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VfL Osnabrück

·28 June 2026

Lukas Bornschein im Porträt: Der Heimat entwachsen

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Lukas Bornschein bringt trotz seines jungen Alters bereits reichlich Erfahrung aus einer der renommiertesten Nachwuchsakademien Deutschlands mit. Nach 13 Jahren beim Hamburger SV wagt der Innenverteidiger nun erstmals den Schritt aus seiner Heimatstadt und möchte beim VfL Osnabrück den nächsten Entwicklungsschritt in seiner Karriere gehen.

Mit Lukas Bornschein kommt ein echter Hamburger an die Bremer Brücke. Aufgewachsen im Nordosten der Hansestadt schoss er gemeinsam mit seinem älteren Bruder schon im Kindesalter seinem Vater im heimischen Garten die Bälle um die Ohren. Wenig später schlossen sich die Brüder Bornschein zeitgleich dem Walddörfer SV an. Dabei entdeckte man schnell das Talent von Lukas, sodass er früh zu seinem Bruder in die ältere Jugendmannschaft hochgezogen wurde. Zunächst stand er noch ganz vorne auf dem Feld, ehe schließlich auch sein Talent in der Defensive entdeckt wurde. „Bei den Walddörfern habe ich angefangen als Stürmer. Dann ging es immer weiter zurück über die 6er-Position, bis ich schließlich als Verteidiger auf dem 7er-Feld stand. Tore schießen war früher immer das Beste, aber ich habe mich schnell hinten wohlgefühlt. Ich habe dort alles in der Hand und alles ‘unter Kontrolle’. Es gefällt mir, von dort das Spiel zu lenken“, erinnerte sich Bornschein im September 2023 in einem Interview mit dem Hamburgischen Fußball-Verband.


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Seine außergewöhnlichen Qualitäten als Defensivakteur bemerkte dann auch der Hamburger SV, sodass Bornschein bereits in der U9 zu den “Rothosen” wechselte. Dabei wurde er auch von seinem Trainer Chase Reichenberg begleitet, der ebenfalls vom Walddörfer SV zum HSV wechselte. „Der Coach hat seine Begeisterung am Spiel und die Emotionen an uns weitergegeben. Er hat mich tief beeindruckt, war lustig und hatte eine gute Bindung zur Mannschaft.“ Allgemein legt der 21-Jährige viel Wert auf die Beziehung zu seinem Trainer. „Ich schätze es, wenn mir der Trainer Vertrauen gibt und auf mich und meine Fähigkeiten setzt. Ich finde die Bindung zwischen Trainer und Spieler extrem wichtig. Der Trainer muss Kritik geben können und einen gewissen Abstand haben, aber es ist auch wichtig, gemeinsam lachen zu können – trotz der nötigen Professionalität.“ Standesgemäß spielte Bornschein in den verschiedenen Jugendmannschaften des HSV unter ganz unterschiedlichen Trainern.

Die meisten Einsätze in seiner Karriere feierte Bornschein unter Coach Lukas Anderer, unter dem er bis zuletzt in der Zweitvertretung des Hamburger SV auflief. Elfmal führte Bornschein die Mannschaft dabei auch als Kapitän aufs Feld. Insgesamt erlebte der Innenverteidiger in seinen vier Spielzeiten beim HSV II, in denen er 75 Partien bestritt, fünf verschiedene Trainer. Bei insgesamt 16 Spielen stand dabei Pit Reimers an der Seitenlinie, der wenig später, im September 2024, beim VfL als Chefcoach anheuerte und jüngst als Co-Trainer des SC Paderborn den Bundesligaaufstieg feierte. Kurz vor dem Saisonstart gibt es also beim Testspiel gegen die Ostwestfalen am 1. August 2026 (Anpfiff: 15:30 Uhr) an der Bremer Brücke ein Wiedersehen zwischen Reimers und Bornschein. Eine weitere Zusammenkunft mit einem alten Weggefährten wird es für Lukas Bornschein auch während der kommenden Zweitligasaison geben. Denn in der U19 des HSV wurde er in der Junioren-Bundesliga von Oliver Kirch trainiert, der in diesem Sommer den Cheftrainerposten bei Arminia Bielefeld übernahm.

Unter all diesen Trainern wurde Bornschein vor allem der Teamgedanke immer wieder eingeprägt: „Als Einzelner kommst du nicht weit. Nur wenn jeder fürs Team spielt, kommt Erfolg am Ende raus. Fußballerisch habe ich in allen Bereichen viel gelernt und beim HSV eine sehr gute Ausbildung genossen. […] Wenn es fehlt, ist es wichtig, die Jungs mitzureißen, heiß zu machen, positiv zu pushen, mit guten Aktionen voranzugehen und eine gute Lautstärke vorzuleben.“ Trotzdem stach der Innenverteidiger auch außerhalb des Vereins im Hamburger Fußball mit seinen individuellen Leistungen hervor. So wurde er 2023 als Jugendspieler des Jahres vom Hamburgischen Fußball-Verband (HFV) ausgezeichnet. Die Auszeichnung konnte, der damals 18-Jährige allerdings nicht persönlich entgegennehmen, da er sich auf Länderspielreise mit der deutschen U19-Nationalmannschaft befand.

So stand er in den Freundschaftsspielen gegen England (1:0) und die Schweiz (6:1) unter anderem mit Tom Bischof, Dennis Seimen und Kofi Amoako auf dem Platz. Bornschein überzeugte Trainer Christian Wörns mit seinen Leistungen, sodass er einen Monat später auch für die Qualifikationsspiele zur Europameisterschaft nominiert wurde. In allen drei Partien gegen Kasachstan (6:0), Nordmazedonien (3:1) und Polen (3:3) stand er über die volle Distanz auf dem Platz. Im Spiel gegen Kasachstan setzte er sogar mit seinem Treffer zum 6:0 selbst den Schlusspunkt. Auch beim 3:3 gegen Polen hatte Bornschein, der in der Nationalelf als zentraler Verteidiger in einer defensiven Dreierkette auflief, einen entscheidenden Anteil am Punktgewinn. Schließlich bereitete er den 3:3-Ausgleich von Dzenan Pejcinovic in der 76. Minute vor, als er bei einem Eckball mit aufgerückt war und den zweiten Ball für den Stürmer auflegte. Insgesamt absolvierte Bornschein neben seinen fünf Einsätzen für die U19 zuvor auch zwei Länderspiele für die deutsche U18-Nationalmannschaft.

Nun wagt Lukas Bornschein nach insgesamt 13 Jahren beim Hamburger SV erstmals den Schritt raus aus seiner Heimatstadt. Bedenken hat der 21-Jährige dabei aber nicht: „Es ist sehr ungewohnt, das erste Mal aus Hamburg wegzuziehen. Aber für mich ist es einfach eine neue Herausforderung. Der VfL ist ein cooler Traditionsverein mit tollen Fans. Ich habe viel von der Atmosphäre hier an der Bremer Brücke gehört und darauf freue ich mich, glaube ich, am meisten.“ Dabei wird er den VfL-Fans vor allem auch durch seine Körpergröße auffallen. Mit 1,96 Metern ist er gemeinsam mit Theo Janotta der größte Spieler im aktuellen Kader der Lila-Weißen. Diesen Größenvorteil weiß der Defensivakteur laut eigener Aussage auch für sein Spiel zu nutzen: „Meine Stärken sind auf jeden Fall die Zweikampfstärke und insbesondere das Kopfballspiel, aber auch das Spiel mit dem Ball.“

Ein klassisches fußballerisches Vorbild hatte Bornschein in seiner Jugend nicht. „Wichtig ist es, alle möglichen Basistechniken zu beherrschen. Im Herrenfußball kommt es dann auch sehr auf Körperlichkeit an. Wenn man richtig gut sein möchte, sollte man eine eigene Stärke entwickeln, die man besser kann als jeder andere. Es geht nicht darum, jemanden zu kopieren, sondern ich muss ‘mein eigener Spieler’ werden.“ Die Entwicklung seines Spielertyps möchte Bornschein nun beim VfL Osnabrück fortsetzen. Im Defensivverbund wird er dabei einer der jüngsten Spieler sein, davor schreckt er aber keineswegs zurück. „Natürlich weiß ich, dass ich einer der jüngeren Spieler hier bin, aber ich bin immer gerne bereit, nicht nur die Rolle als Herausforderer einzunehmen, sondern auch Verantwortung zu übernehmen. Das kann ich mir hier auf jeden Fall auch gut vorstellen. Selbstverständlich habe ich Respekt vor der kommenden Aufgabe. Aber es überwiegt ganz klar die Vorfreude. Es ist einfach eine unglaublich gute Chance für mich, mich zu beweisen und möglichst viel Spielpraxis zu bekommen.“

Mit seiner jahrelangen Ausbildung beim Hamburger SV, 75 Einsätzen in der Regionalliga Nord, seinen Erfahrungen auf internationaler Nachwuchsebene und seiner klaren Vorstellung vom eigenen Spiel bringt Lukas Bornschein beste Voraussetzungen für den nächsten Karriereschritt mit. An der Bremer Brücke möchte der Innenverteidiger nun zeigen, dass er seine Qualitäten auch im Profifußball konstant auf den Platz bringen kann und sich im Trikot des VfL Osnabrück nachhaltig empfehlen.


Text: Jendrik Greiwe Foto: Jonas Jürgens

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