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·11 April 2026
Fortuna Düsseldorf: Mislintats Halbvertrauen schadet dem Trainer mehr als jede Entlassung

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·11 April 2026

Nach vier Niederlagen in Folge und Platz 13 hält Sportvorstand Mislintat alle Optionen offen – zum Schaden von Trainer Markus Anfang und der Mannschaft.
Vier Niederlagen in Folge, Platz 13, ein Abstiegsplatz rückt näher – und der Sportvorstand von Fortuna Düsseldorf tritt vor die Sky-Kameras, um mitzuteilen, dass es „keinerlei Tendenz" gebe. Sven Mislintat hat nach dem 1:2 gegen Holstein Kiel nicht etwa geschwiegen, was legitim wäre. Er hat geredet. Ausführlich. Und genau damit seinem Trainer Markus Anfang mehr geschadet, als es jede Entlassung könnte.
Man muss sich die Sätze auf der Zunge zergehen lassen. Mislintat sagt, es gebe „gute Gründe", dass Anfang das Vertrauen behalte – und dass „das auch so bleiben kann". Konjunktiv, wohlgemerkt. Im selben Atemzug warnt er, man müsse „aufpassen, dass wir nicht in Abläufe kommen, die wir nicht mehr korrigieren können". Das ist keine Analyse. Das ist ein öffentlich inszenierter Schwebezustand, der einen Trainer auf der Bank fixiert und ihm gleichzeitig den Boden unter den Füßen wegzieht. Anfang darf weiterarbeiten – aber jeder im Verein, jeder Spieler, jeder Zuschauer der 54.600 im Stadion weiß jetzt: Der Sportvorstand hält sich alle Optionen offen. Was soll ein Trainer mit dieser Art von Rückendeckung anfangen?
Mislintat fordert „Impulse" und will die Lage „ergebnisoffen diskutieren". Das klingt nach moderner Führungskultur. In Wahrheit ist es deren Karikatur. Ergebnisoffenheit ist ein Instrument für Strategieprozesse – nicht für die Frage, ob ein Trainer am Samstag noch auf der Bank sitzt. Düsseldorf hat gegen Braunschweig verloren, 2:5 gegen Hertha kassiert, 0:3 in Kaiserslautern – Anfangs ehemaligem Klub – und nun das 1:2 gegen Kiel, bei dem Phil Harres in der 50. Minute traf, Cedric Itten in der 71. ausglich und Ivan Nekic in der 79. den Siegtreffer für die Gäste erzielte. Vier Spiele, null Punkte, neun Gegentore. Die Datenlage ist eindeutig genug für eine Entscheidung. In jede Richtung.
Genau das ist der Punkt. Mislintat muss Anfang nicht entlassen. Er kann gute Gründe haben, an ihm festzuhalten – den Vertrag bis 2027, die schwierige Kadersituation, die drei verletzungsbedingten Wechsel allein gegen Kiel. Aber dann muss er es sagen. Klar, ohne Konjunktiv, ohne Hintertür. Ein Sportvorstand, der seinem Trainer vertraut, spricht kein Vertrauen aus, das „auch so bleiben kann". Er spricht es aus. Punkt.
Stattdessen wählt Mislintat den dritten Weg: weder Bekenntnis noch Konsequenz. Das ist bequem für den Entscheider und giftig für alle anderen. Die Mannschaft reist am 18. April nach Magdeburg, danach kommt Dresden – zwei Kellerduelle, die über den Verbleib in der 2. Bundesliga entscheiden könnten. Neun Siege, vier Remis, 16 Niederlagen, 31 Punkte nach 29 Spieltagen: Düsseldorf hat keinen Spielraum mehr für Ambivalenz. Wer in dieser Lage „jeden Stein umdrehen" will, muss irgendwann auch unter einem nachschauen.
Mislintat, seit Dezember 2025 im Amt, hat bei Borussia Dortmund, beim VfB Stuttgart und bei Ajax Amsterdam gearbeitet. Er kennt das Geschäft. Umso schwerer wiegt, was er in Düsseldorf veranstaltet. Er inszeniert Nachdenklichkeit, wo Handeln gefragt wäre – und lässt einen Trainer im Schaufenster stehen, an dem bereits das Preisschild hängt. Markus Anfang coacht am nächsten Samstag vermutlich noch die Fortuna. Aber nicht, weil sein Sportvorstand an ihn glaubt – sondern weil er sich noch nicht entschieden hat, es öffentlich zuzugeben.
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