Final-Petition gegen Vinčić: 23 Millionen sagen das Gegenteil | OneFootball

Final-Petition gegen Vinčić: 23 Millionen sagen das Gegenteil | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: 90PLUS

90PLUS

·28 July 2026

Final-Petition gegen Vinčić: 23 Millionen sagen das Gegenteil

Article image:Final-Petition gegen Vinčić: 23 Millionen sagen das Gegenteil

23.316.108 Unterschriften forderten während des Turniers den Ausschluss Argentiniens. Gut 106.000 fordern jetzt die Wiederholung des Finals. Beide Kampagnen berufen sich auf dieselbe Sache: die Schiedsrichter.

Was die Petition behauptet

Gestartet hat sie die argentinische Anhängerin Gisela Sánchez am 20. Juli auf Change.org, einen Tag nach dem 0:1 nach Verlängerung im MetLife Stadium. Titel: „Repetir la final del Mundial Argentina – España sin el árbitro corrupto“. Der Text wirft dem slowenischen Referee Slavko Vinčić vor, laut Videobeweisen gekauft worden zu sein, und verlangt eine Neuansetzung mit einem anderen Unparteiischen.


OneFootball Videos


Belege für diesen Vorwurf liefert die Petition nicht. Das spanische Faktencheck-Portal Maldita.es hat den Text geprüft und fand keinen einzigen überprüfbaren Nachweis. Angeführt wird stattdessen, dass Vinčić 2020 bei einer Polizeiaktion in Bosnien-Herzegowina vorübergehend festgehalten wurde – er kam nach seiner Aussage frei, es folgte keine Anklage, er pfiff danach weiter auf höchstem Niveau.

Was die Bilder zeigen

Die Szene, an der sich alles aufhängt, ist die Gelb-Rote Karte für Enzo Fernández in der 90.+3. Verwarnt war er seit der 82. Minute wegen Meckerns, dann räumte er Pau Cubarsí ab, ohne den Ball zu berühren. Schiedsrichterexperte Patrick Ittrich bei MagentaTV dazu: „Eine ganz klare Gelbe Karte.“ Kein Streitfall unter Fachleuten, sondern Konsens.

Interessanter ist eine Szene aus der 14. Minute. Alexis Mac Allister grätschte mit gespreizten Beinen in Dani Olmo, Vinčić beließ es bei einer Ermahnung – für Ittrich klar gelbwürdig. Die frühe Nachsicht des Slowenen kam also der Mannschaft zugute, die ihn jetzt der Bestechung bezichtigt.

2022 hieß die Kampagne „France stop crying“

Nach dem Finale von Doha sammelten französische Fans über 200.000 Unterschriften für eine Wiederholung, weil ihnen die Spielleitung von Szymon Marciniak nicht passte. Die Antwort kam prompt aus Argentinien: eine Gegenpetition mit dem Titel „France stop crying“, 256.000 Unterschriften, Aufforderung an die Franzosen, das Ergebnis endlich zu akzeptieren.

Dieselbe Fangemeinde, vier Jahre später, andere Rolle.

Zwei Zahlen, ein Turnier – und keine zuständige Instanz

Die Petition „Argentina Out“ schloss nach dem Finale mit 23.316.108 Unterschriften aus rund 170 Ländern, gut eine Million unter dem Guinness-Rekord. Ihr Vorwurf: Argentinien sei das gesamte Turnier über von Schiedsrichtern und VAR bevorzugt worden. Die FIFA reagierte nicht. Auf die Wiederholungspetition wird sie ebenso wenig reagieren – der Weltverband hat noch nie ein WM-Spiel wegen Schiedsrichterfehlern annulliert, und Online-Unterschriften sind in keinem Reglement vorgesehen.

Was die FIFA dagegen tatsächlich untersucht, ist die Rudelbildung nach dem Schlusspfiff, an der Leandro Paredes und Ersatzkeeper Gerónimo Rulli beteiligt waren. Das Verfahren läuft. Nur zeigt es eben in die andere Richtung.

Bleibt die Frage, was 106.000 Unterschriften eigentlich beweisen sollen, wenn 23 Millionen mit exakt umgekehrter Stoßrichtung nichts bewiesen haben.

View publisher imprint