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·2 August 2026
Fifa stoppt den WM-Verkauf: die Chronologie des gescheiterten Investoren-Deals

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Es ist der schnellste Rückzug der jüngeren Fifa-Geschichte: Nur wenige Tage nachdem der Plan öffentlich wurde, Anteile an der Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen, hat Fifa-Präsident Gianni Infantino (56) das Projekt in der Nacht zum Samstag, den 1. August 2026, gestoppt. Wir fassen zusammen, was die Fifa vorhatte, wie der Widerstand in einer Woche zur geschlossenen Front wurde, was die internationale Presse schreibt und welche Folgen der Rückzieher für Infantino selbst hat.

FIFA-Präsident Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump präsentieren nach dem WM-Finale 2026 die Siegermedaillen. (Justin Setterfield / Getty Images North America via Getty Images)
Nachdem wir uns alle Standpunkte aufmerksam angehört haben, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt hat, die, unabhängig vom Ausmaß der Unterstützung, nicht mehr im Interesse des ursprünglich angestrebten Ziels liegen. Daher wird dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt.Gianni Infantino, Fifa-Präsident
Kern des Vorhabens war eine neue Tochtergesellschaft namens Fifa Forward Enterprise. In ihr sollten die kommerziellen Aktivitäten des Weltverbandes gebündelt werden, vor allem die Vermarktung der Weltmeisterschaft und der Klub-WM. An dieser Gesellschaft sollten private Geldgeber Minderheitsanteile erwerben und damit indirekt an den Erlösen der größten Turniere des Weltfußballs verdienen. Alle Details, inklusive der Rolle von Investoren aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump, haben wir in unseren Fragen und Antworten zum WM-Investorendeal zusammengefasst.
Öffentlich wurde der Plan durch Berichte der englischen „Times“, später zogen „Telegraph“ und „Financial Times“ nach: Infantino wollte die WM verkaufen. Für Infantino selbst war das Modell auch persönlich interessant, er hätte die Führung der Gesellschaft nach dem Ende seiner Amtszeit übernehmen können. Wie die Machtverhältnisse im Weltverband überhaupt verteilt sind, erklären wir in unserem Überblick dazu, wie die Fifa mit 211 Verbänden und 36 Council-Mitgliedern organisiert ist.
Schon vor dem Bekanntwerden der Verkaufspläne stand Infantino in der Kritik, etwa als Spaniens Ligaboss mit der Fifa abrechnete. Nachdem die „Times“ das Investorenmodell öffentlich machte, ging der Fifa-Chef selbst in die Offensive und teilte auf Instagram gegen seine Kritiker aus: „Ihr spaltet, wir vereinen“. Am 29. Juli lagen die Details auf dem Tisch, inklusive der Verbindungen ins Umfeld des US-Präsidenten. Der Vorstoß fiel in eine Phase, in der Investorengeld im europäischen Fußball ohnehin Dauerthema ist, wenige Tage zuvor wurde ein Milliardenangebot eines US-Investors für die Bundesliga bekannt.
Die europäische Antwort kam schnell und härter als erwartet. Die Verbände beriefen eine Dringlichkeitssitzung ein, im Raum stand ein Boykott von Fifa-Turnieren: Uefa erwägt WM-Boykott. Hans-Joachim Watzke sagte dem „kicker“, viele im europäischen Fußball sähen darin einen Angriff auf den Sport. Auch der DFB positionierte sich deutlich, als Präsident Bernd Neuendorf vor der Öffnung der WM für Investoren warnte. Damit war aus einer Finanzidee ein Machtkampf geworden.
Während die afrikanische CAF ihren 54 Mitgliedern empfahl, das Vorhaben wohlwollend zu prüfen, wuchs der Widerstand überall sonst: Rückhalt in Afrika, erbitterte Gegenwehr in Europa. Den entscheidenden Schlag setzte am 31. Juli die asiatische Konföderation, die AFC lehnte den Investorenplan ab. Gemeinsam mit Uefa und Concacaf standen damit 136 der 211 stimmberechtigten Verbände gegen den Präsidenten, und der Milliardendeal war praktisch gescheitert.
Auch aus der Bundesliga kam Gegenwind. Uli Hoeneß (74) machte am Tegernsee klar, wie stark die Europäer aus seiner Sicht wirklich sind: die Kampfansage des Bayern-Patrons.
Ich persönlich glaube, dass die Europäer hier noch gar nicht wissen, wie stark sie eigentlich sind. Denn einen Wettbewerb ohne Europäer kann man in die Tonne treten.Uli Hoeneß, Ehrenpräsident des FC Bayern
In der Nacht zum Samstag zog Infantino die Reißleine und erklärte das Projekt für beendet. Nach BILD-Informationen hatte er sich massiv verschätzt: Zu sicher war er, die Mitgliedsländer mit zusätzlichen 20 Millionen Euro pro Verband gewinnen zu können. Die Rechnung ging nicht auf, und geblieben ist ihm vor allem der Rückhalt in Afrika, dem Kontinent mit der geringsten Lobby und dem größten Bedarf an Geld.
International fällt das Urteil einhellig aus. Die „Daily Mail“ spricht von einer peinlichen Kehrtwende und einer demütigenden Niederlage für den Fifa-Präsidenten. Der „Telegraph“ ordnet den gestoppten 15-Milliarden-Pfund-Plan als Folge des breiten Widerstands und des Aufruhrs innerhalb der Fifa-Reihen ein.
Schluss jetzt! Die Vernunft hat gesiegt. Gianni Infantino rudert bei seinem Versuch der Privatisierung des internationalen Fußballs zurück und legt das Projekt Fifa Forward Enterprise offiziell auf Eis. Dieses Projekt hatte die halbe Welt empört.Gazzetta dello Sport
Die spanische „Marca“ verweist auf den enormen Druck, der bereits vor dem Rückzug auf Infantino lastete. Und die französische „L’Équipe“ hält fest, dass die harte Linie der Uefa samt Boykottdrohung die Führung des Weltfußballs destabilisiert hat. Eine ausführliche Sammlung der internationalen Reaktionen findet sich auch in unseren Fragen und Antworten samt Pressestimmen.
Der Verkauf ist vom Tisch, die Machtfrage nicht. Ein Präsident, der ein Milliardenprojekt gegen den Willen von drei Konföderationen durchdrücken wollte und binnen weniger Tage einknicken musste, hat seine wichtigste Währung verloren: Autorität. Wie lange er sich halten kann, haben wir bereits analysiert, die Wiederwahl im März 2027 ist plötzlich keine Formsache mehr.
Dass der Rückhalt bröckelt, deutete sich früh an: Der DFB stellte sich schon im Juli gegen eine erneute Kandidatur, und auch bei der jüngsten Wiederwahl gab es Gegenstimmen aus den 211 Mitgliedsverbänden. Als mögliche Gegenstrategie gilt seit Monaten die Aussicht auf ein noch größeres Turnier, Stichwort eine WM 2030 mit 64 Teams. Ob sich damit Verbände zurückgewinnen lassen, die dem Präsidenten gerade erst die Rote Karte gezeigt haben, ist offen.
Das Wichtigste in Kürze: Die Fifa wollte über die Tochtergesellschaft Fifa Forward Enterprise Minderheitsanteile an WM und Klub-WM an private Investoren verkaufen. Uefa, Concacaf und AFC, zusammen 136 der 211 Mitgliedsverbände, stellten sich dagegen, die Uefa drohte mit Boykott. In der Nacht zum 1. August 2026 stoppte Gianni Infantino das Projekt. Der Verkauf ist damit beendet, die Debatte über die Zukunft des Fifa-Präsidenten vor der Wahl im März 2027 beginnt gerade erst.
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