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·12 April 2026
Manuel Neuers WM-Absage ist sein gutes Recht – egal was Matthäus sagt

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·12 April 2026

Neuer erklärte nach dem 5:0 gegen St. Pauli klar, nicht zur WM zu wollen. Spekulationen über ein schlechtes Verhältnis zu Nagelsmann wies er im ZDF-Sportstudio zurück.
„Bin gar nicht Teil des Ganzen." Sechs Wörter, gesprochen nach einem 5:0 beim FC St. Pauli, beiläufig fast – und trotzdem die klarste Ansage, die ein deutscher Fußballer in dieser Saison gemacht hat. Manuel Neuer will nicht zur WM. Nicht, weil ihn niemand fragt. Sondern weil er es nicht will. Und genau das scheint für manche schwerer zu ertragen als jede sportliche Niederlage.
Die Chronologie ist dabei so durchsichtig wie vorhersehbar. Neuer liefert im Champions-League-Viertelfinal-Hinspiel bei Real Madrid eine Weltklasse-Leistung ab – neun Paraden, nur ein Gegentor durch Mbappé, „Man of the Match" der UEFA. Sofort werden die Rufe lauter: Der muss zur WM!
Lothar Matthäus geht noch einen Schritt weiter und behauptet, Bundestrainer Nagelsmann würde Neuer wegen eines angespannten Verhältnisses nicht nominieren. Der Subtext: Nicht Neuer blockiert, sondern der Bundestrainer. Die Debatte wird umgedreht – vom Rücktritt des Spielers zur angeblichen Verweigerung des Trainers.
Neuer selbst zerlegt das im ZDF-Sportstudio mit zwei Sätzen: „Wir haben kein schlechtes Verhältnis, wir haben ein gutes Verhältnis." Und dann, fast amüsiert: „Was dann von außen gesprochen wird, ich glaube, das interessiert ihn nicht und mich auch nicht." Der 40-Jährige entzieht der Spekulationsspirale den Sauerstoff – nicht mit einer emotionalen Erklärung, sondern mit Gleichmut. Wer so redet, hat seinen Frieden gemacht.
Was Matthäus betreibt – und er ist nur der lauteste Vertreter –, hat im deutschen Fußball Tradition. Karriereentscheidungen von Spielern werden öffentlich zur Verhandlungsmasse erklärt. Als gäbe es ein kollektives Verfügungsrecht über Profis, die noch leistungsfähig sind. Die Logik dahinter: Wer noch kann, der muss. Dass jemand nicht mehr will, obwohl er noch kann, passt nicht ins System. Schon gar nicht, wenn eine WM vor der Tür steht.
Dabei lohnt ein Blick auf das, was Neuer gerade tut. Bayern führt die Bundesliga mit zwölf Punkten Vorsprung an, hat mit dem 5:0 gegen St. Pauli einen Bundesliga-Rekord aufgestellt – 105 Treffer in der Liga – und steht im Champions-League-Halbfinale greifbar nah. Neuer sagt: „Es macht einfach Spaß in der Truppe und um alles zu spielen." Das ist kein Mann, der sich verkriecht. Das ist ein Mann, der seine Prioritäten gesetzt hat. Er will diese Bayern-Saison zu Ende bringen, mit einem Vertrag, der im Juni 2026 ausläuft. Danach ist Schluss – oder auch nicht, aber das entscheidet er.
Man kann sportlich argumentieren, dass Neuers Klasse dem DFB-Team helfen würde. Natürlich könnte sie das. Aber diese Argumentation übersieht den entscheidenden Punkt: Es ist nicht die Aufgabe von Experten und Talkshow-Gästen, einem Spieler zu erklären, wann sein Rücktritt gültig ist und wann nicht. Ein Rücktritt ist kein Angebot, über das verhandelt wird. Er ist eine Entscheidung.




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