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Till Richter·16 April 2026
Icon-League-Star im Exklusiv-Interview: Ian Prescott und sein eigener Weg

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Till Richter·16 April 2026

Mit einem Kontakt am Gegenspieler vorbei und dann der Abschluss mit links. Der Ball klatscht an den Innenpfosten und lässt das Netz zappeln. Ian Prescott breitet die Arme aus. Ein Hauch Jude Bellingham. Golden Goal. Entscheidung. Mit seinem vierten Treffer beendet er das Spiel gegen den FC OneFootball.
Es sind genau diese Momente, die Prescott besonders machen. Er ist einer der Spieler, bei denen Zuschauen Freude macht. Anmutige Bewegungen, flüssige Übersteiger, ein präziser Abschluss. Alles wirkt elegant. Fast mühelos.
Wir haben mit Prescott in einem exklusiven Interview über seinen Wechsel von der Baller League in die Icon League, seinen ungewöhnlichen Weg, die Chance auf den Profifußball und seine erstaunlich schnelle Rückkehr nach einem Kreuzbandriss gesprochen.

📸The Icon League
Der bewusste Bruch
Prescotts Spiel lebt von Kreativität und Spielfreude. Früh entschied er sich deshalb gegen die A-Jugend-Bundesliga bei Holstein Kiel. Er habe "die Lust am Fußball verloren", sagt Prescott. Besonders abgeschreckt hätten ihn Nachwuchsleistungszentren, der ständige Leistungsdruck und das Gefühl, nur Vorgaben erfüllen zu müssen.
Daraufhin wechselte er zu seinen Freunden zum FC Angeln in die Verbandsliga. Dort blieb er nicht lange. In seinen ersten vier Spielen überzeugte er derart, dass ihn die abstiegsbedrohte Herrenmannschaft sofort hochzog. Der damals 17-Jährige schoss das Team zum Klassenerhalt. Damit kehrte auch der Gedanke zurück, im leistungsorientierten Fußball noch einmal anzugreifen.
Karriere zwischen Leistung und Klarheit
Prescott wechselte daraufhin in die Oberliga Schleswig-Holstein und fing "früh an einfach nur noch für Geld zu spielen. Der Verein, der am meisten gegeben hat, hat die Zusage bekommen", gibt Prescott ehrlich zu.
Nach einigen Stationen landet der heute 33-Jährige bei Eichede und ihm gelingt mit seinem Team der Aufstieg in die Regionalliga als Torschützenkönig. Dann klopfte Fabian Boll an und wollte Prescott zum FC St. Pauli in die 2. Liga holen.
Doch dann die bittere Nachricht: Kreuzbandriss.
In dieser Phase habe er gemerkt, "so eine Verletzung zieht einen so runter". Er glaube nicht, dass er das mental gewollt habe, sich immer wieder ans körperliche Limit zu bringen. Rückblickend sagt Prescott, er sei damals mit 20 Jahren "vom Kopf her noch gar nicht bereit" gewesen.
Das Risiko und die Rückkehr
Er entschied sich für einen Wechsel nach Hamburg zum Serienmeister TuS Dassendorf. Dort sollte er nach dem Kreuzbandriss behutsam aufgebaut werden. Dreieinhalb Monate nach der Operation stand Prescott wieder auf dem Platz und wollte trainieren. "Die meinten natürlich: Du hast einen am Helm", erzählt Prescott lachend. "Aber wer mich kennt, weiß: Mich interessiert nicht, was die anderen sagen!"
Prescott wechselte erneut den Verein und bestritt vier Monate und elf Tage nach dem Kreuzbandriss sein erstes Spiel. "Im Nachhinein war's schon sehr dumm", gibt der 33-Jährige zu. Doch es ging gut. Prescott spielte weiter und hat bis heute keine Probleme am Knie.
Danach folgten weitere Stationen. Bei einem passenden Angebot war Prescott stets bereit, den Verein zu wechseln. Weil die Leistungen stimmten, kamen auch die Angebote. Gleichzeitig veränderte sich sein Anspruch. "Mir war wichtig, dass mein Name mit etwas zusammensteht, was Erfolg hat."
Der Offensivspieler brauchte einen klaren Plan: "Wenn ein Verein zu mir gekommen ist und meinte: Wir würden gerne aufsteigen, dafür brauchen wir 30 Tore. Dann bin ich euer Mann."
In dieser Zeit entdeckte Prescott auch den Futsal für sich. "Ich hab Futsal nicht gespielt wegen des Gelds, sondern wegen der Leidenschaft", beschreibt Prescott. Der Sport habe ihm zudem viele Erinnerungen, besondere Begegnungen und Reisen beschert.
Kapitel Kleinfeldfußball
Prescott startete in der Baller League und machte sich dort schnell einen Namen.
Martin Harnik, der laut Prescott schon seit der ersten Saison der Icon League an ihm interessiert war, sicherte sich nach dem Aus in der Baller League die Dienste des 33-Jährigen. Prescott kam jedoch nicht allein: "Es war eine Priorität von mir, dass ich meine Jungs wieder bei mir im Team habe."
Prescott kam deshalb gemeinsam mit Fabian Landvoigt, Janek Sternberg und Marcel Cornils.
Während einige Spieler Anlaufschwierigkeiten haben, liefert Prescott vom ersten Spieltag an. In sieben Spielen kommt er auf sieben Tore und zwei Vorlagen. Dazu erzielte er weitere Treffer während der Rulebreaker, die nicht in die offizielle Statistik eingehen. Die Wontorriors stehen aktuell auf Platz acht. Für Prescott ist klar: "Jeder, der bei diesem Format mitmacht, egal in welchem Team, will den Titel holen."
Voraussetzung dafür ist die Qualifikation für Zürich. Nur sechs Teams schaffen es dorthin. Dann werden die Karten neu gemischt. "Ob du in der Season gut bist, ist am Ende des Tages egal", sagt Prescott. Entscheidend seien die Form am Finaltag und das nötige Quäntchen Glück.
Zwei Ligen, zwei Welten
Als Spieler, der in beiden Formaten aufgelaufen ist, findet Prescott klare Worte: "Mir hat die Baller League viel besser gefallen." Gleichzeitig betont er: "Icon- und Baller League sind andere Sportarten, das kann man nicht vergleichen." Vor allem Bande, Spielanlage und Tempo sorgten für große Unterschiede.
Ein Spieler, der seinen Weg kennt
Prescotts Karriere folgt keinem klassischen Muster. Er lehnt Strukturen ab, trifft eigene Entscheidungen und nimmt Umwege in Kauf. Genau das macht ihn aus.
Er sucht nicht den perfekten Plan.
Er schafft sich seinen eigenen.
Und manchmal reicht ein kurzer Kontakt, ein Moment, ein Schuss mit links – um ein ganzes Spiel zu entscheiden.
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