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·28 May 2026
Lars Ricken liefert die ehrlichste Dortmunder Sommerbotschaft seit Jahren

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·28 May 2026

Dortmunds Sport-Geschäftsführer setzt auf Arbeit und Spektakel, hält an Kovac fest und verzichtet bewusst auf das Wort Meisterschaft.
Lars Ricken hat in der Sport Bild ein paar Sätze gesagt, die nach Identitätssuche klingen, und vielleicht sind sie das auch. Der Sport-Geschäftsführer von Borussia Dortmund spricht von einer „verschworenen Truppe", von Zusammenhalt und Geschlossenheit, und er findet für das, was auf dem Platz zu sehen sein soll, eine Formel aus zwei Wörtern: Arbeit und Spektakel. Dazu beruft er sich auf die Arbeitermentalität der Stadt. Für Siege kämpfen, füreinander einstehen, das seien die Werte des Klubs. Und weil das allein nicht reicht, soll Kreativität hinzukommen, damit das Spiel attraktiver wird.
Man kann diese Selbstverortung sympathisch finden. Man kann sie auch als das lesen, was sie zwangsläufig ist: ein Versuch, dem strukturellen Abstand zum FC Bayern eine Erzählung gegenüberzustellen, die nicht in Tabellenpunkten gemessen wird. Denn die Zahl, die Ricken selbst nennt, ist die eigentliche Pointe des Interviews. Der BVB hat die fünftbeste Saison seiner Klubgeschichte gespielt – und am Ende standen 16 Punkte Rückstand auf den Meister. Das ist die ehrlichste Auskunft, die ein Dortmunder Funktionär im Sommer geben kann.
Wer das ernst nimmt, kommt um eine unangenehme Erkenntnis nicht herum. Selbst wenn beim BVB vieles richtig läuft, selbst wenn die Saison historisch betrachtet überdurchschnittlich verläuft, reicht das nicht annähernd, um mit München mitzuhalten. Ricken sagt deshalb, man wolle „noch näher heranrücken" und vor allem die direkten Duelle gegen Bayern gewinnen. Das ist eine vorsichtige, im Wortsinn realistische Formulierung. Sie verzichtet auf das Wort Meisterschaft, und sie tut gut daran. Wer aus 16 Punkten Rückstand keine Lehre zieht, sondern Versprechen macht, beschädigt seine Glaubwürdigkeit, bevor die neue Saison begonnen hat.
Interessant ist, wie Ricken und der neue Sportdirektor Ole Book die sportliche Lage beschreiben. Book verweist darauf, dass der BVB in der abgelaufenen Bundesliga-Saison die wenigsten Gegentore kassiert hat. Das ist die belastbare Substanz, auf der man aufbauen kann. Gleichzeitig räumt Book ein, dass es im Angriff Verbesserungspotenzial gebe; man wolle in der Offensive nachlegen. Das passt zu Rickens Wortpaar: Die Arbeit ist erledigt, das Spektakel fehlt noch. Es ist eine ungewöhnlich nüchterne Diagnose für einen Klub, der lange dazu neigte, seine Defensivprobleme rhetorisch in Offensivversprechen aufzulösen.
Die zweite Konsequenz aus dieser Diagnose ist Kontinuität auf der Trainerposition. Niko Kovac' Vertrag läuft bis Sommer 2027, und Ricken lässt keinen Zweifel daran, dass er mit ihm weiterarbeiten will. Man habe „intern bereits gesprochen", man sei „ganz entspannt", weil ein „sehr großes Vertrauensverhältnis" bestehe. Book ergänzt, der Austausch sei „sehr gut und sehr intensiv", man marschiere in die gleiche Richtung. Das mag nach Funktionärsprosa klingen, ist aber in Dortmund, wo Trainer in den vergangenen Jahren regelmäßig zur Variable wurden, eine bemerkenswerte Botschaft.
Ob Arbeit und Spektakel als Formel trägt, wird sich zeigen. Sie hat den Vorzug, ehrlich zu sein, weil sie das eine vor das andere stellt. Erst die Mühe, dann die Schauwerte. Den Rückstand auf Bayern wird das nicht in einer Saison aufheben, und Ricken sagt das selbst. Aber es wäre, gemessen an den Erwartungen früherer Dortmunder Sommer, schon ein Fortschritt, wenn der Klub im Mai bei genau dem ankommt, was er sich im Juni vorgenommen hat.







































