feverpitch.de
·7 July 2026
Klopp greift zum Hörer: Wer den ersten Anruf macht, hat entschieden

In partnership with
Yahoo sportsfeverpitch.de
·7 July 2026

Klopp signalisiert Völler die Zusammenarbeit beim DFB, Neuendorf und Watzke reisen zu ersten Gesprächen über die Nagelsmann-Nachfolge in die USA.
Der DFB sortiert sich nach dem WM-Desaster, und die Konturen werden schärfer. Jürgen Klopp, so berichtet die Bild, hat bereits mit Rudi Völler telefoniert. Inhalt des Gesprächs: eine Versicherung. Klopp soll dem Weltmeister von 1990 gesagt haben, dass er ihn gerne beim DFB sehen und mit ihm zusammenarbeiten würde. Das ist mehr als eine höfliche Geste – es ist ein Signal an einen Verband, der nach Stabilität sucht.
Denn Völler ist in diesem Verband längst mehr als ein Sportdirektor mit Vertrag bis 2028. Auch Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke haben um ihn geworben, bevor Klopp zum Hörer griff. Nach dem WM-Desaster war über die Zukunft Völlers spekuliert worden, unter anderem mit der Frage, ob eine Konstellation Klopp/Völler überhaupt funktionieren könne. Watzke hat diese Frage im ZDF beantwortet, so knapp wie deutlich: „Ich würde gerne mit Rudi weitermachen." Er glaube, das Gefühl vieler anderer beim DFB zu treffen.
Man muss diese Sätze in ihrer Nüchternheit lesen. Watzke traut Klopp und Völler zu, „wunderbar" zusammenzuarbeiten, und schiebt eine Charakterisierung des Wunschkandidaten hinterher, die man sich merken sollte: „Jürgen ist durchaus dominant, aber teamfähig." Das ist kein Freibrief, das ist eine Erwartung. Klopp bekäme in Völler einen Sportdirektor mit Vertrag, mit Vergangenheit und mit einer Autorität, die er nicht erst aufbauen muss.
Diese Autorität ist historisch gewachsen. Völler stand im Jahr 2000 zunächst interimistisch an der Seitenlinie, blieb bis 2004 und erreichte mit der Nationalmannschaft bei der WM 2002 das Finale. Anfang 2023 saß er in einer „Task Force", die einen Sportdirektor suchen sollte, und fand: sich selbst. Nach der Entlassung von Hansi Flick 2023 sprang er noch einmal für ein Spiel als Trainer ein. Wer so oft gerufen wurde und immer kam, muss nicht mehr erklären, warum der DFB für ihn eine Herzensangelegenheit ist.
Klopp selbst hat den Ton für die kommenden Wochen gesetzt. Er hat betont, dass „wichtige Gespräche" geführt werden müssen, „weil auch die Position des Nationaltrainers die Probleme des deutschen Fußballs nicht verändern oder lösen wird. Und dementsprechend geht das jetzt los." Das ist die realistische Lesart eines Kandidaten, der weiß, dass ein Bundestrainer allein nicht reparieren kann, was strukturell schief liegt. Und es ist zugleich die Aufforderung an den Verband, mehr zu liefern als eine Personalie.
Diese Lieferung beginnt in dieser Woche in den USA. Neuendorf und Watzke reisen dorthin, um erste Gespräche mit ihrem Wunschkandidaten auf die Nachfolge von Julian Nagelsmann zu führen. Der Rahmen ist damit gesetzt: zwei DFB-Verantwortliche, ein Kandidat, ein Sportdirektor im Hintergrund, dessen Rolle zwischen Klopp und Watzke offenbar bereits abgesprochen ist. Wer in solchen Konstellationen reist, hat entschieden, mit wem er nicht mehr verhandeln muss.
Bleibt die Frage, ob die Chemie hält, was die Telefonate versprechen. Klopp und Völler haben, zumindest nach dem, was aus dem Bild-Bericht durchdringt, den ersten Schritt getan – nicht der Verband hat sie zusammengeführt, sondern Klopp hat den Hörer in die Hand genommen. Das ist eine Reihenfolge, die etwas über die Machtverhältnisse verrät, noch bevor irgendein Vertrag unterschrieben ist. Watzkes Satz von der Dominanz und der Teamfähigkeit wird man in den nächsten Monaten oft heranziehen können. Er ist die Gebrauchsanweisung für alles, was jetzt kommt.
Live







































