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·15 April 2026

Hansi Flicks Geduld beim FC Barcelona ist eine Ausrede und keine echte Strategie

Article image:Hansi Flicks Geduld beim FC Barcelona ist eine Ausrede und keine echte Strategie

Barcelona scheitert zum zweiten Mal in Folge in der Champions League. Flick verweist auf Jugend und Entwicklung – doch dieselben Erklärungen wirken wie eine Ausrede.

Neun Punkte Vorsprung, sieben Spiele noch zu spielen, und Hansi Flick spricht als Trainer von einem „nächsten Schritt". Als wäre die Meisterschaft ein Etappenziel auf dem Weg zu etwas Größerem. Dabei ist der nationale Titel längst das Einzige, was übrig bleibt – und genau das ist das Problem.


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Barcelona ist zum zweiten Mal in Folge in der Champions League an der eigenen Fallhöhe gescheitert. Vergangene Saison im Halbfinale gegen Inter Mailand, diesmal schon eine Runde früher, im Viertelfinale gegen Atlético Madrid. Das ist kein Ausrutscher. Das ist eine Richtung. Und sie zeigt nach unten.

Flick weiß das, auch wenn er es anders verpackt: „Wir sind eine junge Mannschaft, es gibt Dinge zu verbessern, und das werden wir nächste Saison tun." Der Satz klingt nach Demut und Geduld. Aber er verschleiert, dass Barcelona in beiden K.o.-Runden an denselben Schwächen scheitert – und zwar an solchen, die ein Trainer verantworten muss. Im Hinspiel kassierte Pau Cubarsí Rot wegen einer Notbremse, im Rückspiel Eric García aus demselben Grund. Zwei Spiele, zwei Platzverweise in entscheidenden Momenten. Das ist kein Pech, das Frenkie de Jong beschwört, wenn er sagt, man brauche „ein bisschen Glück". Das ist mangelnde Disziplin unter Druck – und damit ein Trainerthema.

Das 0:2 im eigenen Camp Nou war die Hypothek, die sich in Madrid nicht mehr tilgen ließ. Lamine Yamal traf in der vierten Minute, Ferran Torres legte nach – aber Barcelona brauchte drei Tore, nicht zwei. Und als Torres in der 57. Minute vermeintlich das dritte erzielte, wurde es wegen Abseits aberkannt. So eng sind die Margen auf diesem Niveau. Wer zu Hause 0:2 verliert, hat kein Recht, sich über fehlende Zentimeter zu beklagen.

Man muss Flick zugutehalten, was er in Barcelona aufgebaut hat. Vier Titel in nicht einmal zwei Jahren – Meisterschaft, Copa del Rey, zwei Supercopa-Erfolge. Eine Mannschaft, die mit 80 Toren in 30 Ligaspielen die Liga dominiert. 24 Siege bei nur vier Niederlagen. Das Fundament ist gelegt, der Vertrag wird bis 2028 verlängert, Flick hat sich festgelegt: Barcelona werde sein letzter Klub sein. Mundo Deportivo feiert eine „stolze und heldenhafte" Mannschaft. All das stimmt – und reicht trotzdem nicht, solange die Champions League der Maßstab ist, den der Klub selbst anlegt.

Denn genau hier liegt die Falle. Flick hat die Erwartungen durch seine erste Saison so hochgeschraubt, dass eine Meisterschaft mit neun Punkten Vorsprung auf Real Madrid nicht mehr als Triumph durchgeht, sondern als Pflichtprogramm. Als „Trostpreis", wie der SID-Text es formuliert. Ein Klub, der seine Liga-Dominanz zum Nebenprodukt erklärt, muss in Europa liefern. Und genau dort scheitert Barcelona – nicht an der Qualität im Kader, sondern an der Reife in den Momenten, in denen Qualität allein nicht reicht.

Flick sagt, die Mannschaft habe „alles gegeben". Und er sagt, sie habe „ein fantastisches Spiel gemacht". Beides kann stimmen und trotzdem zu wenig sein. Im zweiten Jahr hintereinander an derselben Stelle dieselbe Erklärung zu liefern – Jugend, Entwicklung, nächste Saison – das ist kein Plan. Das ist eine Ausrede, die sich als Geduld verkleidet.

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