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·6 February 2026

Frauen-Bundesliga sagt Nein zum DFB – und übernimmt selbst die Kontrolle

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Die Klubs der Frauen-Bundesliga haben das Joint Venture mit dem DFB abgelehnt. Der Ligaverband FBL e.V. will die Kontrolle über die Zukunft selbst behalten.

Die Frauen-Bundesliga steht an einem Scheideweg, und die Klubs haben sich entschieden: Sie gehen ihren eigenen Weg. Die Ablehnung des Joint Ventures mit dem DFB ist keine Trotzreaktion, sondern eine strategische Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen. Die Vereine wollen die Kontrolle über die Zukunft beim Frauenfußball nicht aus der Hand geben.


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Was auf den ersten Blick wie ein Rückschlag für den deutschen Frauenfußball aussieht, offenbart bei genauerem Hinsehen ein tieferliegendes Problem: Das Verhältnis zwischen DFB und Klubs ist zerrüttet. Die Gründung des Ligaverbands FBL e.V. im Dezember war bereits ein deutliches Signal. Die Vereine hatten genug davon, am Katzentisch zu sitzen, während der Verband die Richtung vorgab.

Katharina Kiel, Präsidentin des FBL e.V., bringt es auf den Punkt: Die Zukunft der Liga müsse dort gestaltet werden, wo der sportliche und wirtschaftliche Motor liegt – bei den Klubs. Sie tragen die Investitionsverantwortung, sie stemmen den Spielbetrieb, sie entwickeln die Spielerinnen. Warum sollten sie dann bei Kernfragen nicht das Sagen haben?

Der DFB hatte Investitionen von 100 Millionen Euro über acht Jahre in Aussicht gestellt. Klingt nach viel Geld, doch die Rahmenbedingungen stimmten offenbar nicht. Wenn gleichzeitig Ausgaben von 300 bis 900 Millionen Euro auf die Vereine zukommen sollen – für Infrastruktur, Mindestgehälter, Personal und Nachwuchsförderung – dann relativiert sich das Angebot schnell. Die Klubs hätten den Löwenanteil der finanziellen Last getragen, ohne entsprechende Mitspracherechte zu erhalten.

Der Verband bedauert die Entscheidung und betont seine Gesprächsbereitschaft. Das ist diplomatisch formuliert, ändert aber nichts an der Realität: Der DFB hat den Machtkampf verloren. Die internationale Entwicklung des Frauenfußballs schreitet voran, in England, Spanien und Frankreich werden längst andere Summen bewegt.

Deutschland droht den Anschluss zu verlieren, wenn die Strukturfragen nicht bald geklärt werden. Die Suche nach alternativen Formen der Partnerschaft ist nun der einzig gangbare Weg. Der FBL e.V. hat klargemacht, dass er Zusammenarbeit nicht grundsätzlich ablehnt – aber zu seinen Bedingungen. Das ist legitim und entspricht dem, was die Männer-Bundesliga mit der DFL längst vorgemacht hat.

Die entscheidende Frage lautet jetzt: Ist der DFB bereit, seine Rolle neu zu definieren? Ein Verband, der Partner sein will statt Vormund, könnte durchaus einen Platz in der neuen Struktur finden. Doch dafür müsste er akzeptieren, dass die Klubs am Steuer sitzen. Der Frauenfußball in Deutschland braucht keine Grabenkämpfe, sondern klare Zuständigkeiten und schnelle Entscheidungen. Die Klubs haben gezeigt, dass sie bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Jetzt liegt der Ball beim DFB.

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