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·16 May 2026
Fortuna-Stürmer Wirtz: "Fühlen uns schon als Nummer 2 in Köln"

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·16 May 2026

Aus der Serie "Da, wo mer zusamme aufjestiege sin": Enzo Wirtz und den SC Fortuna Köln eint der lange Anlauf, der für den Aufstieg beziehungsweise die Rückkehr in die 3. Liga nötig war. Im Interview mit liga3-online.de spricht der Top-Scorer über den Kölner Wohlfühlfaktor, die stadtinterne Hackordnung und nennt seine Stadion-Hitliste für die Saison 2026/27.
liga3-online.de: Der 1. FC Köln in der Bundesliga, Viktoria und die Fortuna nach dem Aufstieg bald vereint in der 3. Liga. Was sagt es aus, wenn von 56 Clubs in den obersten drei Ligen gleich drei aus Köln kommen?
Enzo Wirtz: Das spricht für sich. Der Fußball ist hier tief verwurzelt. Mit diesem Wohlfühlfaktor spielst du – unabhängig vom Trikot – auch gerne für diese Stadt und kannst diese paar Extra-Prozente rausholen. Ehrlich gesagt: Ich habe mich schon in Köln verliebt, als ich hier vor ein paar Jahren meine Reha nach einer Verletzung absolviert habe. Nach meinem Wechsel zur Fortuna gab es dann zum Einstand auch direkt "Tommy" (Song von AnnenMayKantereit, Anm. d. Red.).
Zum Matchball-Spiel gegen die Sportfreunde Siegen (2:1) strömten 7.500 Zuschauer ins Südstadion – die größte Regionalliga-West-Kulisse seit dem Aufstieg des MSV Duisburg! Fühlen Sie sich mit dieser Fan-Power schon als eigentliche Nummer 2 der Stadt?
Durchaus ja. Nach dem Abstieg und dem etwas längeren Anlauf zurück mag sich das alles mal eher in Richtung Viktoria verschoben haben. Aber historisch gesehen? Wenn du mit Fans sprichst, wird oft auf die Ewige Zweitliga-Tabelle verwiesen, in der die Fortuna immer noch unter den Top 10 steht. Sportlich können wir das dann im Mittelrheinpokal-Finale und in den beiden Derbys ab der kommenden Saison ausfechten.
Und abseits vom Kölner Derby: Auf welche Auswärtsspiele beziehungsweise Stadien freuen Sie sich am meisten?
Ganz genau habe ich mir die Drittliga-Kader für die kommende Saison noch nicht angesehen. In erster Linie aber auf die Stadien im Fußball-Westen: Duisburg oder Essen – je nach den Geschehnissen im Saisonfinale – dürften dabei sein. Auf dem Tivoli in Aachen kickt jeder gerne und auch längere Auswärtsfahrten in den Süden zu 1860 München haben ihren Reiz.
Für die Fortuna war der Weg in die Drittklassigkeit ebenso lang und beschwerlich wie für Sie persönlich: Mit erst 30 Jahren und über 250 Regionalliga-Einsätzen auf dem Buckel stürmen Sie nach Stationen bei sieben Klubs erstmals in die 3. Liga!
Teilweise habe ich mich auch gefragt, warum das jetzt so ein Akt über elf Jahre war (lächelt). Es kamen einige Stationen und Kuriositäten im Fußball zusammen: der Regionalliga-Rückzug von Kaan-Marienborn nach einem starken fünften Platz oder der Kreuzbandriss während meiner Zeit beim Bonner SC. Vielleicht sollte das aber alles so passieren, wie es letztlich gekommen ist. Denn jetzt gehe ich mit der Fortuna hoch, nachdem ich gereift bin und meine persönlich beste Saison mit 14 Treffern und acht Vorlagen hatte.
Gab es auch Momente über die laufende Saison hinweg, in denen sich bei Ihnen Zweifel eingebrannt hatten?
Eher nicht. Aus diesem zusammengewürfelten Haufen von 18 oder 19 neuen Spielern im Sommer ist letztlich ein Team gewachsen, das statt über Zweifel eher über emotionale Momente spricht und sich darüber definiert hat. Da denke ich zum Beispiel an das Last-Minute-Tor zum 2:2 gegen Dortmund II.
Entsprechend haben die Bilder nach dem Siegen-Spiel gezeigt, wie sich der Druck in Erleichterung und das typische Kölner "Jeföhl" verwandelt hat. Wer hat in der Verlängerung die meiste "Konstanz" bewiesen?
Nach der Aufstiegsparty am Stadion und Vereinsheim ging es weiter in Richtung Friesenstraße. Tatsächlich kann ich da niemanden herausheben. Alle Jungs inklusive Staff haben es krachen lassen und bis zum Schluss durchgezogen.
Kam es auch zur Situation, dass Sie von einem Fan als vermeintlicher Bruder des aus der Effzeh-Jugend stammenden Liverpool-Stars Florian Wirtz erkannt wurden?
Speziell während der Aufstiegsfeier nicht. Zuvor im Alltag kam es ein- oder zweimal vor. Doch die Fortuna-Fans kennen mittlerweile ihren Wirtz.
Entsprechend dürfen wir auch keinen Content auf den Social-Media-Kanälen der Fortuna erwarten, wo Sie Kartoffelgerichte ranken?
Puh, ich weiß nicht, was sich die Kollegen aus der Social-Media-Abteilung für die 3. Liga alles so ausgedacht haben (lächelt). Ich fand den Clip von Florian Wirtz seinerzeit lustig, aber heute wirkt es eher ausgelutscht.
Abgeläutet ist die Saison 2025/26 für die Fortuna noch nicht. Auf das letzte Regionalliga-Spiel folgt das Mittelrheinpokal-Finale gegen den schon angesprochenen Stadtrivalen aus Höhenberg. Was würde Ihnen das Double aus Drittliga-Aufstieg und Pokalsieg bedeuten?
Double? Teamintern sprechen wir im Zuge des Cologne Cups während der Länderspielpause im Oktober (Benefizturnier mit dem 1. FC Köln und Viktoria Köln, Anm. d. Red.) öfter vom Triple. Wer sich unsere Gegner auf dem Weg ins Finale angeschaut hat, der weiß: Der Weg war zu steinig, um jetzt hier nachzulassen. Und wir wissen auch, was ein Pokalsieg in dieser Konstellation unseren Fans bedeuten würde.







































