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·27 March 2026
Manuel Neuer wird 40: Ist er der GOAT-Keeper des FC Bayern?

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·27 March 2026

Manuel Neuer wird 40 und zählt beim FC Bayern zu den besten Torhütern der Geschichte. Aber ist er auch der „Greatest of all time“? Drei verschiedene Meinungen.
Am Freitag war es soweit: Manuel Neuer hat die nächste Schallmauer durchbrochen – diesmal beim Alter. Der einstige und mehrmalige Welttorhüter ist 40 geworden.
Wann er seine Torwarthandschuhe an den Nagel hängt, ist derweil noch unklar. Die Zukunft des Weltmeisters von 2014 wird in den kommenden Wochen und Monaten geklärt. Sein Vertrag beim FC Bayern München läuft aus.
Anlass genug für die Redaktion, um jetzt schon auf eine Frage zu blicken, die Neuer nach seiner Karriere hinterlassen wird: Ist er der größte und beste Bayern-Torhüter, den es in der Vereinsgeschichte gab?
In der Miasanrot-Redaktion gibt es dazu unterschiedliche Meinungen. Hier kommen drei Plädoyers für drei unterschiedliche FCB-Keeper.
Von Andreas
Wenn es in München um Torhüter-Geschichte geht, landet man früher oder später immer bei Sepp Maier. Die Vereinsikone ist inzwischen 82 Jahre alt und hat den FC Bayern sowie die Nationalmannschaft in den 70er Jahren geprägt wie kaum ein anderer. Er war der beste Torhüter, den der Rekordmeister je hatte.
Er spielte von 1962 bis 1979, also 17 Jahre, für die Profis des FC Bayern und absolvierte in dieser Zeit insgesamt 536 Pflichtspiele, darunter die legendäre Serie von 442 Bundesliga-Spielen in Folge. Maier war ein wesentlicher Bestandteil jener Mannschaft, die den Grundstein für alle heutigen Erfolge gelegt hat.
Mit dem FCB gewann er dabei dreimal den Europapokal der Landesmeister (1974, 1975, 1976), wurde viermal Deutscher Meister und holte viermal den DFB-Pokal. Für die deutsche Nationalmannschaft bestritt er zudem 95 Länderspiele und wurde Europameister 1972 sowie Weltmeister 1974.
Was Maier über all die Jahre ausgezeichnet hat, waren vor allem seine Bodenständigkeit und sein Humor. Kein großes Gehabe, dafür hatte er einen enormen Ehrgeiz, aber immer auch den nötigen Witz. Er wurde zweimal Weltmeister, 1974 als Torwart auf dem Platz und 1990 als Torwarttrainer in Italien.
Gerade der Titel im eigenen Land 1974 war alles andere als ein Spaziergang. Die Bedrohung durch die RAF war damals real, die Mannschaft lebte abgeschirmt und unter ständiger Bewachung. Die Stimmung war angespannt.
Es brauchte wohl eine legendäre Spielersitzung ohne Trainer (und ja, angeblich auch ein paar Kaltgetränke), um die Truppe wieder zusammenzuschweißen. Sepp Maier war damals mittendrin. Er wusste offenbar schon: Fußball ist nicht nur Taktik und Training, sondern vor allem auch Vertrauen und menschlicher Zusammenhalt.
Diese eher einfache und direkte Sicht auf den Sport prägt auch heute noch seine Meinung. Wenn er auf den modernen Fußball schaut, sieht er vieles kritischer als früher. Während zu seiner Zeit im Grunde ein Trainer und ein Manager gereicht haben, ist der Profifußball heute ein riesiger Apparat mit Beratern, Analysten und ganzen Betreuerteams.
Das Geschäft rund um den Sport ist deutlich größer geworden. Und immer wieder sagte Maier öffentlich, dass das auch eine Unruhe mit sich bringt, die es früher so nicht gab.
Und damit zurück zu Manuel Neuer. Sepp Maier hat seine Karriere selbst unfreiwillig mit 35 Jahren beenden müssen (nach einem schweren Autounfall). Er weiß, wie es ist, wenn man am Ende einer Laufbahn nicht mehr die Leistungen bringen kann, die man eigentlich gern noch bringen würde.
Bei Maier war die Karriere im Rückblick fast schon ein bisschen zu kurz, während sie bei Neuer vielleicht zu lang zu werden droht. Fußballerisch lassen sich die beiden Generationen kaum miteinander vergleichen. Wer stumpf Videos übereinander legt, wird wohl auch bei einem durchschnittlichen Bundesliga-Torwart Dinge finden, die deutlich besser und athletischer wirken als einst bei Maier.
Aber schaut man sich an, wie Maier diese historische Mannschaft geprägt hat und welche Identifikation er dabei mit den Fans geschaffen hat, dann ist er zweifellos eine der ganz großen Persönlichkeiten des Fußballs – und aus meiner Sicht auch der GOAT beim FC Bayern.
Von Florian
Wer ist der beste Torhüter beim FC Bayern? Eine Frage, die man vielleicht anhand von Statistiken beantworten könnte, doch das wäre Sepp Maier gegenüber ungerecht und auch die Karriere von Oliver Kahn liegt größtenteils in einer Zeit, in der Datenanalysen und Scoutingfeeds für viele Beobachter der Branche sehr weit weg waren.
Warum also nicht die Emotionen in den Vordergrund stellen? Und für mich ist Oliver Kahn hier die passende Antwort. Der Badener war es nämlich, der zusammen mit dem FC Bayern international erfolgreich wurde, der den Verein in Jahren internationaler Bedeutungslosigkeit zurück ins Scheinwerferlicht brachte, der Spiele im Alleingang gewinnen konnte und in zahlreichen Abwehrschlachten in Manchester, Madrid oder Mailand seinen Mann stand.
Und das auf beeindruckende Art und Weise. Wie oft hat man sich verwundert die Augen gerieben, wenn Kahn durch die Luft flog und einen der berühmten „Unhaltbaren“ aus dem Winkel kratzte? Seine Paraden waren so spektakulär wie bei kaum einem anderen Keeper, sein Charakter so besonders, dass ganz nebenbei auch der Unterhaltungsfaktor immer gegeben war.
Kahn war kurioserweise ein Torhüter, der vielleicht nicht der talentierteste seiner Zeit war. Er war vielmehr ein Sportler, der, besessen vom Erfolg, einen Ehrgeiz, eine Gewinner-Mentalität in die FCB-Kabine gebracht hat, von dem der Klub noch lange profitierte. Er hat das „Mia san mia“ des Klubs derart verkörpert, vielleicht sogar mitgeprägt, dass man die Vermutung aufstellen könnte, dass er wie Obelix als Kind in einen Kessel voll mit „Mia san mia“-Zaubertrank gefallen ist.
Kahn war ein Torwart der alten Schule, am Ball war er Manuel Neuer weit unterlegen und das Torwartspiel in den 1990er und 2000er Jahren war vielmehr darauf ausgerichtet, Bälle zu fangen, anstatt Spielzüge zu initiieren. Darin war Kahn aber Weltklasse und vielleicht sogar nochmal eine Nuance stärker als alle anderen Bayern-Torhüter.
Ihn am modernen Torwartspiel zu messen, wäre unfair. Im Münchner Tor war er aber als Gesamtpaket auf und neben dem Platz eine Idealbesetzung, die es so nie mehr geben wird. Damit ist er meine Nummer 1.
Von Justin
Bei diesem Thema schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Emotional wird für mich niemals auch nur irgendjemand an Oliver Kahn vorbeikommen. Der Titan hat meine Jugend geprägt und nachhaltig Eindruck hinterlassen. Das Komplettpaket aus Charakter, Spektakel, Titeln, Leistung und letztendlich auch persönlicher Geschichte machen ihn für mich eigentlich zum „GOAT“ zwischen den Pfosten.
Eigentlich. Denn dann habe ich mein Analysten-Herz befragt und die Emotionen für einen Moment ausgeblendet. Die Fakten sprechen für sich: Neuer hat 32 Titel gewonnen (manchmal werden 33 genannt, aber beim Supercup 2017 war er verletzt), er dominierte über einige Jahre die individuellen Awards bei Torhüterauszeichnungen und er spielt bereits seine 20. Bundesliga-Saison.
Der Mann ist omnipräsent und wird beim FC Bayern seine 13. Meisterschaft gewinnen – damit zieht er mit Thomas Müller gleich. Schon beim bloßen Blick auf seine Vitrine verlieren alle anderen Konkurrenten. Aber das ist eben noch nicht alles. Die Art und Weise, wie Neuer das Torwartspiel revolutioniert hat, ist einzigartig. Kein Maier, kein Kahn und kein anderer Torwart hatten so einen immensen Einfluss darauf, wie sich das Spiel zwischen den Pfosten verändert hat.
Als Neuer seine Karriere startete, wirkte es so, als käme er aus der Zukunft. Wenn man über Lionel Messi und Cristiano Ronaldo als die größten Fußballer unserer Zeit diskutiert, muss man eigentlich auch Neuer mit dazu nehmen. Der einzige Grund, das nicht zu tun, wäre der typische Offensiv-Bias. Unvergessen sind all die spektakulären Ausflüge des heute 40-Jährigen oder sein überragendes Aufbauspiel, das ihm unter Pep Guardiola beinahe mal einen Einsatz im Feld verschafft hätte.
Und trotzdem stand er seinen Vorgängern auf der Linie in nichts nach. Neuer war vielleicht der kompletteste Torhüter, der jemals auf irgendeinem Fußballplatz stand. Wenn man nun die Frage stellt, wer der GOAT im Bayern-Tor ist, dann sollte man nicht Emotionen, sondern Fakten sprechen lassen. Ja, Neuer wird bei vielen Fans nicht die Identifikation erreichen, die ein Maier oder Kahn erreichten.
Das liegt einerseits an seiner Vergangenheit als Schalke-Ultra, die ihm bis heute noch einige sehr übel nehmen. Andererseits liegt es daran, dass er neben und auf dem Platz viel unscheinbarer agiert hat. Neuer ist kein klassischer Lautsprecher wie Kahn es war und er wirkt auch nicht so nahbar wie Maier. Aber all das muss er auch nicht sein, um sportlich trotzdem über allen zu schweben – und das letztlich nicht nur beim FC Bayern.
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