Verlängerung noch zu verhindern.
Ein verletzungsbedingt angeschlagenes Paris wurde in der Gruppenphase noch knapp besiegt, gegen Arsenal war man dagegen relativ chancenlos. Auch im Halbfinale gab es über zwei Spiele keine längere Phase, in der der deutsche Meister das Duell wirklich kontrollierte. Insgesamt lagen die Bayern nur sieben Minuten gegen die Franzosen in Führung.
Eine Quote, die die Frage unausweichlich macht, wo Bayern aktuell überhaupt steht. Kein großer Gegner wurde in dieser Saison wirklich dominiert – und irgendwie hatte jeder die Chance, Bayern zu schlagen. Generell kam das in der gesamten Kompany-Ära noch nicht vor. Ein Zustand, der zumindest nachdenklich macht.
Dieses Aus war ein schmerzhaftes. Schmerzhaft wie lange nicht mehr. Zu real war die Chance, den siebten Henkelpott nach München zu holen. Doch genau aus solchen Geschichten können große Mannschaften entstehen.
Die Basis ist vorhanden. Luis Enrique bezeichnete diese Bayern-Mannschaft als den stärksten Gegner der letzten Jahre. Vielleicht ist das erst der Anfang. Viele wichtige Spieler befinden sich gerade in ihren besten Fußballerjahren. Die Altersgruppe Mitte 20 ist prominent besetzt. Michael Olise, Jamal Musiala, Dayot Upamecano, Alphonso Davies und weitere Spieler fallen genau in dieses Profil. Aber auch die älteren Spieler sind noch längst nicht am Ende ihrer Leistungsfähigkeit.
Die Generation um Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Co. brauchte ebenfalls mehrere schmerzhafte Jahre, um sich zu der Mannschaft zu entwickeln, die 2013 nahezu unbesiegbar wirkte. Auch Arjen Robben hatte schwache Auftritte in großen Spielen – wie jeder große Spieler. Doch genau daraus entstand am Ende vielleicht die stärkste Mannschaft, die die Bundesliga je gesehen hat.
Auch damals wurden gezielt Baustellen geschlossen. Javi Martínez und Mario Mandžukić brachten zusätzliche Qualität, Mentalität und neue Spielerprofile in die Mannschaft. Gedanken, die auch heute wieder relevant sein könnten. Die Doppelsechs wird bei Bayern weiterhin regelmäßig kalt gestellt, und auch die Außenverteidiger erlebten zuletzt keine einfachen Abende.
Eine Niederlage, 116 Tore, potenziell 89 Punkte. Zahlen, die beinahe historisch wirken. In ihrer Gesamtheit kann man diskutieren, ob jemals eine Bundesliga-Mannschaft so dominant war wie diese Version des FC Bayern.
Die Münchner waren der Liga in dieser Saison enteilt wie lange nicht. Selbst 3:0-Rückstände wie gegen Mainz wurden nahezu ohne größeren Aufwand gedreht. Die Konkurrenz wurde im Pokal und in der Liga reihenweise auseinandergenommen.
Doch genau deshalb muss man sich fragen: Wenn selbst diese Dominanz nicht reicht, um sich in Europa zumindest phasenweise klar abzusetzen – was sagen diese Bundesliga-Ergebnisse überhaupt noch aus?Der Vergleich zu 2013 kommt erneut schnell auf. Damals war Bayern mit ähnlicher Dominanz allerdings auch international absolut außergewöhnlich. Selbst der FC Barcelona, der den Weltfußball zu dieser Zeit komplett dominierte, wurde damals überrollt.
Heute scheint die Lücke zwischen Bundesliga-Alltag und absolutem Topniveau größer denn je. Selbst ein 6:0 gegen RB Leipzig liefert kaum noch eine echte Aussage darüber, wo Bayern international wirklich steht. Die Bundesliga ist in ihrer aktuellen Form schlicht kein verlässlicher Gradmesser mehr für das europäische Spitzenniveau des FC Bayern.
Nimmt man die Sextuple-Saison einmal heraus, war das Jahrzehnt der 2020er bislang kein gnädiges für die Bayern. Zum selben Zeitpunkt der 2010er standen bereits ein Champions-League-Titel, fünf Halbfinals und zwei Finalteilnahmen zu Buche. Die letzten Jahre waren dagegen deutlich ernüchternder.
Viele Erklärungen wurden gefunden: fehlende Holding Six, fragwürdige Trainerentscheidungen oder wie so oft der Schiedsrichter. Doch manchmal muss man auch anerkennen, dass Bayern in vielen Jahren schlicht nicht nah genug an Europas Elite war.
Selbst im Halbfinale 2024 war man spielerisch klar limitiert. Auch das Aus gegen Inter Mailand im Vorjahr war nach der 5:0-Klatsche im Finale wenig überraschend. Villarreal, Manchester City – alles Duelle, die einer absoluten Topmannschaft in dieser Form eigentlich nicht passieren sollten.
Genau deshalb fühlte sich diese Saison wieder anders an. Der FC Bayern ist am Mittwoch ausgeschieden – aber entscheidend ist das „Wie“. Europa spricht wieder mit Ehrfurcht über den deutschen Rekordmeister. Das Comeback der „Bestia Negra“ gegen Real Madrid. Das Torfestival in Paris. All das sind wichtige Signale.
Die Mannschaft ist wieder nah dran. Michael Olise, Aleksandar Pavlović, Jonas Urbig, Luis Díaz, Lennart Karl, Tom Bischof – alles Spieler, die ihre erste oder zweite Saison in München spielen. Alles Spieler, auf denen man aufbauen kann.
Diese Saison fühlte sich besonders an. Das sagen nicht nur Fans, sondern auch Spieler und Verantwortliche selbst. Doch das muss nicht bedeuten, dass hier eine einmalige Chance verpasst wurde. Vielleicht bedeutet es vielmehr, dass der FC Bayern endlich wieder einen Mannschaftskern besitzt, wie man ihn lange nicht mehr gesehen hat. Einen Kern, der in Zukunft noch zu Außergewöhnlichem fähig sein könnte – und dessen Hunger noch lange nicht gestillt ist.







































