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·19 January 2026

Glasner und Co. haben genug: Trainerrevolten sind der neueste Trend in der Premier League

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England erlebt derzeit eine Entwicklung neben dem Fußballplatz: Trainer, die sich bei ihrem Klub zur Wehr setzen - notfalls auch gegen die Klubführung

Öffentliche Klarstellungen, unverblümte Kritik an den Arbeitsbedingungen, deutliche Spitzen gegen die Vereinsführung — die Trainer der Premier League revoltieren.


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Nachdem sich Nuno Espirito Santo im Sommer offenkundig über den unbalancierten und dünnen Kader bei Nottingham Forest beschwert hatte und kurz darauf entlassen worden war, zogen in den letzten Wochen mit Enzo Maresca, Rúben Amorim und Oliver Glasner drei namhafte Kollegen nach. Und das aus gutem Grund.

Premier League: Maresca und Amorim haben genug

Nach nur einem Sieg aus fünf Pflichtspielen beschwerte sich Maresca im Dezember über mangelnde Rückendeckung. Der 45-Jährige war es offenbar satt, nicht nur der Strategie des Klubs - viele junge Spieler kaufen und ihren Wert zu steigern -, sondern auch den sportlichen Ambitionen gerecht zu werden.

Die Blues pochten auf Rotation, pfuschten angeblich sogar bei der Aufstellung rein - sicherlich nicht ohne den Hintergedanken, ihre zweibeinigen Investitionen zu schützen. Maresca coachte kein Team, sondern ein Portfolio. Trotzdem erntete er die Kritik. Denn die Dividende auf dem Platz blieb aus - und kostete die Beziehung. Die logische Konsequenz eines unmöglichen Balanceakts.

Rúben Amorims Entlassung Anfang Januar war dagegen eher selbstverschuldet. So verheerend war sein Punkteschnitt (mit 1,23 ein United-Negativrekord in der Premier League), zu verkopft und stur wirkten viele Entscheidungen.

Nichtsdestotrotz war auch sein Ärger berechtigt, als er Tage zuvor offenkundig die Transferstrategie des Klubs hinterfragte und betonte, zu Manchester United gekommen zu sein, “um ein Manager und nicht ein Trainer” zu sein.

Seine Stellenbeschreibung sagte zwar etwas anderes, die Gründe für seine Aussage sind dennoch valide: United wusste bei der Verpflichtung des 40-Jährigen, dass er ein dogmatischer Verfechter des 3-4-3-Systems ist, machte aber keine Bestrebungen, den Kader dahingehend anzupassen. Man verpflichtete einen Geiger und gab ihm eine Gitarre.

Warum Oliver Glasner der Kragen platzte

Kommen wir zu Oliver Glasner. Acht Monate, nachdem er Crystal Palace mit dem FA Cup den ersten nennenswerten Titel der 120-jährigen Vereinsgeschichte beschert hatte, platzte ihm am Samstag endgültig der Kragen.

"Ich habe das Gefühl, wir werden völlig im Stich gelassen", sagte er nach der 1:2-Pleite gegen Sunderland - das zehnten Spiel in Serie ohne einen Sieg. Es sei nunmal „schwer zu überleben“, wenn der Mannschaft zweimal „das Herz herausgerissen“ werde. Im Sommer ging das Gesicht der Mannschaft, Eb­erechi Eze (Arsenal), am Freitag mit Marc Guéhi der Kapitän (Manchester City). Dafür habe er kein Verständnis.

Sein Ärger ist verständlich: Die knapp 100 Millionen Euro Einnahmen durch die beiden sind für einen Verein wie Crystal Palace zwar unerlässlich - zumal Guehi im Sommer ablösefrei gegangen wäre. Nichtsdestotrotz waren die Bemühungen des Klubs, adäquaten Ersatz zu finden, bestenfalls halbherzig. Erst recht weil es mit der Conference League 2025/2026 eine zusätzliche Belastung gab. Glasner muss es ausbaden.

Gegen Sunderland verzichtete er trotz angespannter Lage auf eine Auswechslung, tags zuvor kündigte er seinen Abschied zum Saisonende an. Bis dahin? “Mir egal.”

Die Revolten in der Premier League werden weitergehen

So trotzig Glasners Handlungen und Aussagen womöglich scheinen, sie unterstreichen nur, wie groß die Ohnmacht ist. Bei ihm und seinen Trainerkollegen.

“Die Erosion der Autorität von Trainern ist ein schleichender Prozess, der sich über viele Jahre hinweg vollzogen hat”, sagte kürzlich Ex-Nationaltrainer Gareth Southgate. Damit spielte er auf die wachsende Bedeutung von Fußball-, Technik- oder Sportdirektoren an, die nun die langfristige Fußballstrategie überwachen und in der Hierarchie über den Trainern stehen. Hinzu kommen unzählige Fachkompetenzen in Sachen Scouting, Sportwissenschaften und Finanzen.

Der Druck auf die Trainer aber bleibt unverändert: Sie müssen als erstes den Kopf hinhalten, wenn es nicht läuft. Dabei müssen sie zu oft einen Kader managen, der nicht zu ihrer Spielidee passt oder Kompromisse moderieren, die sie nicht verursacht haben. Volle Verantwortung bei halber Mitsprache. Und solange sich das nicht ändert, werden sie weiter revoltieren. Das Zeitalter der schweigenden Sündenböcke ist vorbei.

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